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Deutsche Bank: Wilhelm von Haller kehrt zurück

Führungsduo: Wilhelm von Haller (Foto) und Thomas Rodermann leiten das Firmenkundengeschäft.
Sal. Oppenheim

Der Umbau der Deutschen Bank im Firmenkundengeschäft nimmt endlich Gestalt an. Gewinner ist Privatkundenvorstand Rainer Neske. Sein Bereich Private & Business Clients (PBC) darf sich zu den Geschäftskunden nun auch den größten Teil der Firmenkunden der Deutschen Bank einverleiben.

Nur rund 1.400 Unternehmen verbleiben im Bereich Corporate Banking & Securities (CB&S). Die Grenze verläuft – wie mittlerweile bei den meisten Häusern – nicht streng entlang einer Umsatzgröße. Kapitalmarktfähige und -willige Unternehmen mit komplexem Beratungsbedarf bleiben bei den Investmentbankern. Inoffiziell orientiert sich die Bank an einer Grenze von 250 Millionen Euro, die aber nur als Richtgröße gilt.

Die Doppelspitze bei der DeuBa bleibt

Mit der Neuordnung kehrt auch ein alter Bekannter zurück. Wilhelm Freiherr von Haller, bis vor kurzem noch CEO von Sal. Oppenheim, soll zukünftig gemeinsam mit dem schon amtierenden Chef des Privat- und Geschäftskundensegments in Deutschland, Thomas Rodermann, die Geschäfte führen. Beide berichten direkt an Konzernvorstand Rainer Neske.

Eine Aufgabenteilung soll zwischen von Haller und Rodermann noch nicht festgelegt sein. Aber Rodermann ist von seiner Vita her ein Privatkundenmann, während von Haller vor seiner Funktion bei Sal. Oppenheim bis zum Herbst 2009 bereits das Mittelstandsgeschäft der Deutschen Bank leitete.

Die Deutsche Bank führt mit von Haller und Rodermann auf PBC-Ebene unterhalb des Vorstands eine Doppelspitze ein und spiegelt damit die CEO-Konzernebene. Im Mittelstandsgeschäft hat die Doppelspitze Tradition: Das Segment leiteten früher gemeinsam Ulrich Schürenkrämer und von Haller, der nach seinem Wechsel zu Sal. Oppenheim von Cornel Wisskirchen ersetzt wurde. Dieses Führungsduo wird nun allerdings abgeschafft.

Wisskirchen und Schürenkrämer werden aber weiter eine wichtige Rolle im Firmenkundengeschäft spielen. Sie sind zwei von fünf neu ernannten Regionalleitern, die eine Gesamtverantwortung für alle Produktbereiche der Deutschen Bank haben sollen. Damit vollzieht das Haus eine Rolle rückwärts, hatte sie doch erst vor einem Jahr im Bereich PBC vor Ort eine Spartenstruktur eingezogen und den klassischen Filialleiter zurechtgestutzt. Mit der neuen umfassenden Regionalverantwortung will das Haus sich als Universalbank zeigen und mit den Kunden mehr Geschäft über die Sparten hinweg machen.

Abgesehen von diesen Personalien ist unklar, ob es weitere Umbesetzungen gibt. Der von Stephan Beil und Steffen Rapp geleitete Bereich Structured Finance, der Akquisitions- und LBO-Finanzierungen im mittelständischen Segment strukturiert, dürfte in CB&S verbleiben, weil die meisten Kunden umsatzseitig über der Schwelle liegen und der Bereich keine Vertriebs-, sondern eine Produkteinheit ist. Ob sich an den Aufgaben von Stefan Boden, Leiter Unternehmensfinanzierung, und Jens Michael Otte, der das Geschäft mit den Unternehmen in öffentlicher Hand verantwortet (die mit in PBC umgezogen werden), etwas ändert, ist derzeit nicht bekannt.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Regionalleitern?

Für die Firmenkunden, die von CB&S in PBC umgehängt werden, dürfte sich zunächst wenig ändern. Die Betreuer sollen mitwandern, und die Bank verspricht zukünftig größere personelle Kontinuität. Die Verzahnung mit dem Global Transaction Banking (GTB), in dem der Zahlungsverkehr und das Auslandsgeschäft abgewickelt werden, soll verbessert werden. Man darf glauben, dass die Bank darauf größten Wert legt, weil die Erträge aus GTB für die Rentabilität der Gesamtkundenbeziehung enorm wichtig sind.

Spannend dürfte die Frage sein, wie sich das Führungsduo von Haller und Rodermann mit den Regionalleitern verständigt. Neben Wisskirchen (Nord) und Schürenkrämer (Süd) ist mit Harald Eisenach (Ost) ein weiterer Regionalleiter ein ausgewiesener Firmenkundenbanker. Mit von Haller kommt nun ein ebenso durchsetzungsstarker wie fordernder Firmenkundenchef zurück an Bord. Wer zukünftig beim Kunden auftaucht, wenn Schulterklappen gefragt sind, muss sich noch zeigen. Die Frage zieht sich bis ganz oben durch: Ob bei den großen Mittelständlern auf Vorstands- und Gesellschafterebene eher Rainer Neske oder doch weiterhin Jürgen Fitschen vorbeischaut, wird spannend zu beobachten sein.

bastian.frien[at]finance-magazin.de

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