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EU-Bankenabwicklung: S&P überprüft Bankenratings

S&P plant die Ratings der Großbanken angesichts der Sanierungs- und Abwicklungspläne der EU zu überprüfen.
Standard&Poor's

CFOs müssen im Frühsommer gegebenenfalls ihre Banken im Hinblick auf das Kontrahentenrisiko neu bewerten. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) will die Ratings der europäischen Banken sowie von acht US-Banken bis Ende April überprüfen. Dies erfolgt vor  dem Hintergrund der kurz vor der Fertigstellung stehenden EU-Gesetzgebung rund um die Sanierung und Abwicklung von Banken.

Von den Plänen der Ratingagentur dürften vor allem jene Banken betroffen sein, die bisher auf staatliche Unterstützung hoffen können, wenn sie in Schieflage geraten. Die Ratings dieser Institute könnten sich nun um ein bis zwei Stufen verschlechtern. Derzeit hat S&P einen sogenannten „Government Support“ in das Rating der Großbanken einkalkuliert: Weil der Staat im Notfall einspringen würde, so die Annahme der Ratingagentur, werden systemrelevante Banken ein bis zwei Notches höher bewertet. Dies gelte für die Deutsche Bank, die Commerzbank, die HypoVereinsbank, die Nord LB und die Deka Bank, hieß es im September auf einer Pressekonferenz von S&P.

Mit der Einführung eines Abwicklungsmechanismus für Banken auf EU-Ebene soll jedoch ein Bail-out durch den Steuerzahler verhindert werden. Stattdessen sollen künftig Anteilseigner und Gläubiger frisches Kapital zuschießen (Bail-in).

Kontrahentenrisiko für CFOs könnte sich verändern

Ob den Banken nun eine Ratingänderung droht, sei von der Fähigkeit der Banken abhängig, sich an die Reformen anzupassen, hieß es von S&P. Sollten sich die Ratings der Banken verändern, dürfte manch ein CFO auch darüber nachdenken, seine Limite neu zu vergeben. Gleichzeitig könnten sich auch die Finanzierungskosten der Unternehmen verteuern, wenn sich die Bankenratings verschlechtern und diese sich zu höheren Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren müssen.

Gleichzeitig erklärt die Ratingagentur, dass die staatliche Unterstützung wahrscheinlich schrittweise und selektiv aus den globalen Bankenratings wegfallen wird, da sich die Geschwindigkeit der Umsetzung von Reformen von Region zu Region unterscheidet. „Wir haben bereits die Anhebung der möglichen außerordentlichen Unterstützung der Regierung aus den Ratings über nachrangige Instrumente in vielen Ländern herausgenommen, vor allem dort, wo die Beteiligung von Junior-Gläubigern an Rettungsaktionen eine gängige Praxis im Falle von Bankenpleiten sein wird“, erklärt die Ratingagentur jetzt. Der Fokus von S&P liegt nun auf vorrangigen unbesicherten Gläubigern der europäischen Banken, die die Ratingagentur als systemisch wichtig ansieht und wo sie ein Risiko sieht, dass ebenfalls ein Bail-in in Anspruch genommen werden könnte.

Bail-in nur ein zahnloser Tiger?

Noch im vergangenen September war S&P davon ausgegangen, dass Deutschland systemrelevante Banken in den kommenden Jahren weiterhin retten würde.  Mit der bevorstehenden Einigung über eine Bankenabwicklung in der EU scheint man diese Meinung nun noch einmal zu überdenken. Auch systemische Banken sollen mit diesem Mechanismus künftig geordnet saniert, im Notfall auch abgewickelt werden können.

Ob Politiker dies tatsächlich zulassen werden ist jedoch heftig umstritten: Ökonom Martin Hellwig geht nicht davon aus, dass Großbanken wie Barclays, JP Morgan, die Deutsche Bank oder BNP Paribas abgewickelt werden könnten. Politiker hätten viel zu viel Angst vor den unabsehbaren Folgen, sagte der Direktor des Max Planck Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern am vergangenen Freitag bei einer Veranstaltung der Deutschen Bundesbank. Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen hielt dagegen: Die Banken hätten den Aufsichtsbehörden längst Abwicklungsplänen vorlegen müssen. Diese sollte Hellwig erst einmal lesen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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