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Jürgen Fitschen: „Wir brauchen paneuropäische Banken“

iStock / Thinkstock / Getty Images

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen glaubt, paneuropäische Banken seien notwendig, um der wachsenden Konkurrenz aus den BRIC-Staaten begegnen zu können. „Wir brauchen paneuropäische Banken“, sagte Fitschen in einem Interview mit der Börsen-Zeitung. „Andernfalls werden uns die Wachstumsräume China, Indien, Brasilien oder auch Russland wirtschaftlich abhängen. Dort entstehen Finanzinstitute, die dank ihres großen einheitlichen Marktes viel produktiver sind als wir und mit sehr günstigen Kostenstrukturen hochprofitabel arbeiten.“ Nicht zuletzt die Kostensituation der Deutschen Bank zwinge das Institut dazu, über neue Strukturen nachzudenken. „Wir können steigende Personal- und IT-Kosten nur noch auffangen, indem wir größere, europäische Plattformen bauen und mit anderen teilen – am liebsten bei uns zu Hause“, sagte Fitschen weiter.

Banken müssen Kosten senken

Den Kostendruck verspürt nicht nur die Deutsche Bank. Viele Kreditinstitute müssen ihre Kosten reduzieren, weil das ungünstige Umfeld im Handel und bei Transaktionen sowie die schärferen Regulierungen, beispielsweise im Rahmen von Basel III, die Gewinne und das Wachstum bei den Einnahmen drücken. Einige globale Investmentbanken wollen dies durch Stellenabbau oder durch Verlagerung von Jobs von der Londoner City in andere Orte Großbritanniens oder Asiens erreichen.

Der Co-CEO der Deutschen Bank ist zudem der Meinung, dass die europäische Bankenbranche längst nicht am Ende des Konsolidierungsprozesses angelangt sei. Auch eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger kommt zu dem Schluss, dass sich auf dem Gebiet noch einiges verändern wird. Demnach würden von den weltweit tätigen Instituten nur maximal zehn Banken die nächsten drei bis fünf Jahre in der jetzigen Form überleben.

Hinzu kommt, dass die europäische Bankenwelt verstärkt Konkurrenz aus Asien bekommt. Asiatische Banken arbeiten beispielsweise hart daran, in der Handelsfinanzierung Marktanteile von ihren europäischen Wettbewerbern zu übernehmen. Umgekehrt bietet sich aber auch für europäische Banken die Chance, vom Wachstum in Asien zu profitieren. Der Roland-Berger-Studie zufolge wird „der Arbeitsplatzabbau […] vor allem die Industrieländer betreffen“. Denn angesichts des erfolgreichen Wachstums der vergangenen zwei Jahre in den Schwellenländern würden dort weitere Arbeitsplätze im Investmentbanking entstehen.

Doch sind paneuropäische Banken überhaupt möglich? Lesen Sie hierzu mehr im Kommentar „Mythos paneuropäische Bank“.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.