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Martin Thomas: „Es ist eine extrem gute Zeit für Berater“

Zwar wächst der Markt für Zahlungsverkehr stark, doch zeichnet sich schon ein Verdrängungswettbewerb ab.
Thinkstock / Getty Images

„Welche Krise“, fragt JP Morgan-Treasury-Experte Thomas  gleich zu Beginn seines Vortrags bei der Vereinigung der Repräsentanten der Deutschen Auslandsbanken und verweist auf die vor Cash nur so strotzenden Bilanzen der deutschen Konzerne. Lag das Verhältnis von Corporate Cash zum deutschen Bruttoinlandsprodukt 2001 noch bei 15 Prozent, stieg es 2011 bis auf 21 Prozent. Für die Corporates entsteht dadurch ein wahrer Anlagedruck: „Yield ist im Hintergrund, das Counterparty-Risiko bleibt wichtig.“ Im Niedrigzinsumfeld könne die Bank Kunden in manchen Währungen auch Nullzinsen auf Cashkonten durchsetzen.

Sicherheit über Rendite; günstige M&A-Finanzierung

Es zeichne sich eine starke Risikoaversion bei Unternehmen ab, so Thomas, dessen Haus in Deutschland rund 100 Firmenkunden betreut, allesamt „Global Corporates“.

Im M&A-Bereich sei derzeit wieder die kurzfristige Brückenfinanzierung von Megadeals möglich, sagte Thomas im Blick auf den von J.P. Morgan finanzierten 28 Milliarden-Dollar-Deal von Heinz. Dies sei noch vor einem Jahr nicht denkbar gewesen.

Die Spreads stehen günstig und das Zinsniveau ist niedrig. Investoren sind deshalb willig sogar in ungerated Bonds zu investieren. Sein Haus erwarte ein weiteres starkes Jahr im Debt-Capital-Markets-Geschäft.

Sepa: das ungeliebte Kind

Die Sepa-Deadline Februar 2014 rückt trotzdem näher und Banken sowie Unternehmen müssen sich mit Sepa auseinandersetzen. „Wir sehen viel Downside und wenig Upside“, sagte Thomas. Bei den Unternehmen ist die Bereitschaft zur Sepa-Umsetzung gering. Sepa sei aber auch ein ungeliebtes Kind der Banken, sagt Thomas. Schließlich sei ein Investment nötig, um hinterher „weniger zu verdienen“.

Preissteigerung in der Handelsfinanzierung

Wegen Basel III steigen die Preise in der Handelsfinanzierung. Denn Banken müssen ihr Eigenkapital erhöhen und verlangen im Gegenzug höhere Preise von ihren Firmenkunden. Nur einige süddeutsche Institute, gerade im öffentlichen Bereich, würden nicht erhöhen. Die Rede war von einer Preissteigerung von rund 20 Basispunkten seit einem halben Jahr. Diese würden von den Corporates ohne Murren akzeptiert, denn Sicherheit steht an erster Stelle. Schwächere oder ungeratete Corporates täten sich zunehmend schwer mit der Finanzierung.

Im FX- und Währungsbereich sei viel kurzfristiges Handeln von den Treasurern gefordert: „Da ist viel Natural Hedge gefragt.“

Eurokonten kehren nach Frankfurt zurück

Durch die Gerüchte um einen möglichen Euro-Austritt von UK und Regulierungsunterschiede in den globalen politischen Blöcken zeichne sich ein Trend ab zur Rückverlagerung der Euro-Währungskonten von London in die Eurozone. Schließlich zeichne sich ab, dass einheimische Institute und Konzerne bevorzugt behandelt würden. Dies spreche stark für Frankfurt.

Im Zahlungsverkehrsgeschäft, das derzeit von vielen Banken als stabiles Geschäft forciert werde, strebt JP Morgan keine höheren Preise an: „Wir setzen auf Volumen“, sagte Thomas mit Blick auf die niedrigen Grenzkosten in dem Geschäft. Zwar wachse der Markt stark. Viele Indikatoren deuteten jedoch auf eine Konsolidierung der Branche hin.

Die Komplexität der äußeren Bedingungen stellt die Banken vor Herausforderungen, bietet aber offenbar reichlich Geschäftsmöglichkeiten: „Es ist eine extrem gute Zeit für Berater“, schloss Martin seinen Vortrag vor den Vertretern der Auslandsbanken.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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