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S&P: Deutschland wird Banken im Notfall weiterhin retten

Die deutsche Regierung wird weiterhin Brände in Großbanken löschen - zumindest für ein paar weitere Jahre.
Thinkstock / Getty Images

Deutsche Großbanken können auch weiterhin auf staatliche Unterstützung hoffen, wenn sie ins Straucheln geraten, meint die Ratingagentur Standard & Poors (S&P). „Wir nehmen an, dass die deutsche Regierung systemrelevante Banken in den kommenden Jahren nicht fallen lassen würde“, sagte S&P-Bankenanalyst Harm Semder am Donnerstag in Frankfurt. Dafür sei das Bankensystem noch zu fragil und es fehle ein Verfahren zur Bankenabwicklung.

Auf EU-Ebene wird seit Jahren über ein solches Verfahren diskutiert, die Bankenabwicklung ist eine der drei Säulen der Bankenunion. Im Juli hatte die EU-Kommission einen Vorschlag vorgelegt. Deutschland sperrt sich bisher gegen eine gemeinsame Abwicklung. Wegen des deutschen Wahlkampfes waren die Verhandlungen ins Stocken geraten, in dieser Woche scheint wieder Schwung in die Debatte gekommen zu sein. Wie das Handelsblatt berichtet, soll die Abwicklungsbehörde nicht, wie bisher geplant, für alle 6.000 Banken der Eurozone zuständig sein, sondern nur für die rund 130 Finanzinstitute, die künftig unter die Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen. Eine geordnete Abwicklung nach Plan wird jedoch frühestens 2015 möglich sein.

Derzeit hat S&P deshalb die Annahme der Staatshilfe als sogenannten „Government Support“ mit zwei Notches in das Rating der Großbanken einkalkuliert. Dies gelte für die Deutsche Bank, die Commerzbank, die HypoVereinsbank, die Nord LB und die Deka Bank, so Analyst Semder. Bei der DZ Bank gehe man davon aus, dass die anderen Institute des genossenschaftlichen Sektors zur Not einspringen würden.

Weltwirtschaft und Wettbewerb belasten deutsches Bankensystem

Insgesamt bewertet S&P die deutsche Bankenlandschaft derzeit zwar sehr gut – als zweitbeste hinter der Schweiz – der Trend ist allerdings negativ. In den kommenden ein bis zwei Jahren sei weiter mit Gegenwind zu rechnen, warnt S&P. Die Gefahr, dass die Rezession in Europa nach Deutschland überschwappt, sei wegen der hohen Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft nach wie vor real, meint Semder: „Das würde auch die deutschen Banken treffen.“ S&P geht davon aus, dass erst 2014 wieder mit einem schwachen Wachstum in der Eurozone zu rechnen sei.

Die derzeit gute Bewertung hängt vor allem auch damit zusammen, dass die Banken bisher relativ wenige Problemkredite haben und kaum Risikovorsorgen treffen mussten – bei einer sich verschlechternden Konjunktur könnte sich dies schnell ändern.

Neben den ökonomischen Risiken warnt die Agentur auch vor dem weiterhin scharfen Wettbewerb, der auf die Margen der Banken drückt: „Das bleibt das Kernproblem des deutschen Bankensektors“, sagt Semder. Trotz der Konsolidierung der vergangenen Jahre, die gerade auf Landesbankebene stattgefunden hat, gebe es nach vor ein Overbanking. „Die Ertragskraft ist aber entscheidend, um Kapital aufzubauen“, sagt der Analyst.

Banken machen Fortschritte beim Kapitalaufbau

Hier haben die deutschen Banken in den vergangenen Monaten allerdings Fortschritte gemacht: Laut einer aktuellen Studie der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die die Bundesbank veröffentlicht hat, haben die sieben größten deutschen Institute ihren Kernkapitalbedarf im zweiten Halbjahr 2012 um 16 Milliarden Euro verringert – zum einen weil sie ihr Eigenkapital erhöht haben, zum anderen in dem sie risikogewichtete Aktiva abgebaut haben. Bis Ende 2021 müssen sie weitere 14 Milliarden Euro aufbringen.

Die Banken in anderen Ländern sind zum Teil aber schon deutlich weiter. Während die deutschen Banken bei der Kernkapitalquote zwar im Schnitt erstmals den aufsichtsrechtlichen Mindestwert von 7 Prozent erreichten, lag der Durchschnitt global bei 9,2 Prozent.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de