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„Tiefgreifender kultureller Wandel“ bei der Deutschen Bank

Jürgen Fitschen (rechts) und Anshu Jain läuten eine neue Ära bei der Deutschen Bank ein.
Deutsche Bank

Als Jürgen Fitschen und Anshu Jain am 1. Juni ihre Ämter als Co-CEOs der Deutschen Bank übernahmen, war schon klar, dass mit dieser neuen Doppelspitze eine neue Ära bei Deutschlands größtem Geldhaus eingeläutet wird. Die sogenannte Strategie 2015+ bestätigt diese Ahnung, denn sie beinhaltet einen „tiefgreifenden kulturellen Wandel des Instituts“, teilte die Deutsche Bank am Dienstag mit. Gleichzeitig bekennt sich das Institut zum Universalbankmodell, ihrem deutschen Heimatmarkt Deutschland und ihrer globalen Aufstellung.

Firmenkundengeschäft soll ausgebaut werden

Im Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities, der Investmentbaniksparte, will die Deutsche Bank eigenen Angaben zufolge ihr „Geschäftsmodell überarbeiten“ und gleichzeitig ihre gegenwärtige Position festigen. Gerade in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum will das Institut seine Marktposition weiter ausbauen. Um eine Eigenkapitalrendite von rund 15 Prozent nach Steuern im operativen Geschäft zu ermöglichen, muss das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag unter 65 Prozent sinken. Im ersten Halbjahr waren es bereits rund 70 Prozent nach mehr als 78 Prozent im Gesamtjahr 2011. Im Unternehmensbereich Global Transaction Banking will die Deutsche weitere Marktanteile in allen Kundensegmenten, Produktbereichen und regionalen Märkten hinzugewinnen.

Auslagerung riskanter Assets in eine eigene Bad Bank

Eine echte Überraschung in der Strategie ist die Auslagerung riskanter Assets. Hier schlägt die Doppelspitze der Bank einen neuen Weg ein. Sie bildet für diese Assets eigens eine Einheit. Damit soll der Abbau der risikogewichteten Aktiva aus nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen beschleunigt werden. Das Gesamtvolumen soll zunächst rund 135 Milliarden Euro betragen. „Das sind keine Schrottpapiere", betonte Jain. Vielmehr handelt es sich dabei zum Teil um strukturierte Papiere, die noch existieren, aber nicht mehr aktiv fortgeführt werden sowie um verbriefte Wertpapiere.

4,5 Milliarden Euro jährlich einsparen

Eine weitere große Rolle bei der Strategie von Fitschen und Jain spielen Milliardeneinsparungen. In den kommenden drei Jahren will die Deutsche Bank jährlich Kosten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro einsparen. Bis zum Jahr 2015 will das Institut die Kostenbasis allein im Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities, also im Investmentbanking, um 1,9 Milliarden Euro  senken.

Die Chefs der Deutschen Bank wollen zudem einen weiteren Unternehmensbereich schaffen: Das Asset und Wealth Management soll in Zukunft eine Einheit bilden. Hier rechnen Jain und Fitschen mit erheblichen Kosteneinsparungen. "Das ist wohl die fundamentalste Änderung", sagte Jain. Durch diesen Schritt soll das EBIT in diesem neuen Bereich bis 2015 auf 800 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden. "Am Markt gibt es eine ganze Menge Skepsis, ob wir das überhaupt erreichen können", räumte Jain ein. Aber der Druck zu optimieren sei groß. "Wir hinken hinter dem Wettbewerb zurück", erklärte er. Das soll anders werden.

Boni werden gekürzt

Über strengere Regeln für Boni will das neue Führungsduo Jain und Fitschen weitere Einsparungen generieren. Demnach soll sich die Höhe der Boni im Verhältnis zum wirtschaftlichen Erfolg verringern. Gleichzeitig dauert es länger, bis das Topmanagement das Geld bekommt. Es soll als Einmalzahlung nach fünf Jahren statt gestaffelt über drei Jahre ausbezahlt werden.

Allerdings kommen auf die Bank auch hohe Kosten zu. Insgesamt sind es 4 Milliarden Euro, mit denen das Institut rechnet. Ein großer Teil wird davon auf hohe Abfindungen entfallen. Denn die Bank will 1.900 Stellen streichen. Davon entfallen 1.500 auf die Investmentbankingsparte. Ein Senior Investmentbanker, der zehn Jahre bei der Bank war, wird Brancheninsidern zufolge auf drei Jahresgehälter hoffen können.

Bereits Ende Juli hatte sich die neue Strategie angekündigt. Die Deutsche Bank verstehe, dass Regierungen, Regulatoren, Kunden, Investoren und die Öffentlichkeit gleichermaßen eine Veränderung im Geschäftsgebaren von Banken sehen wollen, sagte Jain zu Beginn der Strategieverkündung.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.