Die Unicredit zieht ihr milliardenschweres Angebot zur Übernahme der Mailänder Banco BPM zurück. Das Beharren des Banco-BPM-Vorstands auf die sogenannte Golden-Power-Klausel hätte Unicredit daran gehindert, mit den Aktionären der Banco BPM innerhalb der Angebotsfrist in den Dialog zu treten. Deshalb werde das Übernahmeangebot zurückgezogen, teilte die Großbank am gestrigen Dienstagabend mit. Unicredit wollte für die Regionalbank in Form eines Aktientauschs rund 14,6 Milliarden Euro auf den Tisch legen.
Die sogenannte Golden-Power-Regelung erlaubt es der italienischen Regierung Bedingungen aufzuerlegen oder sogar ein Veto bei Transaktionen einzulegen, wenn diese dadurch das nationale Interesse gefährdet sieht. Die italienische Regierung stand der geplanten Übernahme der Banco BPM durch die Unicredit kritisch gegenüber. Unicredit sollte sich unter anderem von ihrem Russland-Geschäft trennen.
Italienische Regierung war gegen Übernahme
Die Behörden hatten der Unicredit weitreichende Bedingungen für eine Übernahme auferlegt und damit den Widerspruch der EU-Kommission auf sich gezogen, die eine Übernahme gestattet hatte. Die italienische Finanzaufsicht Consob hatte der Unicredit am gestrigen Dienstag noch einen weiteren Aufschub von 30 Tagen gewährt, doch das reiche nicht aus, um eine Lösung „der Golden-Power-Frage zu finden“, heißt es weiter in der Mitteilung der Unicredit.
„Der gescheiterte Angebotsprozess und die anhaltende Unsicherheit haben diese Situation unhaltbar gemacht.“
Pietro-Carlo Padoan
„Die Fusion zwischen Unicredit und Banco BPM hätte für alle Beteiligten einen enormen Mehrwert gebracht. Der gescheiterte Angebotsprozess und die anhaltende Unsicherheit haben diese Situation unhaltbar gemacht. Deshalb haben wir heute unser Angebot zurückgezogen“, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrats Pietro-Carlo Padoan.
Das Scheitern der Übernahme der Banco BPM sei eine verpasste Chance, nicht nur für die Aktionäre der Banco BPM, sondern auch für die gesamte italienische Wirtschaft. Unicredit sei weiterhin davon überzeugt, dass die Konsolidierung des italienischen Bankensektors sowohl für das Land als auch für Europa insgesamt von Vorteil wäre, heißt es in der Mitteilung.
Unicredit will Commerzbank-Gewinne konsolidieren
Die Übernahme der Commerzbank dürfte nun noch einmal höhere Priorität bei Unicredit haben. Das Hauptaugenmerk der Bank liege weiterhin auf der Umsetzung seiner Transformationsstrategie, zu der – und das dürfte der Commerzbank-Führung und der deutschen Bundesregierung weniger gefallen – weiterhin auch M&A-strategisches Instrument gehöre.
In einer am heutigen Mittwoch veröffentlichten Präsentation zur Vorlage der Halbjahreszahlen kündigt die Unicredit an, 2026 die Beteiligungen an der Commerzbank und der griechischen Bank Alpha in der eigenen Bilanz anteilig einbeziehen zu wollen.
Die Unicredit hatte kürzlich 10 Prozent der zuvor erworbenen Derivate in Commerzbank-Aktien umgetauscht. Damit halten die Mailänder nun 20 Prozent und sind größter Einzelaktionär bei den Frankfurtern. Die Italiener halten zudem zusätzliche Optionen auf rund weitere 9 Prozent der Anteilsscheine. Sollte die Unicredit die Marke von 30 Prozent überschreiten, müsste sie den übrigen Aktionären ein offizielles Übernahmeangebot unterbreiten.
Es ist naheliegend, dass Unicredit ihre Übernahmebemühungen, trotz des Widerstands der Commerzbank und der Bundesregierung, intensivieren wird. Die nötigen Finanzmittel sollten vorhanden sein. Die Unicredit erzielte im ersten Halbjahr 2025 einen Nettogewinn von 6,1 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite verbesserte sich auf 21,3 Prozent, die Cost-Income-Ratio lag bei 36 Prozent.
Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.
