Deloitte baut ihre Digitalisierungsberatung weiter aus und kauft die Agentur Acne.

Deloitte

21.08.17
Banking & Berater

Deloitte kauft Digitalagentur Acne

Nachdem erst vor kurzem Ernst & Young einen Digitalberater gekauft hat, schnappt sich nun auch Deloitte eine Digitalagentur. Für die WP-Gesellschaft ist das ein wichtiger Schritt, um sich gegen die Big-Four-Konkurrenz zu behaupten.

Die Big Four KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young (EY) drängen weiterhin massiv ins Beratungsgeschäft. Jetzt hat Deloitte über ihre auf Digitalisierung spezialisierte Tochter Deloitte Digital die Agentur Acne gekauft. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Die Digital- und Kreativagentur mit Hauptsitz in Schweden und Standorten in London, Paris und Berlin hat rund 80 Mitarbeiter. Acne ist vor allem auf Storytelling spezialisiert und hat sich einen Namen mit Arbeiten unter anderem für Ikea, H&M und Spotify gemacht.

Die Berliner Dependance von Acne wird nach der Übernahme an das deutsche Management von Deloitte Digital berichten, erklärt die WP-Gesellschaft. Deloitte Digital unterhält in Deutschland neben dem Berliner Büro noch eines in Düsseldorf. Dort arbeiten interdisziplinäre Teams aus Kreativen, Technologen und Strategieberatern an Projekten zur Digitalisierung von Unternehmen.

Deloitte wächst sehr stark in der Beratung

Für Deloitte, die traditionell aus der Wirtschaftsprüfung kommt, ist der Zukauf wichtig, um ihre Beratungsleistungen zu erweitern. Jede der Big-Four-Gesellschaften hat sich auf die Agenda geschrieben, ihr Beratungsgeschäft auszubauen, weil die Wirtschaftsprüfung kaum noch Zuwachs verspricht.

Die Gesellschaften argumentieren vor allem damit, dass sie ein besonders gutes Verständnis für die Geschäftsmodelle hätten, da sie durch die jahrzehntelange Wirtschaftsprüfung einen tiefen Einblick in die Unternehmen bekommen hätten. Das starke Wachstum der WP-Gesellschaften in der Beratung zeigt, dass die Kunden das Konzept annehmen: Im vergangenen Geschäftsjahr sind sowohl Deloitte als auch der Konkurrent PwC um über 40 Prozent in der Beratungsparte gewachsen.

Auch McKinsey, Accenture & Co. kaufen Digitalberater

Im Gegensatz zur Konkurrenz profitiert Deloitte davon, dass sie ihre Beratungssparte nie abgegeben hat. EY, KPMG und PwC hatten ihre Consulting-Einheiten nach dem großen Bilanzskandal des US-Energiekonzerns Enron Anfang der 2000er abgegeben und müssen sie durch Zukäufe nun wieder mühevoll aufbauen. Dabei ist momentan vor allem die Digitalberatung attraktiv, da die Digitalisierungsinitiativen der Unternehmen eine sehr hohe Nachfrage nach sich ziehen.

So hat beispielsweise EY erst vor wenigen Wochen den Digitalberater Etventure gekauft. Deloitte selbst hat sich auf die Fahnen geschrieben, „der beste digitale Transformationsberater zu werden“, wie Deloitte-Chef Martin Plendl in einem Interview mit FINANCE sagte. Doch die Big Four konkurrieren auf diesem Gebiet nicht nur untereinander, sondern auch sehr stark mit den traditionellen Strategieberatungen McKinsey, Bain und BCG aber auch mit IT-Beratern wie Accenture, die ebenfalls kleinere Digitalberater kaufen.

So erregte Accenture Anfang des Jahres Aufsehen mit dem Kauf der Internetagentur Sinner Schrader. BCG kaufte vor wenigen Wochen die Digitalagentur Maya Design aus Pittsburgh. Neben Digitalberatern haben die Big Four in den vergangenen Jahren aber auch Beratungen in den Bereichen Strategie, IT oder Supply Chain gekauft.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Noch nie war der Wettbewerb zwischen den Big Four so hart wie derzeit. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu den Big Four.