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Es darf nur die eine Wahrheit geben

Foto: JRB/stock.adobe.com

Die Wahrheit liegt bekanntlich immer im Auge des Betrachters. Das ist auch in Unternehmen nicht anders und führt in der Konsequenz dazu, dass CFOs mit ihren Finanzteams nicht die Rolle einnehmen können, die sie in der aktuell unsicheren Phase einnehmen müssten – nämlich die des Co-Piloten für den CEO.

Aber der Reihe nach. Um überhaupt strategische Entscheidungen treffen und bei Marktveränderungen agil nachjustieren zu können, müssen Daten aus den unterschiedlichsten Abteilungen zusammengeführt und ausgewertet werden können. Und genau hier kommt der Spruch aus dem Titel zum Tragen. Für sich allein betrachtet, malen die Daten der Personalabteilung ein ganz anderes Bild, als wenn zum Beispiel noch Daten aus dem Supply-Chain-Management hinzugezogen werden. Eine Handlungsempfehlung kann in der Kombination dann diametral anders lauten als bei einer Einzelbetrachtung. Wenn dann noch die Daten aus dem Vertrieb hinzugezogen werden, vervollständigt sich das Bild. Oder anders ausgedrückt: Verlässliche Prognosen oder eine kurzfristige Feinjustierung ist nur mit der entsprechenden Datenbasis möglich – und diese Datenbasis zu beschaffen, bedeutet aufgrund von Datensilos Mehraufwand. Das unterstreicht auch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PWC, nach der Finanzteams noch immer über 66 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, die Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen. 

Datensilos halten sich hartnäckig

Seit Jahren wird vor den negativen Folgen von Datensilos gewarnt und doch reden wir nach wie vor darüber, dass sie überwunden werden müssen. Gemeint sind die Ansammlungen von Daten, die sich im Besitz einer Gruppe befinden, auf die andere Gruppen innerhalb derselben Organisation aus rein technischen Gründen nicht ohne weiteres oder nur eingeschränkt zugreifen können. Der Grund, warum sich die Silos bis heute so hartnäckig halten, sind die vielen Insellösungen, die es in jedem Unternehmen gibt. Denn in ihren Anfängen wurde Digitalisierung noch nicht ganzheitlich gedacht. Systeme wurden für die unterschiedlichen Anforderungen in den Abteilungen einzeln angeschafft. Heute ist es allerdings dringend nötig, diese Systeme zu harmonisieren, um für verlässliche Forecasts und strategische Entscheidungen auf eine „Single Source of Truth“ zurückgreifen zu können. 

Eben diese steht auch auf der Wunschliste der CFOs ganz oben, wenn man der aktuellen FSN Studie „Future of Finance Systems Global Survey“ Glauben schenken darf. Fast die Hälfte der befragten CFOs würden ihr Unternehmen verlassen, wenn sie anderswo die Chance bekämen, sich stärker an digitalen Innovationen im Finanzbereich zu engagieren. Die andere Hälfte würde gerne innovativer sein, hat aber weder die Zeit – Stichwort PWC-Studie – noch die Mittel oder die Unterstützung, um in entsprechend neue Finanzprozesse und/oder Lösungen zu investieren. Wenn aber die Entscheidung für ein neues Finanzsystem erst einmal getroffen ist, ist es der Mehrheit der Befragten am wichtigsten, dass es über eine Echtzeit-Datenanalyse und damit auch über integrierte Analysetools verfügt. Dadurch können sie ihren Einblick in die für die Unternehmenssteuerung relevanten Daten verbessern und einen Schritt von der Transaktionsverarbeitung hin zu einem System mit höherem Mehrwert machen.

Dringender Handlungsbedarf

Dieser akute Wunsch der CEO zeigt auch, wie dringend der Handlungsbedarf bei den Unternehmen ist – zum einen, weil gute „Co-Piloten“ nicht ohne weiteres zu finden sind. Zum anderen, weil ein klassischer „Blindflug“ – also ohne verlässliche Datenbasis – mehr einem Glücksspiel denn strategischer Unternehmensführung gleicht. 

Umso überraschender ist es, dass laut der FSN Studie mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bisher keine Pläne hat, ihre Finanzsysteme zu modernisieren. Nur etwa ein Drittel der Unternehmen hat bereits eine vollständig ausgearbeitete Strategie für die Transformation der Finanzsysteme in den nächsten drei Jahren. Positiv zu erwähnen in diesem Zusammenhang: Der Hauptgrund für die Projekte zur Ablösung von Altsystemen sind die Möglichkeiten zur Prozessstandardisierung und ‑automatisierung.

Triebfeder sind dabei der Wettbewerbsdruck und die Notwendigkeit, die Umgestaltung des Finanzwesens zu nutzen, um innovativ, flexibel und aktuell zu bleiben. Dies ist die nächste Entwicklungsstufe der Finanzressorts: Wenn neue Technologien auf standardisierten Prozessen aufbauen, um strategische Einsichten und einen Mehrwert zu schaffen. Gleichzeitig gibt es aber auch noch einen ganz pragmatischen Grund: Das Wartungs- und Supportende für Altsysteme. Hinzu kommen die Kosten für eben diese Wartung und den Betrieb der vielen Schnittstellen, die ebenfalls Anlass dafür sind, alte Systeme zu ersetzen – abgesehen davon, dass sie eben die „Single Source of Truth“ gefährden. 

Neue Technologien im Blick

Das Vorangegangene macht deutlich, dass Organisationen über kurz oder lang nicht um eine Modernisierung ihrer Systeme herumkommen. Und dabei sollten sie unbedingt neue technologische Möglichkeiten im Blick behalten. Klingt einleuchtend, ist aber (noch) nicht selbstverständlich, wie die FSN Studie ebenfalls aufdeckt. Demnach stehen weder künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen noch kollaborative oder soziale Tools weit oben auf den „Einkaufslisten“ der CFOs. Realistischerweise wird erkannt, dass diese Technologien in der Beliebtheit steigen und ihre Notwendigkeit zunimmt. Hier zeigt sich, wie rückständig viele Finanzsysteme noch zu sein scheinen, wenn CFOs ihre Prioritäten erst einmal auf eine grundsätzliche Modernisierung legen müssen, anstatt bereits heute mit Weitsicht in die Technologien zu investieren, die morgen relevant sind. 

Dass es in unserer sich immer schneller verändernden und immer globaler agierenden Welt durchaus klug wäre, schon heute auf Zukunftstechnologien zu setzen, muss wohl nicht zusätzlich erwähnt werden. Aktuelle Beispiele aus der Logistik zeigen ja, wie abhängig wir mittlerweile davon sind, dass Lieferketten eingehalten werden, um die Produktionsprozesse im eigenen Unternehmen nicht zu gefährden. Immerhin: Mit Blick auf die Cloud scheint das Umfragen zu Folge auf Akzeptanz zu stoßen. Die Hälfte der CFOs bestätigt in FSN Studie ebenfalls, dass sie innerhalb von fünf Jahren den Großteil ihrer Systeme in der Cloud betreiben werden. 29 Prozent glauben sogar, dass bis dahin alle Systeme Cloud-basiert sind. Und das wäre ein deutlicher Schritt pro „Single Source of Truth“ – damit zumindest die Wahrheit mit Blick auf eine strategische Unternehmensführung künftig nicht mehr „im Auge des Betrachters” liegt. 

Quellen:
https://onestreamsoftware.com/blog/why-nows-the-time-to-modernize-finance-systems-and-transform-finance/
FSN Studie https://info.onestreamsoftware.com/fsn-future-of-finance-systems-global-survey-2019

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