Claudia Kempf

04.12.18
CFO

Helmut Linssen hört als CFO der RAG-Stiftung auf

Die RAG-Stiftung braucht einen neuen Finanzvorstand: Helmut Linssen legt den CFO-Posten bei dem Evonik-Großaktionär im April nieder. Der frühere NRW-Finanzminister geht früher als erwartet.

CFO Helmut Linssen verlässt die RAG-Stiftung im kommenden April. Der frühere Finanzminister von Nordrhein-Westfalen habe in einer Sitzung des Stiftungskuratoriums angekündigt, sein Amt als Finanzvorstand aus Altersgründen niederzulegen, teilte der Großaktionär des Spezialchemiekonzerns Evonik mit.

Obwohl Linssen bereits 76 Jahre alt ist, kommt der Rückzug überraschend. Schließlich hatte die Steinkohlestiftung den Vertrag des Finanzvorstands vor zwei Jahren bis Ende 2022 verlängert. Nun geht Linssen vorzeitig. RAG dankte dem erfahrenen CDU-Politiker „ausdrücklich für seine langjährige Aufbauarbeit“.

Linssen war im Dezember 2012 zusammen mit dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Werner Müller zu der Stiftung gekommen. Der 72-jährige gab den Chefposten im vergangenen Frühjahr krankheitsbedingt ab. Seit Mai führt der ehemalige Bergbaumanager Bernd Tönjes die RAG-Stiftung.

CFO Linssen reduzierte Evonik-Anteile

Als CFO war Linssen maßgeblich dafür verantwortlich, das Milliardenvermögen der Stiftung zu verwalten. Aus dessen Erträgen werden ab dem kommenden Jahr die Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus bezahlt. In wenigen Wochen wird in Bottrop die letzte Zeche in Deutschland geschlossen.

Zu den Vermögenswerten der Stiftung zählt insbesondere die Beteiligung am Essener Spezialchemiekonzern Evonik, die das Duo Müller/Linsen nach dem Börsengang von Evonik im April 2013  allerdings schrittweise reduzierte. Erst vor Kurzem verkaufte die Steinkohlestiftung Evonik-Aktien im Wert von 500 Millionen Euro an institutionelle Investoren. Ihr Anteil an dem MDax-Konzern sank damit von 68 auf 64,3 Prozent. Parallel dazu emittierte RAG eine Umtauschanleihe über 500 Millionen Euro – es war das vierte Finanzierungsinstrument dieser Art unter der Ägide von CFO Linssen.

Zu den Verdiensten des Politikers zähle außerdem eine stärkere Fokussierung auf Investitionen in Immobilien und Private Equity, heißt es von der RAG-Stiftung. Um unabhängiger von Evonik zu werden, gründete die RAG-Stiftung 2014 eine eigene Beteiligungsgesellschaft, die derzeit nach eigenen Angaben acht Mehrheits- und vier Minderheitsbeteiligungen hält. Dazu zählt unter anderem ein Investment bei dem kriselnden Explosionsschutzkonzern R. Stahl.

Über die Nachfolge von Linssen will die Stiftung erst bei der nächsten Kuratoriumssitzung am 1. April 2019 entscheiden.

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