Frischer Wind mit neuem CEO: Lanxess holt seinen ehemaligen Finanzvorstand Matthias Zachert zurück.

Lanxess

27.01.14
CFO

Merck-CFO Matthias Zachert übernimmt Chefsessel bei Lanxess

Rückkehr an die alte Wirkungsstätte: Merck-Finanzvorstand Matthias Zachert wird CEO bei Lanxess. Der frühere CFO des Spezialchemiekonzerns folgt auf Axel Heitmann, der Lanxess überraschend verlässt. Für Merck ist das ein herber Verlust.

Überraschung am Sonntagabend: Der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern Merck verliert seinen Finanzvorstand Matthias Zachert. Der 46-Jährige wechselt als Vorstandsvorsitzender zu Lanxess. Dort war Zachert bereits von 2004 bis 2011 Finanzchef gewesen. Nun übernimmt er den Posten seines ehemaligen Chefs Axel Heitmann, dessen Nachfolge er bis spätestens zum 15. Mai antreten soll. Bis dahin wird Lanxess-CFO Bernhard Düttmann die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden wahrnehmen.

Der zuletzt glücklose Heitmann wird das Unternehmen nach fast zehn Jahre an der Spitze Ende Februar verlassen. Man habe sich einvernehmlich getrennt, teilte der Aufsichtsrat am Sonntagabend mit. Es ist allerdings zu hören, dass es unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des DAX-Konzerns gegeben habe. Auch die Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Stomberg deuten darauf hin: „Lanxess steht vor großen Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich Marktkapazitäten und Geschäftsportfolio“, sagte Stomberg. Der Aufsichtsrat hielt deshalb den Zeitpunkt für gekommen, einer neuen Führung die Verantwortung zu übertragen.

Merck verliert mit CFO Zachert einen guten Kommunikator

Zachert genießt bei Lanxess einen sehr guten Ruf: Nach der Abspaltung von Bayer 2004 und dem Börsengang 2005 hatte er als Finanzvorstand maßgeblich zur Restrukturierung des Unternehmens beigetragen. Mit seiner Arbeit hatte er den Grundstein dafür gelegt, dass Lanxess 2012 unter seinem Nachfolger Düttmann in den DAX aufsteigen konnte.

Für Merck ist der Abgang von Zachert, der zuvor auch die frühere Hoechst AG und später als Finanzvorstand beim Bäckereikonzern Kamps tätig war, ein herber Verlust: Auch bei dem Darmstädter Unternehmen war er zuletzt als Kronprinz von Konzernchef Karl-Ludwig Kley gehandelt worden. Die Aktionäre von Merck interpretierten den Wechsel ähnlich: Die Merck-Aktie verlor, Lanxess legte dagegen deutlich zu.

Schwere Aufgaben für den neuen CEO von Lanxess

Die Verdienste von Zachert zeigten sich auch in der Mitteilung von Merck, die auffallend lang ausfiel. „Wir bedauern sehr, dass Matthias Zachert Merck verlässt, können dies aber angesichts seiner attraktiven neuen Aufgabe verstehen“, sagte der Vorsitzende des Familienrates, Frank Stangenberg-Haverkamp. Auch Kley dankte Zachert ausführlich für dessen Verdienste – insbesondere bei der Kommunikation mit dem Kapitalmarkt. Als familiengeprägtes Unternehmen tat sich Merck lange Zeit schwer mit der von den Aktionären geforderten Transparenz. Zachert hatte dieses Problem angepackt und sich so das Vertrauen der Investoren erworben.

Bei Lanxess wird der gelernte Industriekaufmann und studierte Betriebswirt  die Fähigkeit als Kommunikator nun auch wieder unter Beweis stellen müssen: Lanxess galt lange als Liebling des Kapitalmarktes. Doch derzeit steckt das Unternehmen inmitten eines harten Sparkurses und hat die Gunst der Aktionäre zuletzt eingebüßt. Die Autokrise in Europa und stark gefallene Kautschukpreise hatten bei dem DAX-Unternehmen für einen Ergebniseinbruch gesorgt: In den ersten neun Monaten 2013 war der Umsatz um fünf Prozent auf 2,05 Milliarden Euro gefallen. Der Gewinn brach sogar um fast 90 Prozent auf 11 Millionen Euro ein. Zachert soll den Umschwung schaffen. Es ist keine einfache Aufgabe.

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