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Monier-CFO Jürgen Koch tritt ab

Jürgen Koch, bisher CFO der Monier Gruppe, hat reichlich PE-Erfahrung gesammelt.
Foto: MONIER Gruppe

Der CFO des Baustoff- und Energiesystemanbieters Monier Gruppe, Jürgen Koch, tritt Ende September ab. Der Weggang erfolgt auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen. Sein Nachfolger soll der erst 36-jährige Matthew Russell werden. Russell ist Wirtschaftsprüfer und war zuvor bei HeidelbergCement als Director Group Reporting, Controlling & Consolidation tätig. Zudem berief die Gruppe Gerhard Mühlbeyer auf die neu geschaffene Position des Group Industrial Director.

Der promovierte Diplom-Kaufmann Koch hat eine bewegte CFO-Karriere hinter sich: Von 2001 bis 2006 war er CFO von Pfleiderer. Unter ihm konnte der später insolvente Holzverarbeiter nach hohen Verlusten 2004 wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Ab April 2006 arbeitete er für den Maschinenbaukonzern IWKA, der sich später in Kuka umbenannte. Über die Ausrichtung der Holding herrschte damals Zwist und Unfrieden: Der damalige Vorstandschef Wolf Dietrich Hein, der die Zerschlagungsstrategie des Großaktionärs Guy Wyser-Pratte nicht mittragen wollte, verzettelte sich in einen Machtkampf mit Koch: Der CFO setzte sich durch, CEO Hein musste dafür nach nur 15 Monaten seinen Hut nehmen. Um den Konzern zu sanieren verabschiedete sich IWKA unter Kochs Ägide von mehreren Bereichen: So wurde 2006 die Werkzeugbau-Tochter Boehringer an die US-Gruppe Maxcor verkauft. 2007 folgte die Verpackungssparte, die für 255 Millionen Euro an den Berliner PE-Investor Odewald & Compagnie ging.

Eine bewegte CFO-Karriere mit PE-Erfahrung

Nach seinem Weggang im Juni 2008, kam Koch im September zu Monier. Der Anbieter von Baustoffen, Energie- und Schornsteinsystemen steckte gerade in einer tiefen Krise und wurde im Folgejahr in einer spektakulären Transaktion mehrheitlich von den Gläubigern übernommen. Darunter die drei Distressed-Investoren Apollo Global Management, TowerBrook Capital Partners und York Capital Management, die bis heute die Mehrheit der Anteile halten. Unter Koch konnte Monier seine Restrukturierung abschließen. So konnten die zinstragenden Kredite um zwei Drittel zurückgefahren und die jährlichen Zinszahlungen um 80 Prozent vermindert werden. Zudem konnte eine neue Kreditlinie in Höhe von 150 Millionen Euro vereinbart werden. Im Zuge der Umstrukturierung wurden 2000 Mitarbeiter entlassen. Im Mai 2012 scheiterte Monier allerdings mit einer Anleiheplatzierung.

Dass CFO-Positionen in deutschen Unternehmen mit Nicht-Deutschen besetzt werden, ist im Mittelstand selten. Im Umgang mit den angelsächsischen Mehrheitseignern dürfte dem neuen CFO daher seine Herkunft von Nutzen sein: Russell selbst ist Brite.

timur.cetin[at]finance-magazin.de