Wolford

24.09.19
CFO

Wolford-CFO Brigitte Kurz geht überraschend

Überraschender Abgang bei Wolford: CFO Brigitte Kurz verlässt den kriselnden Strumpfhersteller vorzeitig. Die Trendwende ist dem Unternehmen bislang noch nicht gelungen.

Der börsennotierte österreichische Strumpf- und Wäschekonzern Wolford und seine Finanzchefin gehen schon bald getrennte Wege: Wie das Unternehmen mitteilte, scheidet CFO Brigitte Kurz Ende Oktober „im besten Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ aus dem Unternehmen aus.

„Frau Kurz geht aus persönlichen Gründen und hat sich deshalb entschieden, ihr Mandat vor Vertragsende niederzulegen. Ab Anfang nächsten Jahres wird sie sich einer neuen Herausforderung stellen“, gab eine Unternehmenssprecherin auf FINANCE-Nachfrage an. Die Personalie erstaunt, da Kurz ihren Vertrag erst im Juni vergangenen Jahres bis Ende April 2021 verlängerte.

CFO Brigitte Kurz übernahm in der Krise

Brigitte Kurz, die 2015 als Leiterin Finanzen nach Bregenz gekommen war, wurde in einer schwerwiegenden Krise zur Finanzchefin berufen: Sie übernahm den Posten im August 2017 vom damaligen CFO Axel Dreher, der in die Rolle des CEOs aufstieg, nachdem sich der bisherige Vorstandschef Ashish Sensarma zurückgezogen hatte. Mit einem Jahresverlust von 17,9 Millionen Euro waren die Zahlen damals tiefrot.

Die neue Führungsspitze wollte das Unternehmen aus der Krise führen, wobei der Einstieg des chinesischen Investors Fosun samt Finanzspritze im März 2018 die Basis für den Neuanfang werden sollte. Auch ein Restrukturierungsprogramm wurde aufgesetzt. Die Lage schien sich zu stabilisieren, doch im Frühjahr dieses Jahres kamen die schlechten Nachrichten: Die Umsätze brachen wieder ein, Finanzchefin Kurz musste mit den Banken über weiteres Kapital verhandeln. Zudem wurde das Restrukturierungsprogramm verschärft.

Nun scheint sie die Lage bei dem Unternehmen etwas stabilisiert zu haben: Im Juni gab Wolford bekannt, dass die Banken die Kreditlinien bis Ende Juni 2021 verlängern, wodurch die Finanzierung des laufenden Geschäfts zunächst sichergestellt ist.

Wolford-Zahlen machen etwas Hoffnung

Ende Juli veröffentlichte das Unternehmen seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/19, die ebenfalls etwas Hoffnung machen: Zwar ist der Umsatz verglichen mit dem Vorjahr um 8 Prozent auf 137 Millionen Euro gesunken, doch Wolford konnte trotz des Umsatzrückgangs immerhin die Verluste leicht eindämmen: Der Verlust vor Zinsen und Steuern lag bei 8,98 Millionen Euro (Vorjahr: 9,22 Millionen Euro). Das lag vor allem daran, dass das Unternehmen seine Personalkosten stark drücken konnte.

Auch die Eigenkapitalquote verbesserte sich leicht um sechs Prozentpunkte auf 36 Prozent. Um die Geschäftslage zu stabilisieren, hat das Unternehmen sein Schaufensterkonzept umgearbeitet und auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet. Zudem soll eine Expansion nach China mit der Hilfe von Fosun die Trendwende bringen – doch mit den positiven Effekten aus der China-Offensive sei nur schrittweise und nicht kurzfristig zu rechnen, betont Wolford. Mit einem positiven operativen Ergebnis plant man im Geschäftsjahr 2020/21.

Andrew Thorndike wird Wolford-Finanzen verantworten

Dies umzusetzen, wird nun Aufgabe des neuen Wolford-Vorstands sein: Andrew Thorndike wird künftig als Chief Operating Officer (COO) das neue Vorstands-Tandem mit Axel Dreher bilden. Neben dem Finanz- und Rechnungswesen wird er sich ab Oktober auch um die Bereiche Product Development, Supply Chain Management, Controlling, Legal, Investor Relations und IT kümmern.

Er war laut seinem LinkedIn-Profil zuletzt COO und CSO beim Heizungsbauer Thermondo, verfügt aber auch über reichlich Modeerfahrung. So war er davor bereits COO und CRO bei Adler Modemärkte und in gleicher Funktion beim südafrikanischen Modeeinzelhändler Edcon.

Ebenfalls neu bei Wolford: Entsprechend den Regularien des Standard Market will das Unternehmen nun nur noch Halbjahres- und Jahresergebnisse kommunizieren. Die Sprecherin begründete dies auf FINANCE-Nachfrage mit der Bindung interner Ressourcen und dem begrenzten Mehrwert für die Anleger, da die kurzfristig im Quartal erzielten Ergebnisse wenig über die tatsächliche Unternehmensentwicklung aussagen würden.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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