CFOs sollen heute weit mehr leisten als Zahlen zu verantworten: Sie steuern das Geschäft mit, treiben Transformation und Digitalisierung voran und agieren zunehmend wie ein Co-CEO. Im Geldbeutel macht sich dieser Wandel bislang jedoch kaum bemerkbar. Das ist eine Erkenntnis des „Gehaltsreports 2027“ der Personalberatung Michael Page. Der Report zeigt außerdem, was Finanzchefs in Industrie, Healthcare und Handel verdienen, warum das Fixgehalt kaum steigt und welche Kompetenzen künftig gefragt sind.
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Über den Gehaltsreport
Für den „Gehaltsreport 2027“ hat die Personalberatung Michael Page Erkenntnisse von mehr als 14.000 C-Level-Führungskräften und Seniors ausgewertet. Der Bericht zeigt, wie sich Vergütungen von CFOs und weiteren Berufsprofile verändern und wie sich der Arbeitsmarkt durch hohen Transformationsdruck entwickelt.
Die Gehälter von CFOs nach Branchen
In kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 10 und 50 Millionen Euro liegen CFO-Gehälter laut dem Gehaltsreport derzeit bei einer Gehaltsspanne zwischen 140.000 und 250.000 Euro. Der jährliche Bonus macht dabei 20 bis 40 Prozent aus. In großen Unternehmen mit 50 bis 500 Millionen Euro Umsatz steigt die Gehaltsspanne auf 160.000 bis 400.000 Euro. Der Bonusanteil liegt hier bei 20 bis 50 Prozent.
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Der Gehaltsreport unterscheidet darüber hinaus zwischen verschiedenen Branchen. Der Industriesektor zahlt je nach Unternehmensgröße mit durchschnittlich 195.000 Euro bis 300.000 Euro am meisten. In der Gesundheits- und Konsumgüterbranche sowie im Handel sind die Gehaltsspannen hingegen größer.
Laut Nathalie Rilling, Partnerin bei Page Executive, lässt sich die Diskrepanz nicht allein auf die verschiedenen Branchen zurückführen. Auch die Faktoren Unternehmensgröße, Internationalität und Eigentümerstruktur spielen eine Rolle. „Der Industriesektor umfasst viele große, international aufgestellte Unternehmen und Sektoren, die tendenziell gut vergüten, wie die Chemieindustrie“, erklärt sie. Im Healthcare-Bereich seien Unternehmen dagegen häufig wachstums- oder transformationsgetrieben, variable Bestandteile würden dort daher stärker gewichtet.
Bei großen Unternehmen liegen die Spannen deutlich weiter auseinander, im Gesundheitssegment ist die Brandbreite fast viermal so groß wie im Mittelstand. „Die größere Spannweite bei Konzernen spiegelt vor allem die Vielfalt der dortigen CFO-Rollen wider“, sagt Rilling. Dort seien CFO-Funktionen oft auf Business Units, Regionen oder Tochtergesellschaften verteilt. Der Verantwortungsumfang könne trotz gleicher Stellenbezeichnung von einer kleinen Geschäftseinheit bis zu Einheiten mit mehreren Milliarden Euro Umsatz reichen – oder gar komplexe internationale Konzernstrukturen umfassen.
Fixgehalt bleibt stabil, Gesamtvergütung steigt
Beim Fixgehalt der Finanzchefs tut sich in der Regel eher wenig. „Was sich vor allem entwickelt, sind kurzfristige Anreize und Kapitalbeteiligungen. Sie sind entscheidende Hebel in den Verhandlungen mit Führungskräften“, sagt Deniz Alkan, Associate Partner bei Michael Page.
Blickt man allerdings auf die vergangenen fünf Jahre, offenbart sich eine interessante Entwicklung: Die Gesamtvergütungen von CFOs sind gestiegen, sagt Executive Partnerin Rilling. Betroffen sind dabei sowohl die fixen als auch die variablen Vergütungsbestandteile. Aber: „Noch deutlicher als eine Erhöhung des Fixgehalts sehen wir eine stärkere Differenzierung bei der Gesamtvergütung.“
Was die Gehaltsexpertin damit meint: Unternehmen honorieren gezielt Kompetenzen, die für ihre jeweilige Situation besonders relevant sind, etwa in den Bereichen Transformation, Digitalisierung und Wachstum. Dadurch sei die Spreizung der CFO-Vergütungen größer geworden, erläutert Rilling.
Verändertes Rollenverständnis: Vom Finanzchef zum Co-CEO
Hinter der Spreizung stehe außerdem ein verändertes Rollenverständnis. Lange sei der CFO vor allem die oberste Finanzinstanz im Unternehmen gewesen, erklärt Rilling. „Heute erwarten viele Unternehmen deutlich mehr als reine Finanzexpertise: Der CFO soll das Geschäftsmodell ebenso steuern wie die Finanzkennzahlen und nah am operativen Geschäft agieren.“ Die Rolle werde zunehmend wie die eines Co-CEO verstanden – mit aktiver Beteiligung an der Unternehmensführung.
Bei der Auswahl von passenden CFO-Kandidaten zähle zudem weniger ein klassischer Karriereweg als die Kompetenzen, die die jeweilige Unternehmenssituation erfordere, etwa Private-Equity-Erfahrung, internationale Wachstumserfahrung oder Digitalisierungsexpertise. Zu Spezialisten würden CFOs dadurch allerdings nicht. Rilling stellt klar: „Die CFO-Rolle bleibt grundsätzlich eine Generalistenrolle, verlangt aber spezifische Kompetenzen, etwa in Zukunftsthemen.“
Unternehmen investieren zu wenig in CFO-Kompetenzen
Ein Blick auf die Anreizstrukturen bei CFOs zeigt: Sie sind branchenübergreifend nahezu identisch und umfassen Boni, langfristige Incentive-Programme, Altersvorsorge, Mitarbeiteraktien und Firmenwagen. Was über alle Branchen hinweg allerdings fehlt, sind Coaching- und Leadership-Development-Programme für Finanzvorstände – zum Leidwesen der Finanzchefs, denn hybride Profile, die verschiedene Fähigkeiten vereinen, werden künftig immer wichtiger. CFOs benötigen außerdem Finance-, Data-, ERP- und Transformationskompetenz. Unternehmen fördern diese Spezialisierung in Form von Weiterbildungsprogrammen jedoch noch nicht ausreichend.
Anders sieht es im Technologiebereich aus, der im Report als vierte Branchenkategorie aufgeführt ist. Spezialisierte C-Level-Positionen wie der Chief Transformation Officer (CTO) oder der Chief Security Officer (CSO) werden Rilling zufolge am Executive-Markt derzeit besonders häufig gesucht. Dafür werden sie mit Sonder- und Retention-Boni in Form von Aktien oder aufgeschobener Vergütung belohnt. „Die stärkere Incentivierung dieser Profile unterstreicht, wie gezielt Unternehmen entsprechende Expertise suchen“, erklärt die Executive Partnerin.
Einen Ersatz der CFO-Rolle sieht sie darin jedoch nicht. Die Anforderungen würden sich vielmehr um digitale Kompetenz, Transformationsverständnis und KI-Erfahrung erweitern. „Gefragt sind Executive Leader, die finanzielle Expertise mit Technologieverständnis und strategischem Geschäftsverständnis verbinden“, fasst Rilling zusammen.