Roland Berger

19.12.13
CFO

Roland Berger: Partner wollen eigenständig bleiben

Es kam wie erwartet: Die Strategieberatung Roland Berger bleibt unabhängig. Die 250 Partner des Unternehmens votierten bei ihrem turnusmäßigen Treffen mit „überwältigender Mehrheit“ abermals gegen einen Verkauf ihrer Firma. Gleichzeitig haben sie ein umfassendes „Leistungsprogramm“ aufgelegt.

Frankfurt ist für die Berater von Roland Berger inzwischen ein vertrautes Pflaster für die jährlichen Treffen der 250 Partner der Strategieberatung. Diskutiert wurde gestern Abend abermals über die Unabhängigkeit der Firma oder einen möglichen Verkauf an eine der  großen internationalen Beratungsfirmen.

Es kam so, wie es sich bereits seit Monaten abgezeichnete: Die Berater stimmten, mit „überwältigender Mehrheit“, wie Berger mitteilte, für die weitere Unabhängigkeit ihrer Beratungsfirma, die im globalen Wettbewerb mit den größten Beratungsunternehmen an Boden verliert.

Berger setzt auf europäische Stimme im Kampf gegen die US-Größen

Damit seien nun alle Gesprächsfäden über einen möglichen Verkauf beendet, hieß es. Diese seien auf Initiative internationaler Unternehmen zustande gekommen, fügte Berger hinzu – um offenbar zu betonen: nicht aus eigenem Antrieb. Im Zuge der Verhandlungen habe die Berger-Führung um den im Sommer an die Spitze zurückgekehrten CEO Burkhard Schwenker einige vielversprechende Optionen ausgelotet und sich am Ende dagegen entschieden: „Am besten können wir unsere Kunden bedienen, unsere Persönlichkeit als Unternehmen wahren und unsere gemeinsamen Ziele erreichen, wenn wir unabhängig bleiben", sagte Schwenker.
Berger sieht für sich als europäische Firma trotz der im internationalen Vergleich geringen Größe weiterhin Chancen: "Unsere Kunden wünschen uns als unabhängige Stimme im ansonsten rein US-amerikanischen Wettbewerb", sagt CEO Burkhard Schwenker.

Roland Berger startet Leistungsprogramm

Dennoch steckt Roland Berger in einem strategischen Dilemma: Nicht nur ist das Firmennetzwerk im globalen Maßstab kleiner als das anderer großer Strategieberater, auch drängen die  stark expansiven Big Four immer stärker in die Kernbereiche von Roland Berger. Dem will das Beratungshaus nun durch die Fokussierung auf seine Kernkompetenzen begegnen. Berger sieht die Welt im Zeichen von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität –und will seinen Beratungsansatz dahingehend stärken.

Dies soll einhergehen mit einem Umbau der eigenen Regionalstruktur, der die Zusammenarbeit zwischen regionalen Niederlassungen und Fachbereichen verbessern soll. Berger verfolgt nun einen „multi-regionalen“ Ansatz. Zudem soll unter der Leitung des Asien-Chefs und COO Charles-Edouard Bouée ein „umfassendes Leistungsprogramm“ aufgelegt werden. Bereits im Sommer hatte Berger sechs neue Partner ernannt.

Fusionsgerüchte vom Tisch

Mit der jetzigen Entscheidung kommt eine lange Phase der Unsicherheit zu ihrem Ende. Schon Ende 2010 war erstmals ein Verkauf von Roland Berger an Deloitte auf der Zielgeraden gescheitert. Damals entschieden sich die Berater für eine eigene Auslandsexpansion, für die Unternehmensgründer Roland Berger aus eigenen Mitteln Darlehen in zwei Tranchen über insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung stellte. Die Vorwärtsstrategie brachte indes bislang noch nicht den gewünschten Erfolg.

Ein erneuter finanzieller Kraftakt war vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten. Mit der nun getroffenen Entscheidung für die unternehmerische Unabhängigkeit und der gewählten Strategie konzentriert sich Roland Berger nun stärker auf ausgewählte Nischenbereiche und verzichtet auf den Anspruch, die Kunden in globalem Maßstab zu beraten. Auf der anderen Seite dürften die immer wieder auftauchenden Fusionsgerüchte damit für eine Weile vom Tisch sein.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de