MAN

17.04.18
CFO

VW will MAN zerschlagen

Die VW-Lastwagensparte soll an die Börse – jedoch ohne die Maschinenbausparte des Traditionskonzerns MAN. Diese dürfte aber börsennotiert bleiben.

Der Autobauer VW hat große Pläne für sein Lastwagengeschäft, zu dem auch die vor einigen Jahren zugekauften Traditionsmarken MAN und Scania gehören. In den kommenden zwölf Monaten will der Konzern die Sparte fit für einen Börsengang machen, wie VW-Truck & Bus-Chef Andreas Renschler am Montag verkündete. Die MAN-Maschinenbausparte Diesel & Turbo stört bei diesen Plänen jedoch, da sie die Equity Story eines fokussierten, schlagkräftigen Lkw-Herstellers verwässert.

Während der VW-Konzern auf der einen Seite die Lkw-Geschäfte für einen Börsengang im nächsten Jahr vorbereiten will – zum Beispiel durch die Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft („SE“), soll das Lkw-Geschäft von MAN aus dem noch immer börsennotierten Unternehmensmantel herausgelöst werden. Die Minderheitsaktionäre – VW verfügt über die Dreiviertelmehrheit – könnten dann als Abfindung Aktien des VW-Lkw-Konzerns erhalten – und an den Resten von MAN beteiligt bleiben.

Dies ist vor allem die MAN-Sparte Diesel & Turbo mit Hauptsitz in Augsburg. Sie stellt Schiffsmotoren und Kompressoren für die Industrie her und beschäftigt 15.000 Mitarbeiter. VW hat Standort- und Beschäftigungsgarantien bis 2025 gegeben. Setzt VW dieses Vorhaben wie geplant um, würde eine ruhmreiche Industriegeschichte zu Ende gehen. Die Wurzeln von MAN reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, 1898 entstand im Zuge einer Fusion der Konzern als MAN AG mit Sitz in Augsburg.

VW-Lkw-Sparte soll 30 Milliarden Euro wert sein

Die VW-Lastwagensparte wurde vor knapp drei Jahren gegründet und konnte im vergangenen Geschäftsjahr 24 Milliarden Euro umsetzen. Seit der Gründung konnte die Sparte ein Umsatzwachstum von 16,8 Prozent verzeichnen, liegt trotzdem aber noch weit hinter dem Rivalen Daimler, der mit dem Verkauf von Lkws 2017 sogar 36 Milliarden Euro erwirtschaftete.

Es kursieren Schätzungen, wonach das Unternehmen 30 Milliarden Euro wert sein könnte. Damit wäre VW Truck & Bus ein Kandidat für den Dax, selbst wenn VW nur eine Minderheitsbeteiligung an die Börse bringen würde.

VW zeigt Übernahmeinteresse an Navistar

VW verfolgt unter seiner „Global-Champion-Strategie“ ambitionierte Ziele im Lkw-Geschäft. „Wir wollen Global Champion in unserer Industrie werden“, erklärt Spartenchef Renschler. Bis 2025 solle Truck & Bus der profitabelste Lastwagenhersteller weltweit sein. MAN und Scania sind bereits Marktführer in Deutschland, Europa und Brasilien, jedoch hinkt man in Asien und den USA den Rivalen Daimler und Volvo noch hinterher.

Um auch auf diesen Märkten angreifen zu können, zieht die VW-Führung M&A-Deals in Betracht. Dabei wird auch eine Komplettübernahme des US-Truckherstellers Navistar diskutiert, an dem der Wolfsburger Konzern bereits rund 17 Prozent hält. Eine Übernahme sei laut Truck-&-Bus-CFO Matthias Gründler „theoretisch möglich“.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de