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Neumayer Tekfor: Verkauf für Ende der Woche erwartet

Der Autozulieferer Neumayer Tekfor steht zum Verkauf.
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In diesen Tagen entscheidet sich die Zukunft von Neumayer Tekfor: Heute soll eine Sitzung des Gläubigerausschusses stattfinden, auf der eine Vorentscheidung fallen könnte. Als Käufer des Offenburger Automobilzulieferers sind die Strategen Amtek, ein indischer Autozulieferer, und die deutsche Hay Gruppe im Rennen. Laut Beobachtern rechnet sich besonders Hay gute Chancen aus. Die OEMs als wichtigste Kundengruppe von Neumayer Tekfor unterstützen nach FINANCE-Informationen eine derartige Branchenlösung. Hay war nach der Wirtschaftskrise 2009 zwar selbst in die Bredouille geraten, konnte sich aber wieder stabilisieren. Im Jahr 2011 wurde das Unternehmen aus dem pfälzischen Bad Sobernheim (bei Mainz) komplett vom US-Finanzinvestor Gores Group übernommen.

Auf Anfrage von FINANCE wollte sich das Unternehmen nicht näher zu den Vorgängen äußern. Die Verhandlungen mit potentiellen Investoren seien aber in einem „sehr fortgeschrittenen Stadium und sollen zeitnah abgeschlossen werden“. In dieser Phase gelte strikte Vertraulichkeit, was keine Aussagen zu Einzelheiten zuließe.

Offenbar hat daneben auch der PE-Investor Equistone ein Angebot inklusive einer neuen Eigenkapitalinjektion vorgelegt. Die Private-Equity-Gesellschaft, die schon früher frisches Eigenkapital nachgeschossen hatte, wollte das Gerücht von MergerMarket gegenüber FINANCE aber nicht kommentieren. Nach Medieninformationen berät Altium Capital die Gores Group (Hay), Rothschild die Amtek Auto Group und Herter & Co den Investor Equistone.

Haircut für die Gläubiger

Für die Banken wäre mit dem Verkauf das Abenteuer Neumayer Tekfor endgültig beendet. Im Rahmen der letzten Restrukturierung hatten einige Institute Anteile übernommen („Debt-Equity-Swap“). Zwar werden sie – insgesamt sind es nach Unternehmensangaben rund 70 Gläubiger – bei dem Verkauf ein weiteres Mal auf Forderungen verzichten müssen. Doch da der Käufer voraussichtlich vollständig in Cash bezahlen wird, soll es eine Anschlussfinanzierung mit  dem bestehenden Konsortium nicht geben. Und: „Der Haircut findet am unteren Ende der Erwartungen statt“, erklärt ein mit der Situation Vertrauter.

Sobald der Deal in trockenen Tüchern ist, endet die lange Phase der Ungewissheit für Neumayer Tekfor. Im September 2012 hatte der Offenburger Automobilzulieferer das Schutzschirmverfahren beantragt, um bei drohender Zahlungsunfähigkeit Zeit für ein Restrukturierungskonzept zu gewinnen. Erst wenige Monate zuvor war das Verfahren, das drei Monate Zeit für ein Sanierungskonzept bietet, mit dem neuen Insolvenzrecht ESUG eingeführt worden. Im Anschluss an die Schutzschirmphase führte der Autozulieferer die Sanierung ab dem vergangenen Dezember in Eigenverwaltung fort. Zuvor hatte der Gläubigerausschuss dem Sanierungskonzept zugestimmt. Den Geschäftsbetrieb konnte das Unternehmen mit 3.300 Mitarbeitern weltweit ebenfalls fortführen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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