Eine Gruppe von PE-Investoren greift Berichten zufolge nach der Adidas-Tochter Reebok.

Adidas

20.10.14
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Adidas: PE-Investoren wollen offenbar Reebok kaufen

Eine Gruppe PE-Investoren steht offenbar kurz vor einem Angebot für Reebok. Die Muttergesellschaft Adidas wäre damit eine große Sorge los – und Adidas' umstrittener Vorstandschef Herbert Hainer könnte mit einem Verkauf der US-Problemtochter seinen Kritikern wohl das Wasser abgraben.

Der Sportartikelkonzern Adidas könnte eine Erblast bald abschneiden: Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge will eine Gruppe von PE-Investoren die Tochter Reebok übernehmen. Bei den Interessenten soll es sich um den Private-Equity-Investor Jynwel Capital aus Hongkong und einen weiteren Fonds aus Abu Dhabi handeln, die für Reebok gemeinsam 2,2 Milliarden US-Dollar auf den Tisch legen wollen, wie das Blatt berichtet. Ein entsprechendes Angebot soll demnach unmittelbar bevorstehen.

Adidas wollte gegenüber FINANCE keine Stellung zu den Gerüchten nehmen. Die Adidas-Aktie legte nach Bekanntwerden der Gerüchte zwischenzeitlich um 4 Euro gegenüber dem Schlusskurs am Sonntag auf 58,40 Euro zu.

Enttäuschung nach der Reebok-Übernahme

Die Gerüchte über den Verkauf der US-Sparte sind nicht neu. Der Herzogenauracher Dax-Konzern ist mit der Tochter Reebok, die er Anfang 2006 für damals 3,8 Milliarden US-Dollar erworben hatte, nie glücklich geworden. Vielmehr war das US-Unternehmen ein dauerhaftes Sorgenkind, das Adidas-Chef Haimer bereits 2006 als „Sanierungsfall“ bezeichnete.

Der ursprüngliche Plan, dem großen Konkurrenten Nike auf dem US-amerikanischen Markt Anteile abzunehmen, ging nie auf. In den vergangenen fünf Quartalen konnte Reebok zuletzt wenigstens den Umsatz steigern, die Profitabilität indes blieb ein Problem.

Reebok ist nicht die einzige Baustelle von Adidas. Auch der starke Euro der vergangenen Monate und die Krise auf dem Wachstumsmarkt Russland machen dem Sportartikelhersteller zu schaffen. Seine ganze Hoffnung hatte Adidas deshalb auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gesetzt, die für hohe Einnahmen sorgen sollte.

Adidas-Investoren nach Gewinnwarnung vergrätzt

Nach der WM jedoch kappte Adidas-CFO Robin Stalker die Gewinnprognose für das laufende Jahr von 839 bis 930 Millionen um fast ein Drittel auf 650 Millionen Euro. Als Grund nannte das Management neben der nachlassenden Nachfrage nach Golf-Artikeln in den USA und dem schwachen Russland-Geschäft auch hohe Marketingausgaben für die WM.

Besonders die Kritik der Investoren am langjährigen Vorstandschef Herbert Hainer wurde zuletzt immer lauter. Um die Anleger zu besänftigen, hatte der Konzern Anfang Oktober ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm aufgelegt. Ob diese Kurzfrist-Maßnahme ausreicht, um dauerhaft für Ruhe in der Aktionärsbasis zu sorgen, ist allerdings zweifelhaft. Ein Verkauf von Reebok und eine satte Sonderdividende für die Investoren könnte die Grundstimmung dagegen womöglich nachhaltiger ändern.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de