Bilfinger

02.06.16
Deals

Bilfinger verkauft Gebäudemanagementsparte an EQT

Der kriselnde Bilfinger-Konzern trennt sich von seinem Herzstück: Die Gebäudemanagementsparte geht für 1,4 Milliarden Euro an den PE-Investor EQT. Im Power-Bereich stehen derweil erneut Restrukturierungen an.

Die Suche des MDax-Konzerns Bilfinger nach einem Käufer für die Gebäudemanagementsparte hat ein Ende: Der schwedische Private-Equity-Investor EQT kauft die Sparte für einen Unternehmenswert von 1,4 Milliarden Euro.

Abzüglich der Finanzschulden beläuft sich der Kaufpreis auf 1,2 Milliarden Euro. Dieser teilt sich in mehrere Komponenten auf: Bei Vollzug der Transaktion muss EQT zunächst 900 Millionen Euro in bar zahlen. 100 Millionen Euro lässt Bilfinger als endfälliges Gesellschafterdarlehen im Unternehmen stehen und kassiert dafür jährlich 10 Prozent Zinsen. Die restlichen 200 Millionen Euro sind als eine Art Rückbeteiligung strukturiert, wodurch Bilfinger im selben Maß wie EQT an Ausschüttungen und der künftigen Wertentwicklung des Gebäudemanagementgeschäfts partizipiert. Insgesamt erwartet Bilfinger durch den Deal einen Veräußerungsgewinn von 500 Millionen Euro.

Bilfinger verkauft Herzstück für 11x Ebita

Die Gebäudemanagementsparte galt als Ertragsperle von Bilfinger. Sie hatte im vergangenen Jahr mit 2,9 Milliarden Euro einen Anteil von 40 Prozent am Gesamtumsatz und eine operative Rendite von 4,8 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) lag bei 148 Millionen Euro, allerdings waren dort noch die Gewinne der inzwischen verkauften Wassermanagementsparte enthalten. Nach Angaben eines Bilfinger-Sprechers entspricht der jetzt erzielte Verkaufspreis einem Ebita-Multiple von 11x.

Mit dem Deal hat sich EQT gegen den US-Immobiliendienstleister JLL durchgesetzt, der als letzter Mitbieter galt. Bilfinger hatte die Gebäudemanagementsparte im Januar zum Verkauf gestellt. Die vom damaligen Bilfinger-Management um Chef Per Utnegaard und CFO Axel Salzmann geplante Zerschlagung des Konzerns wurde vom größten Aktionär Cevian unterstützt, stieß aber bei einigen anderen Aktionären auf wenig Gegenliebe.

Im April hatte Utnegaard nach elfmonatiger Amtszeit den Konzern dann überraschend verlassen. Kurz danach wurde bekannt, dass der Brite Tom Blades Nachfolger von Utnegaard werden soll. Er wird innerhalb von zwei Jahren der vierte Vorstandschef von Bilfinger. 

Weitere Abschreibungen und Restrukturierungen im Segment Power

Mit dem Verkauf der Gebäudemanagementsparte hat sich Bilfinger damit endgültig vom Konzept des integrierten Dienstleistungskonzerns verabschiedet. Künftig operieren die Mannheimer einzig und alleine im Bereich Industriedienstleistungen, der zuletzt einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro erwirtschaftete.

Für den von der Energiewende schwer getroffenen Bereich Power sucht Bilfinger bereits seit längerem einen Käufer, bislang allerdings erfolglos. Bilfinger hat sich nun dazu entschieden, Power nicht mehr als Ganzes, sondern in Einzelteilen zu verkaufen. Zuvor stehen  im Segment Power allerdings ein weiteres Mal Restrukturierungen an: Bilfinger erwartet Restrukturierungsaufwendungen und Abschreibungen im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, heißt es in einer Pflichtmitteilung des Unternehmens.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de