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23.05.12
Deals

Chinesische Investoren als Türöffner

Schon seit längerem erwarten Marktteilnehmer eine M&A-Welle durch chinesische Firmen. Doch Masseneinkäufe sind bisher ausgeblieben. Allerdings dürfte die Akzeptanz für chinesische Investoren in Deutschland steigen, denn oft ist ein Zusammenschluss die Eintrittskarte zum großen chinesischen Markt.

Deutsche Unternehmen stehen bei Investments in China oft vor verschlossenen Türen. „Wer Zugang zum großen chinesischen Markt möchte, braucht in der Regel einen Partner vor Ort“, betonte Victor Ho, Partner der Kanzlei Allen & Overy heute auf einer Veranstaltung in Frankfurt. Dieser könne sich über den Zusammenschluss Zugang zum weltweiten Markt und dem westlichen Unternehmen die Pforten zum chinesischen Markt öffnen.

Aber es macht einen Unterschied, ob der Geschäftspartner in China ein Staatsunternehmen oder ein Privatunternehmen ist. Chinesische Firmen können durch Regierungsbeschränkungen nur sehr langsam agieren. Privatunternehmen arbeiten im Vergleich schneller, auch ist bei ihnen die Sprachbarriere geringer als bei Staatsunternehmen, die noch komplett ohne englischsprachiges Personal auskommen. Beide Unternehmensformen verbindet aber ein Problem: Sie müssen ihre Investitionen im Ausland erst durch den Staat absegnen lassen. „Allein dieser Schritt kann bis zu drei Monate dauern“, sagte Ho. „Die Chance, eine Genehmigung zu erhalten, ist für Staatsunternehmen jedoch größer.“ Oft erschwert das Warten auf die Genehmigung die Verhandlungen mit ausländischen Firmen, da diese nicht sicher sein können, dass der chinesische Verhandlungspartner alle behördlichen Freigaben erhält.

Viele westliche Unternehmen bevorzugen daher westliche Investoren. Aversionen gibt es insbesondere im Mittelstand. Noch immer kursiert die Furcht, dass chinesische Investoren Fabriken aufkaufen, auseinander montieren und in China wieder aufbauen. „Manche Unternehmer fragen sich, wie sie einen chinesischen Investor dem heimischen Bäcker erklären können“, sagte Dr. Hartmut Krause von Allen & Overy.

Es gibt jedoch einen Trend zur Öffnung. Ho beobachtet, dass sich die Regelungen für die chinesischen Unternehmen ändern. „Die chinesische Volkswirtschaft bietet durch die Kontrolle der Regierung Sicherheit. Die nächsten fünf Jahre werden für die Positionierung Chinas entscheiden sein.“ Da europäische Investoren krisenbedingt ausfallen, könnten sich Chancen für chinesische Interessenten bieten.

gerrit.appeldorn[at]finance-magazin.de