Compliance-Risiken bei M&A-Deals: Besonders bei internationalen M&A-Deals sollten CFOs prüfen, an wen sie sich binden.

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01.08.12
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Compliance-Risiken bei M&A-Deals

Eine funktionierende Compliance-Struktur im eigenen Unternehmen ist für viele CFOs eine Selbstverständlichkeit – aber längst nicht für alle. Das schürt die Gefahr, sich bei M&A-Deals ein Compliance-Risiko einzukaufen. Einige Fragen sollte jedes Target vor dem Deal beantworten müssen.

Für den CFO sind Compliance-Verstöße ein Horrorszenario: Es drohen langwierige Ermittlungen, hohe Bußgelder, der Ruf des Unternehmens leidet. Konzernen wie Siemens oder Ferrostaal, die inzwischen weitgreifende Compliance-Systeme haben, hängen Korruptionsfälle aus der Vergangenheit bis heute nach. Schlimmstenfalls muss sich sogar der CFO selbst juristisch verantworten.

Besonders sensibel ist das Thema Compliance, wenn es um M&A-Deals geht. Zwar enthalten M&A-Verträge in aller Regel eine Klausel, nach der der Verkäufer für Compliance-Verstöße haftet. Ereignen sich Verstöße jedoch außerhalb des Garantiezeitraums, treffen sie den Käufer. Und selbst wenn der Verkäufer haftet, ist unklar ob und in welcher Höhe sich die Haftung durchsetzen lässt. Hinzu kommt der Reputationsschaden, der ohnehin nur schwer auszugleichen ist.

„Die Verfolgung wirtschaftlicher Straftaten wird globaler“, sagt Dr. Ingo Theusinger, Partner der Kanzlei Noerr. Gesetze wie etwa der UK Bribery Act betreffen alle Firmen, die einen Unternehmensteil in Großbritannien haben. Er sieht vor, dass für das Fehlverhalten einer ausländischen Tochtergesellschaft auch die Konzernteile in anderen Ländern bestraft werden können – selbst wenn denen keine unmittelbare Beteiligung am Fehlverhalten vorzuwerfen ist.

Korruptionsindizes bieten Orientierung

Um sich zu schützen, sollte ein Unternehmen bei Übernahmen oder Joint Ventures sorgsam prüfen, an wen es sich bindet – besonders bei internationalen Transaktionen. Bei großen Konzernen läuft dies unter dem Schlagwort Integrity Due Diligence. Eine erste Orientierung, wie hoch das Compliance-Risiko beim Target ist, bieten Korruptionsindizes. Ist Korruption im Zielland ein weit verbreitetes Problem, steigt das Risiko, dass auch der potentielle Transaktionspartner betroffen ist. „Oft lohnt sich der Blick auf die Struktur von Projekten: Wie abhängig ist die geschäftliche Tätigkeit von behördlichen Entscheidungen? Wo lauert Bestechungspotential?“, sagt Theusinger.

Neben diesen makroökonomischen Themen gehört der Blick ins Zielunternehmen selbst zur Due Diligence. Einfacher wird dies, wenn das Target zur eigenen Branche gehört und man das Geschäftsverhalten und das Marktumfeld kennt. Dennoch gehört ein Blick auf die Details dazu: Konstruktionen etwa, bei denen Mittelsmänner bestimmte Geschäfte vermitteln, dienen mitunter als Tarnung für Scheingeschäfte. Auch für weniger offensichtliche Korruptionsformen sollte ein CFO sensibel sein: „Es ist schon vorgekommen, dass der Geschäftspartner im Ausland einen Dritten an Bord des gemeinsamen Unternehmens holen wollte, dessen Verbindung zum gemeinsamen Projekt nicht immer eindeutig ist. Dabei ist zu beachten, dass auch die Gewährung von Geschäftsanteilen  eine Form von Bestechung sein kann“, warnt Theusinger.

Auch bei Joint Ventures rät Theusinger, Compliance-Systeme vertraglich zu verankern  und sich die Möglichkeit einzuräumen, das Joint Venture bei Verstößen dagegen beenden zu können. Sollten sich gewichtige Compliance-Zweifel vor der Transaktion nicht restlos beseitigen lassen, kann es als ultima ratio heißen: Abstand nehmen von der Transaktion.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de