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18.04.16
Deals

DBAG gelingt Exit bei Clyde Bergemann

Die Deutsche Beteiligungs AG verkauft den Kraftwerksausrüster Clyde Bergemann nach elf Jahren an ein Family Office. Der PE-Investor kann seinen Fund IV nun schließen – mit einer attraktiven Rendite für die Investoren.

Clyde Bergemann ist zurück in Familienhand: Der PE-Investor Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) veräußert seinen 55,6-Prozent-Anteil an den Leiter des Asiengeschäfts von Clyde Bergemann. Über sein Family Office hatte der Manager bereits zuvor einen Minderheitsanteil des Kraftwerksausrüsters gehalten. Nun ist er Alleineigentümer, da auch der Finanzinvestor Redwood Capital seinen Anteil abgegeben hat.

Zum Kaufpreis wollte sich die DBAG auf Nachfrage nicht äußern. Die im Vorfeld des Deals kolportierten Werterwartungen von bis zu 400 Millionen Euro wurden nach FINANCE-Informationen allerdings klar nicht erreicht. Der in der Presse gestreute Betrag sei von Beginn an unrealistisch gewesen, ist zu hören. Die DBAG selbst hielt 15,7 Prozent an dem Kraftwerksausrüster, dem Buy-out-Fonds DBAG Fund IV gehörten weitere 39,9 Prozent.

Wegen Energiewende: DBAG musste Clyde Bergemann wertberichtigen

Der PE-Investor war 2005 für rund 90 Millionen Euro bei Clyde Bergemann eingestiegen. Zunächst war das Unternehmen stark gewachsen: Der Umsatz erhöhte sich von 180 Millionen US-Dollar zu Beteiligungsbeginn auf mehr als 500 Millionen Dollar – auch durch mehrere Zukäufe.

Doch in der Folge machten die Energiewende in Deutschland und die Investitionsrückgänge bei Kohlekraftwerken in vielen Ländern – auch im wichtigen US-Markt –Clyde Bergemann zu schaffen. Clyde Bergemann reagierte mit der Restrukturierung seiner amerikanischen und europäischen Standorte. Das asiatische Geschäft hingegen brummte, insbesondere in China, wo in hoher Anzahl neue Kohlekraftwerke entstanden. Der Verschiebung des Geschäftsschwerpunkts nach Asien folgt nun also auch die Kontrollmehrheit.

Ein gutes Geschäft war das Investment für die DBAG wohl nicht. Der Verkauf von Clyde Bergemann habe keinen Wertbeitrag für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres ergeben, teilte die DBAG mit. Im ersten Halbjahr war der Wertbeitrag Clyde Bergemanns zum Konzernergebnis negativ – wohl weil die DBAG auf Basis der Kaufangebote im M&A-Prozess den Wertansatz von Clyde Bergemann an den zu erwartenden Verkaufserlös anpasste.

DBAG Fund IV liefert 100 Prozent Rendite

Mit dem Verkauf der Clyde-Bergemann-Beteiligung kann die DBAG nun aber ihren 2002 aufgelegten vierten Buy-out-Fond schließen. Die Investoren, die länger als üblich auf den Rückfluss der letzten Gelder warten mussten, dürfen sich über eine stattliche Rendite freuen: Nach Angaben der Beteiligungsgesellschaft haben sie das Doppelte ihrer Einzahlungen zurückerhalten. Damit gehört der DBAG Fund IV, der in insgesamt zehn Unternehmen investiert hatte, nach Aussage der DBAG zu den besten Private-Equity-Fonds seines Jahrgangs in Europa.

Der Fonds verfügte über Investitionszusagen von 228 Millionen Euro, hinzu kamen 94 Millionen Euro durch das börsennotierte Investmentvehikel der DBAG. Zu den Beteiligungen gehörten unter anderem der Pumpenhersteller Lewa, der mit hohem Gewinn nach Japan verkauft werden konnte, die Otto Sauer Achsenfabrik und der Bauzulieferer Heim & Haus.

Der Finanzinvestor hat inzwischen schon zwei Nachfolgefonds aufgelegt: Der 509 Millionen Euro schwere Fund V, zu dem die börsennotierte AG 105 Millionen Euro besteuert, ist seit 2013 vollständig investiert. Von fünf der insgesamt elf Beteiligungen hat sich das Frankfurter PE-Haus bereits wieder getrennt. Zuletzt gelang im vergangenen Dezember die Trennung von dem Buszulieferer Spheros. Beim Verkauf an den französischen Autozulieferer Valeo verdoppelte die DBAG ihren Einsatz.

Für ihren sechsten Buy-out-Fonds, der es auf ein Gesamtvolumen von 700 Millionen Euro bringt, ist die Beteiligungsgesellschaft noch auf Einkaufstour: Rund 60 Prozent des Fondsvolumens sind in acht Unternehmensbeteiligungen investiert, darunter das Nachhilfeunternehmen Schülerhilfe und die Gießereien Gienanth und Silbitz. Angesichts des hohen Investitionsgrads ist mit einem baldigen Fundraising für einen siebten Fonds zu rechnen.

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