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Deutsche Bahn steht wohl vor Verkauf von Arriva

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Die Deutsche Bahn will sich wohl endlich von ihrer ausländischen Reisesparte Arriva trennen. Foto: Mara Louvain - stock.adobe.com
Die Deutsche Bahn will sich wohl endlich von ihrer ausländischen Reisesparte Arriva trennen. Foto: Mara Louvain - stock.adobe.com

Die Deutsche Bahn ist offenbar gerade dabei, einen neuen Anlauf für den Verkauf der UK-Tochter Arriva unter Dach und Fach zu bringen. Wie das „Manager Magazin“ unter Berufung auf Insider berichtet, soll Arriva an den US-amerikanischen Private-Equity-Investor I Squared Capital verkauft werden. Beide Parteien sollen bei einem Kaufpreis von 1,65 Milliarden Euro handelseinig geworden sein, schreibt das Magazin.

Arriva ist die größte Akquisition der Deutschen Bahn

Auf Nachfrage des FINANCE-Magazins wollte die Deutsche Bahn die Verkaufsgerüchte nicht weiter kommentieren. Das Unternehmen bestätigte lediglich, DB Arriva bis Ende 2024 verkaufen zu wollen. „Dieser Prozess läuft und wir sind in diesem und im letzten Jahr gut vorangekommen. Wir haben bereits mehrere Landesgesellschaften verkauft“, so eine Sprecherin der DB. Gemeint sind damit die Verkäufe der Arriva-Segmente in Dänemark, Polen und Serbien, die Ende vergangenen Jahres an Mutares verkauft wurden. Zuvor übernahm bereits der Logistikkonzern VR-Group den finnischen Ableger.

Arriva gehört seit 2010 zur Deutsche Bahn, es ist die damals größte Akquisition des Konzerns und kostete rund 2,8 Milliarden Euro, wovon bereits damals etwa ein Drittel auf Schulden entfielen. Der Transportdienstleister betreibt vor allem Bus- und Bahnlinien im Vereinigten Königreich und in mehreren Ländern Kontinentaleuropas.

Der ursprüngliche Plan mit dem Zukauf lautete Wachstum, doch letztlich hatte die Deutsche Bahn mit dem Investment wenig Freude. Zuletzt konnte Arriva nur magere Zahlen vorweisen: 2022 blieben bei 4,2 Milliarden Euro Umsatz lediglich 12 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) übrig. Das entspricht einer mauen Marge von gerade einmal 0,2 Prozent.

Bahn macht wohl Abstriche beim Arriva-Verkauf

Um die Deutsche Bahn gesundzuschrumpfen, wurde bereits 2019 ein Verkauf von Arriva beschlossen. Neben den französischen und britischen Eisenbahnunternehmen Transdev und Stagecoach zeigte damals wohl auch die australische Investmentbank Macquarie Interesse. Doch Bahn-Chef Richard Lutz soll mit einem Kaufpreis von bis zu 4 Milliarden Euro gerechnet haben – ein Preis, den wohl kein Interessent bereit war, auf den Tisch zu legen. Bitter für die Deutsche Bahn: Damalige Angebote sollen laut „Manager Magazin“ über dem nun vorgelegten Angebot gelegen haben.

Dass die DB sich damals nicht mit den Interessenten auf einen Deal einigen konnte, scheint sich damit nun zu rächen. Nicht wenige befürchten außerdem, dass der Arriva-Deal kein gutes Licht auf den ebenfalls bevorstehenden DB-Schenker-Verkauf werfen könnte: Nach dem Boom in der Pandemie sank der Marktwert der Logistiksparte zuletzt rapide ab und könnte nun weitaus weniger als gehofft beim Abbau des massiven Schuldenbergs behilflich sein. Dabei sollte das De-Leveraging – parallel zu Investitionen – eine der obersten Prioritäten für die Deutsche Bahn sein: Zum Ende des Jahres stand die DB mit Nettofinanzschulden von fast 29 Milliarden Euro in der Kreide, bis zum Ende des ersten Halbjahres 2023 stieg dieser Wert auf 30,2 Milliarden Euro.

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