United Internet übernimmt Versatel von PE-Investor KKR. Das Private Equity-Haus erzielte ein Money Multiple von 2,9 Mal auf das eingesetzte Eigenkapital und eine IRR von 40 Prozent.

Versatel

03.09.14
Deals

Exit: PE-Investor KKR verkauft Versatel an United Internet

Bereits seit Wochen munkelt die Private-Equity-Branche über den bevorstehenden Ausstieg des PE-Investors KKR beim Kabelunternehmen Versatel. Nun ist es amtlich: United Internet übernimmt überraschend 100 Prozent der Anteile an dem inzwischen sanierten Unternehmen und wird zum zweitgrößten deutschen DSL-Anbieter. Für das Private-Equity-Haus KKR haben sich die drei Jahre gelohnt.

Die Spatzen pfiffen es von den Dächern – nun steht der Verkauf des Kabelanbieters Versatel auch offiziell fest: Das Private-Equity-Haus Kohlberg Kravis Roberts (KKR) verkauft die verbliebenen 74,9 Prozent an den Telekommunikationskonzern United Internet aus Montabaur. Die Nachricht kommt unerwartet: Als potentielle Käufer waren auch Vodafone, O2 und die Deutsche Telekom gehandelt worden. Den Kaufpreis von 586 Millionen Euro in bar sowie die Ablösung der bestehenden Nettobankschulden über 361 Millionen Euro finanziert United Internet aus neuen Krediten, teilte das Unternehmen mit. Der zugrundeliegende Unternehmenswert (Enterprise Value) beträgt 1,25 Milliarden Euro. United Internet bezahlt damit 8 Mal das Ebitda von 2013, sofern man den Deal als eine Transaktion wertet. Bezogen auf den Anteilspreis für die 74,9 Prozent liegt das Ebitda-Multiple bei 5,8 Mal. Die aktuellen FINANCE-Multiples für die Telekom-Branche sehen Ebit-Multiples von 8 Mal bei Large Cap-Unternehmen.

Durch die Übernahme erhält United Internet Zugriff auf das zweitgrößte deutsche Glasfasernetz, das besonders die deutschen Großstädte abdeckt. Darüber hinaus erhöht sich die Zahl der DSL-Kunden von United Internet auf rund 4,1 Millionen – hier sieht sich United Internet künftig als zweitgrößter Spieler im Markt hinter der Deutschen Telekom.

PE-Investor KKR erzielt IRR von 40 Prozent

Für das Private-Equity-Haus KKR hat sich das Engagement bei Versatel seit 2011 gelohnt. Der PE-Investor erzielte ein Money Multiple von 2,9 auf sein eingesetztes Eigenkapital von 176 Millionen Euro. Die jährliche Verzinsung auf IRR-Basis beträgt 40 Prozent, wie FINANCE von Marktteilnehmern erfuhr. KKR hatte den damals defizitären Kabelkonzern in einer Public-to-Private-Transaktion von der Börse genommen und saniert. Nach dem Ausstieg bei Wild Flavors realisiert KKR bei Versatel den zweiten erfolgreichen Exit bei einem deutschen Portfoliounternehmen in kurzer Folge.

Für United Internet ist es ein Wiedersehen mit einem alten Investment. Schon vor der KKR-Übernahme zählte der Westerwälder Telekomkonzern zu den Versatel-Aktionären. 2012 hatte United Internet eine Option zur Übernahme von 25,1 Prozent an Versatel genutzt. Für United-Internet-CFO Norbert Lang verbindet sich mit der Übernahme noch ein angenehmer Bilanzeffekt: Derzeit ist die Versatel-Beteiligung mit einem Buchwert von 66 Millionen Euro bilanziert. Nach Abschluss der Transaktion und bei einer Vollkonsolidierung ergibt sich für United Internet ein einmaliger nicht cash-wirksamer Ertrag von 100 Millionen Euro.

Für den Deal greift United Internet tief in die Tasche, kann sich die Transaktion jedoch leisten: Die Eigenkapitalquote lag zum 30. Juni 2014 bei rund 26 Prozent, die Nettofinanzschulden lagen bei 262 Millionen Euro. Diese werden nun steigen, aber auch Free Cash Flow und das Ergebnis, so hofft United Internet, das sich gemäß seiner Bankenvereinbarungen bis zu 3 Mal Ebitda verschulden kann. Im Gesamtjahr 2014 peilt United Internet ein Ebitda-Ergebnis von rund 520 Millionen Euro an.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de