Innogy SE

17.12.18
Deals

Geplatzter Npower-Deal verhagelt Innogy das Ergebnis

Vor einem Monat wackelte der Deal noch, jetzt ist er endgültig geplatzt: Innogy muss die verlustreiche Tochter Npower nun doch behalten. Als Folge kassiert der Energieversorger seine Gewinnprognose.

Der Energieversorger Innogy muss seine verlustreiche Tochter Npower vorerst behalten. Wie die Essener mitteilten, ist die geplante Zusammenlegung des britischen Vertriebsgeschäfts mit dem Wettbewerber SSE geplatzt. Man habe keine einvernehmliche Lösung über die notwendigen direkten und indirekten Finanzierungsbeträge gefunden, heißt es von Innogy.

„Wir haben intensiv mit SSE über Anpassungen der im November 2017 bekannt gegebenen Transaktion verhandelt. Leider konnten wir keine Einigung erzielen, die für beide Seiten akzeptabel war“, erklärte Innogy-Vertriebsvorstand Martin Herrmann. Die Innogy-Aktie verlor vorbörslich etwa 3,5 Prozent, hat sich aber inzwischen wieder erholt.

Den Deal hatte der ehemalige Innogy-Chef Peter Terium auf den Weg gebracht, der zuvor lange Zeit vergeblich versucht hatte, Npower aus der Krise zu führen. Der Konzern wolle nun „alternative Handlungsoptionen“ für die britische Tochter prüfen.

Innogy veröffentlicht Gewinnwarnung

Vorerst muss Innogy die britischen Vertriebsaktivitäten jedoch behalten – und das dürfte den Essenern gar nicht passen. Denn der Konzern um CFO Bernhard Günther hatte Npower bereits als nicht fortgeführte Aktivität in der Bilanz ausgewiesen. Nun muss die defizitäre Tochter wieder mit einbezogen werden, was eine Gewinnwarnung nach sich zieht.

Innogy erwartet für das laufende Jahr jetzt nur noch ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 2,6 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes Nettoergebnis von über 1 Milliarden Euro. Zuvor hatten diese Werte 100 Millionen Euro höher gelegen. Der Vorstand kündigte zudem für das kommende Jahr Belastungen in Höhe von 250 Millionen Euro an.

Dr. Bernhard Günther, Innogy SE

Von 1993 bis 1998 ist Günther in der Unternehmensberatung McKinsey tätig, zuletzt als Projektleiter, anschließend wechselt Günther zu RWE. Die ersten zwei Jahre arbeitet er als Abteilungsleiter des Konzerncontrollings und wechselt 2001 als Bereichsleiter für Unternehmensplanung und Controlling zu RWE Power. 2005 wird er zum Bereichsleiter Konzerncontrolling von RWE befördert.

2007 bis 2008 ist Günther Geschäftsführer und CFO der RWE Gas Midstream. In dieser Position verantwortet er die Bereiche Finance & Reporting, Project Controlling & Valuation, Back Office, IT, Integration & Organisation, Legal & Compliance, sowie Risk. Darüber hinaus vertritt er in Personalunion als Geschäftsführer sowie CFO der RWE Trading in den Jahren 2007 und 2008 die Bereiche Finance & Reporting, Project Controlling & Valuation, Back Office und IT.

Günthers Laufbahn im RWE-Konzern geht weiter. Von 2008 bis 2012 leitet er als Geschäftsführer und CFO der RWE Supply& Trading die Bereiche, Finance, Risk, Back Office, Project Valuation & Control, IT, Legal & Compliance sowie Business Change Management . Im Juli 2012 steigt er in den Konzernvorstand auf und wird im Januar 2013 zum Finanzvorstand ernannt. Im Zuge der Aufspaltung des Energiekonzerns wird Günther im April 2016 CFO der RWE-Tochter Innogy, in der vor allem das Geschäft mit erneuerbaren Energien gebündelt wird. Die RWE-Finanzen übernimmt nach dem Innogy-IPO im Oktober des gleichen Jahres Markus Krebber.

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Für die Innogy-Aktionäre, allen voran für die frühere Mutter und Großaktionärin RWE, ist das eine bittere Nachricht. Denn die Dividende dürfte damit deutlich geringer ausfallen als im vergangenen Jahr – falls Innogy die Ausschüttungsquote von 70 bis 80 Prozent des Nettoergebnisses beibehält.

Innogy und SSE konnten sich nicht einigen

Dass die Npower-Transaktion wackelt, zeichnete sich bereits im November ab: Damals teilten Innogy und SSE mit, es seien Anpassungen am bereits ausgehandelten Deal nötig. Dabei ging es unter anderem um Finanzierungsfragen. Als Grund nannten die beiden Versorger das schlechtere Marktumfeld in Großbritannien.

Außerdem hätte die ab dem kommenden Jahr geltende Obergrenze für Energiepreise in Großbritannien „erhebliche Auswirkungen auf den Ausblick der fusionierten Gesellschaft“. Grundsätzlich wollten beide Parteien damals aber an dem Joint Venture festhalten, Innogy zeigte sich durchaus optimistisch, dass der Deal noch gelingt. 

SSE nicht mehr von Joint Venture überzeugt

Nun kam es anders. Offenbar glaubt vor allem das Management von SSE nicht mehr, dass der ursprüngliche Plan im Interesse des Unternehmens ist. Dieser sah vor, dass das Joint Venture in London an die Börse gebracht werden sollte. Innogy sollte an dem neuen Unternehmen rund 34 Prozent halten, SSE knapp 66 Prozent. SSE plante, diesen Anteil an die eigenen Aktionäre weiterzugeben.

Wie SSE am heutigen Montag mitteilte, sei man nicht mehr davon überzeugt, dass das neue Unternehmen in der Lage wäre, im Premium-Segment der Londoner Börse zu bestehen. Die Veränderungen am britischen Energiemarkt träfen das Joint Venture genau in der Phase, wo der Großteil der Integrationskosten anfalle. SSE strebe daher nun einen alleinigen Demerger des Vertriebsgeschäfts mit anschließendem Listing oder einen Verkauf an. Die Briten betonten, dass die eigenen Aktivitäten auch in den kommenden beiden Geschäftsjahren profitabel und cashflow-positiv seien werden.

E.on gibt sich nach dem geplatzten Deal gelassen

Wie es nun für die Innogy-Tochter Npower weitergeht, ist unklar. Verkompliziert werden die Pläne für das Innogy-Management zusätzlich dadurch, dass das Unternehmen selbst bis Ende kommenden Jahres zerschlagen werden soll. RWE nimmt das Ökostromgeschäft von Innogy zurück, Wettbewerber E.on  übernimmt den Großteil der Innogy-Geschäftsaktivitäten, dazu zählt das Vertriebs- und Netzgeschäft.

E.on erklärte heute gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, der geplatzte Deal habe „keine grundsätzlichen Auswirkungen auf unsere Innogy-Transaktion und ändert nichts an unserem Zeitplan“.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de