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15.04.19
Deals

HIG und Bluebay werden Grünen Punkt nicht los

Die Kartellwächter sprechen sich gegen einen Verkauf des Grünen Punkts an den Abfallentsorger Remondis aus. Bleiben die Finanzinvestoren HIG und Bluebay nun doch auf ihrer Beteiligung sitzen?

Die beiden Finanzinvestoren HIG und Bluebay drohen, auf ihrer Beteiligung am Dualen System Deutschland (DSD) sitzen zu bleiben. Das Bundeskartellamt legte am heutigen Montag ein vorläufiges Veto für den Verkauf des Unternehmens hinter der Recycling-Marke Grüner Punkt an den Müllentsorger Remondis ein.

„Nach bisherigem Ermittlungsergebnis“ beabsichtigt das Kartellamt, die Fusion zu untersagen, heißt es in einer Mitteilung. Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt zufolge würde die Übernahme von DSD durch Remondis den Wettbewerb bei den dualen Systemen in Deutschland behindern.

Remondis ist laut Bundeskartellamt das mit Abstand größte deutsche Entsorgungsunternehmen. Zu seinen Aufgaben gehören die Sammlung, Sortierung und Aufbereitung von Verkaufsverpackungen sowie die anschließende Vermarktung beziehungsweise Verwertung. DSD sei das größte duale System in Deutschland. Duale Systeme organisieren das Verpackungsrecycling im Auftrag der Hersteller, Importeure oder Händler von Verpackungen und beauftragen Entsorgungsunternehmen mit der Erfassung, Sortierung und Aufbereitung des Verpackungsmülls. 

Drei Gründe für das Kartellveto beim Grünen Punkt

Das Kartellamt begründet seine Bedenken mit drei Argumenten. Erstens: Das unternehmerische Kalkül von DSD und Remondis würde sich ändern, da Remondis einen Anreiz hätte, die Preise für DSD-Wettbewerber zu erhöhen.

Zweitens könnte DSD seine Nachfragemacht dazu nutzen, um Remondis-Wettbewerber zu verdrängen. Beide Unternehmen sind auf unterschiedlicher Ebene derselben Wertschöpfungskette aktiv.

Und drittens seien Remondis und DSD beide in der Vermarktung von aufbereiteten Getränkeflaschen und Konservengläsern aktiv. Bei einem gemeinsamen Marktanteil von 40 bis 60 Prozent hätte das fusionierte Unternehmen dem Bundeskartellamt zufolge dort eine marktbeherrschende Stellung.

Remondis konnte Kartellbehörde bisher nicht überzeugen

Remondis und die beiden Finanzinvestoren haben nun zwei Wochen Zeit, um zu dem Entscheidungsentwurf Stellung zu beziehen. Remondis wollte den Beschluss auf FINANCE-Nachfrage nicht kommentieren. Einer Sprecherin zufolge prüfe man zunächst den Sachverhalt.

Inwieweit sich die Kartellbehörde noch umstimmen lässt, ist allerdings fraglich. Schließlich hatte Remondis bereits im September vergangenen Jahres bei Bekanntgabe der Übernahmepläne versucht, die Marktmacht von DSD kleinzureden.

Remondis verwies damals unter anderem darauf, dass DSD in den vergangenen Jahren durch „zahlreiche Eintritte anderer Dualer Systeme“ rund „dreiviertel seines ursprünglichen Umsatzes“ verloren habe. Mit einem Gesamtumsatz von 490 Millionen Euro sei DSD eins von neun Dualen Systemen, die sich den 900 Millionen Euro großen Markt teilen würden.

Ferner verwies Remondis auf die beiden größeren französischen Wettbewerber Suez und Veolia, die eigene duale Systeme betreiben würden. Remondis nannte mit der Schwarz-Gruppe, dem Einstieg chinesischer Investoren bei Scholz, EEW und Alba/Intersloh weitere neue Wettbewerber. Die Kartellwächter überzeugte diese Argumentation offensichtlich jedoch nicht.

FINANCE-Leser-Umfrage: Ist der Deal mit Remondis noch zu retten?

Was machen HIG und Bluebay jetzt mit DSD?

Für die beiden Finanzinvestoren HIG und Bluebay sind das schlechte Neuigkeiten, kassiert das Bundeskartellamt mit dem Beschluss doch gleich zwei Exit-Kanäle auf einmal. Zum einen wird DSD für andere Finanzinvestoren als Investitionsziel unattraktiver, da anorganisches Wachstum in Deutschland wegen der Größe von DSD scheinbar nicht mehr möglich ist.

Und auch strategische Käufer haben wegen der Größe von DSD Probleme, den Grünen Punkt zu übernehmen, wie man an den aktuellen Fusionsversuchen sieht. Bliebe noch die theoretische Möglichkeit eines Börsengangs. Über derlei Pläne ist aktuell jedoch nichts bekannt. Hinzu kommt, dass das IPO-Geschäft in Deutschland am Boden liegt. Erst vor einem Monat legte beispielsweise VW seine Börsenpläne für die Lkw-Sparte Traton auf Eis.

Gelingt es Remondis in den kommenden zwei Wochen nicht, die Bedenken der Kartellwächter auszuräumen, könnten HIG und Bluebay bei DSD einen sehr langen Atem benötigen. Bereits die Verhandlungen mit Remondis hatten sich als sehr zäh erwiesen und stockten Medienberichten zufolge mehrfach wegen der unterschiedlichen Preisvorstellungen. HIG und Blubay halten seit 2011 die Mehrheit an dem Unternehmen. Zuvor war KKR mehrere Jahre an DSD beteiligt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de