Der Energiekonzern Innogy und der britische Wettbewerber SSE müssen nochmal zurück an den Verhandlungstisch. Im November 2017 hatten sich die beiden Parteien darauf geeinigt, die Innogy-Tochter Npower mit den Vertriebsaktivitäten von SSE (SSE Energy Services) in Großbritannien zusammenzuschließen. Den Deal hatte noch der damalige Innogy-Chef Peter Terium auf den Weg gebracht. Er hatte lange Zeit versucht, die verlustreiche britische Tochter Npower aus der Krise zu führen.
Die Transaktion schien auf gutem Weg, im Oktober genehmigte die britische Wettbewerbsbehörde den Deal. Nun haben die beiden Unternehmen jedoch bekanntgegeben, dass einige „Anpassungen an der geplanten Transaktion“ erforderlich seien.
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In den kommenden Wochen wollen die beiden Parteien deshalb nachverhandeln. Ein Update zum Stand der Verhandlungen soll bis Mitte Dezember vorliegen, teilt SSE mit. Der bisherige Zeitplan für die Transaktion gerät damit erheblich unter Druck. Die Briten gehen davon aus, dass der Deal nicht wie geplant im ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden kann.
Nach dem Vollzug des Zusammenschlusses soll das Joint Venture in London an die Börse gebracht werden. Innogy soll an dem neuen Unternehmen rund 34 Prozent halten, SSE knapp 66 Prozent. SSE plant, diesen Anteil an die eigenen Aktionäre weiterzugeben.
Regulatorik setzt Innogy und SSE unter Druck
Dass Nachverhandlungen nötig sind, liegt laut den Unternehmen an zwei Aspekten: Zum einen habe sich das Marktumfeld im britischen Vertriebsgeschäft verschlechtert. Zum anderen hätten regulatorische Eingriffe wie die Preisobergrenze „erhebliche Auswirkungen auf den Ausblick der fusionierten Gesellschaft“.
Diese Preisobergrenze für Energiepreise greift in Großbritannien ab dem kommenden Jahr. SSE hatte bereits im September mitgeteilt, dass das Ergebnis von SSE Energy Services im Geschäftsjahr 2018/2019 deswegen voraussichtlich signifikant unter den Erwartungen liegen werde.
An dem Joint Venture wollen Innogy und SSE aber trotz der schlechteren Rahmenbedingungen grundsätzlich festhalten. Innogy geht davon aus, dass die notwendigen Anpassungen gegebenenfalls auch „zusätzlich zu erbringende direkte oder indirekte Finanzierungsbeiträge für jede Vertragspartei“ einschließen könnten. Weitere Details dazu sind aber noch nicht bekannt.
E.on sieht Transaktion mit Innogy nicht betroffen
Komplizierter wird die Lage für Innogy-CFO Bernhard Günther dadurch, dass Innogy selbst ein Übernahmeziel ist. Das RWE-Spin-off wird zerschlagen. E.on übernimmt den Großteil der Innogy-Geschäftsaktivitäten, dazu zählt das Vertriebs- und Netzgeschäft. RWE übernimmt dagegen wieder das Ökostromgeschäft von Innogy.
„Wir erwarten keine wesentlichen Auswirkungen auf den Sinn und den Zeitplan der übergreifenden Transaktion“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters E.ons Reaktion auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Man sei überzeugt, dass Innogy und SSE den Nutzen einer Zusammenarbeit erkennen würden, heißt es.
Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und Chefin vom Dienst bei DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

