Investmentbanking: JP Morgan vor Goldman Sachs

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Trotz des allgemeinen M&A-Booms profitieren die Investmentbanken noch nicht von dem gestiegenen Volumen. Foto: Hasbian - adobe.stock.com
Trotz des allgemeinen M&A-Booms profitieren die Investmentbanken noch nicht von dem gestiegenen Volumen. Foto: Hasbian - adobe.stock.com

Deutschland steuert auf ein M&A-Rekordjahr zu. Was Goldman Sachs vor kurzem verkündete, bestätigt nun auch das „Germany Investment Banking Review“ der London Stock Exchange Group (LSEG). Demnach beläuft sich das Volumen der angekündigten M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung auf 152 Milliarden US-Dollar und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Damit hat der Markt nach nur einem halben Jahr schon fast das gesamte Jahr 2025 eingeholt. Doch trotz des Rekordvolumens profitieren die in Deutschland aktiven Investmentbanken insgesamt nur bedingt von dem Boom.

Investmentbanken verdienen weniger trotz M&A-Boom

Die Zahlen sind ernüchternd: Laut LSEG wurden im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland insgesamt geschätzte 1,75 Milliarden US-Dollar an Investmentbanking-Gebühren generiert, ein Rückgang von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Wert seit zwei Jahren. Damit stehen die Gebühren im Kontrast zum allgemeinen M&A-Boom.

LSEG erklärt den Widerspruch so: Angekündigte M&A-Volumina und Gebühreneinnahmen laufen nicht immer im Gleichschritt. Das M&A-Volumen wird erfasst, wenn der Deal angekündigt wird, wohingegen die Advisory Fees erst dann verbucht werden, wenn Transaktionen tatsächlich abgeschlossen sind. Große Deals wie etwa die TK Elevator-Übernahme oder Delivery Hero Transaktion seien noch nicht vollzogen. Deshalb glauben die Experten bei LSEG, dass die Advisory Fees entsprechend nachziehen werden, sobald die Deals abgeschlossen werden.

Bei den Advisory-Fees für abgeschlossene M&A-Transaktionen verzeichnete die LSEG-Studie hingegen mit 407,4 Millionen US-Dollar ein Plus von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit die stärkste Halbjahresperformance seit 2023. Die ECM-Underwriting-Gebühren stiegen um 91 Prozent auf 174,5 Millionen US-Dollar, während die DCM-Underwriting-Gebühren mit einem leichten Plus von 0,8 Prozent auf 809,2 Millionen US-Dollar nahezu stabil blieben.

Deutlich schlechter lief es bei den syndizierten Kreditgebühren: Sie sanken um 32,7 Prozent auf 356,1 Millionen US-Dollar. Ein wesentlicher Treiber dahinter war laut LSEG der Rückgang der Private-Equity-Aktivität: Das deutsche PE-backed M&A-Volumen fiel im ersten Halbjahr 2026 um 51,3 Prozent auf 5,3 Milliarden US-Dollar, der niedrigste Wert seit 2011. Da Private-Equity-Akquisitionen häufig über syndizierte Kredite finanziert werden, schlägt sich die schwächere PE-Aktivität direkt in geringeren Kreditgebühren nieder.

JP Morgan schlägt Goldman Sachs

Auf Ebene der einzelnen Banken zeigt sich laut LSEG folgendes Bild: JP Morgan verdiente im ersten Halbjahr 2026 die meisten Investmentbanking-Gebühren in Deutschland, insgesamt 187 Millionen US-Dollar, was einem Marktanteil von 10,7 Prozent entspricht und einem Anstieg von 182 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit verdrängt JP Morgan Goldman Sachs von der Spitzenposition. Den Aufstieg von Rang sechs auf Platz eins erklärt LSEG vor allem mit einer Kombination von Zuwächsen im M&A-Advisory und bei Kapitalmarkttransaktionen. Die US- Bank beriet bei mehreren großen Deals, unter anderem bei der Übernahme von Tubulis durch Gilead Sciences sowie beim Einstieg von Capvest bei Stada.

Deutsche Bank auf Platz zwei

Die Deutsche Bank folgt auf Rang zwei mit 132 Millionen US-Dollar (-14 Prozent), vor Goldman Sachs mit 128,9 Millionen US-Dollar (-21 Prozent). BofA Securities belegt mit 114,5 Millionen US-Dollar (+85 Prozent) Rang vier, gefolgt von Commerzbank mit 85,1 Millionen US-Dollar (-14 Prozent). Das Schlusslicht der Top Ten bildet die italienische Unicredit mit 49,8 Millionen US-Dollar – ein Rückgang von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Absturz von Rang vier auf Rang zehn.

Einen direkten Zusammenhang mit der laufenden Commerzbank-Übernahme sieht LSEG dabei nicht. Haupttreiber des Rückgangs sei vielmehr eine schwächere Performance im Anleihe- und Kreditgeschäft. Die Gebühren aus dem Anleihegeschäft sanken um neun Prozent, während die Kreditgebühren um 40 Prozent einbrachen. Damit verfestigt sich insgesamt ein Bild, das sich auch in der neuen FINANCE Banken Survey zeigt: Geht es um M&A, haben die US-Banken die Nase vorn.

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.