Der Süßwarenhersteller Katjes setzt seine Wachstumsstrategie im westeuropäischen Zuckermarkt durch den Piasten-Kauf fort.

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02.10.14
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Katjes übernimmt Piasten: Aggressive Wachstumsstrategie wird fortgesetzt

Der Süßwarenhersteller Katjes International setzt seine Wachstumsstrategie durch Akquisitionen fort. Der neueste Zugang ist der deutsche Schokoladenhersteller Piasten. Finanziert wird der Deal primär durch liquide Mittel. Es ist nicht der einzige Take-Over, den Katjes in den vergangen Jahren vorgenommen hat.

Katjes International übernimmt den Mitkonkurrenten im Süßwarengeschäft Piasten aus Forchheim (bei Nürnberg) vollständig. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Piasten solle dabei „rechtlich und organisatorisch selbstständig“ bleiben, die Firmenleitung bleibe zunächst fünf weitere Jahre lang im Amt. Das Unternehmen erzielte den Angaben zufolge im vorigen Geschäftsjahr (30.6.) einen Umsatz von 91,6 Millionen Euro und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter.

Mit der Akquisition bestätigt Katjes seine Wachstumsambitionen und setzt die angekündigte Linie fort, seinen Marktanteil im westeuropäischen Süßwarenmarkt durch den Zukauf etablierter Marken auszubauen.

Katjes verfolgt aggressive Akquisitionsstrategie

Die Wachstumsstrategie begann im Jahr 2009 mit der Beteiligung am französischen Süßigkeitenhersteller Lutti, die Katjes über die Jahre weiter ausgebaut hat. Im Jahr 2010 folgte der 50-prozentige Anteilserwerb am niederländischen Lakritzhersteller Festivaldi, gefolgt vom vollständigen Kauf der Distributionsgesellschaft Continental Sweets Belgium in 2012. Im selben Jahr wurde zusätzlich der deutsche Salbei-Bonbonhersteller Dallman erworben. Die aktuellste Errungenschaft ist Piasten, was jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Wachstumsstrategie ist. Der Markt wird weiter beobachtet, heißt es von Unternehmensseite.

Das im Oktober letzten Jahres durch einen schweren Brand verlorene Produktionsgebäude im belgischen Bois d’Haine wird dagegen in Folge einer Managemententscheidung nicht wieder aufgebaut und scheint damit im Rahmen der Wachstumsstrategie keine weitere Rolle zu spielen. Stattdessen wird ein Teil der dortigen Produktion auf Produktionsstätten im näheren Umland verteilt.

Finanzierung über Mittelstandsanleihe

Wie FINANCE aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll die Piasten-Übernahme hauptsächlich aus den liquiden Mitteln von Katjes finanziert werden. Detailliertere Angaben gab es nicht. Angesichts ausgewiesener liquider Mittel von 17,2 Millionen Euro (Stand 30.06.2014 vor der Piasten-Übernahme) und der im Juni 2016 fälligen Mittelstandsanleihe bleibt es spannend, wie künftige Zukäufe finanziert werden sollen. Katjes finanziert sich momentan zu einem guten Teil über eine Mittelstandsanleihe, die im Juli 2011 aufgelegt und im Folgejahr auf insgesamt 45 Millionen Euro aufgestockt wurde. Creditreform Rating sieht Katjes International bei einem konstanten BB+ Rating, welches die Ratingagentur dreimal in Folge bestätigt hat. Die Anleihe steht momentan bei einem Kurs von 105, die positive Einschätzung des Marktes dürfte bei einer Refinanzierung helfen, die im Juni 2016 ansteht.

Zur Stabilität des Ratings tragen zusätzlich die Maßnahmen des Unternehmens zur Stärkung der Eigenkapitalbasis bei. „Dazu gehört auch das Commitment der Eigentümer, kein Geld aus der Gesellschaft zu entnehmen“, so Tobias Bachmüller, geschäftsführender Gesellschafter der Katjes International in einer öffentlichen Stellungnahme. Mittel- bis langfristig wird ein Aufstieg des Ratings in Richtung Investment Grade angestrebt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de