Black FINANCE Deal

Abonnements

M&A-Deal: PE-Investor Afinum steigt bei Görtz ein

Die Schuhkette Görtz holt sich PE-Investor Afinum an Bord.
Görtz

Die Ludwig Görtz GmbH hat einen Geldgeber gefunden: Der PE-Investor Afinum steigt zu 40 Prozent bei der angeschlagenen Schuhkette ein. Damit bleibt die Mehrheit bei den Brüdern Ludwig, Friedrich und Thomas Görtz, die das Familienunternehmen in vierter Generation führen. Über den Kaufpreis des M&A-Deals wurde Stillschweigen vereinbart, laut F.A.Z. erfolgte die Beteiligung über eine Kapitalerhöhung in zweistelliger Millionenhöhe. Der Abschluss, dem das Kartellamt noch zustimmen muss, wird Ende Mai erwartet.

Das angeschlagene Unternehmen will mithilfe des Münchener Finanzinvestors wieder auf Wachstumskurs gelangen: Durch die Finanzspritze soll einerseits das Filialnetz erweitert, andererseits aber vor allem eine stärkere Vernetzung von Online- und stationärem Handel ermöglicht werden. Der bei Afinum zuständige Investmentmanager Stephan Schödel formulierte gegenüber FINANCE die Erwartung, dass im stationären Schuhhandel nur die drei Marktgrößen Deichmann, Reno und Görtz werden bestehen können. Afinum werde Görtz auf dem Wachstumskurs begleiten – die Haltedauer könne unter Umständen auch länger als fünf Jahre betragen, sofern die Entwicklung stimmt.

Online-Handel macht Görtz zu Schaffen

Zuletzt hatte Görtz stark unter der Konkurrenz im Onlinehandel gelitten – vor allem der Onlinehändler Zalando machte dem Unternehmen zu schaffen. Infolge eines Sanierungs- und Sparkurses im vergangenen Jahr fiel die Zahl der Filialen von 240 auf 170, die Anzahl der Mitarbeiter sank wegen des Verkaufs zweier Töchter um 500 auf 1.200 Mitarbeiter. Der Umsatz ist 2013 zwar leicht gestiegen auf 365 Millionen Euro, insgesamt weist das Unternehmen aber aufgrund der Restrukturierungskosten einen Verlust in einstelliger Millionenhöhe auf – die genaue Zahl nannte Görtz nicht. Mittelfristig sollen Ebitda-Margen von 7-8 Prozent erreichbar sein, hieß es aus dem Umfeld der Transaktion.

Görtz sucht bereits seit August vergangenen Jahres nach einem Geldgeber, die Verhandlungen zwischen Görtz und Afinum dauerten rund sechs Monate. Beraten wird das Unternehmen beim M&A-Deal von den Wirtschaftskanzleien Nörr und Dentons. Ein möglicher Deal mit der HR Group (Reno) scheiterte Medienberichten zufolge daran, dass die Familie Görtz die Mehrheit an dem Unternehmen behalten wollte.

Aktuell investiert Afinum aus zwei separaten Fonds, über die sowohl Mehrheits- als auch Minderheitsbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen eingegangen werden. Das Kapital für Görtz stammt aus dem 2010 aufgelegten Wachstumsfonds, der ein Volumen von 210 Millionen Euro aufweist. Das Eigenkapitalvolumen des Buy-Out-Fonds liegt bei 280 Millionen Euro. Im Fonds für Wachstumskapital, der in Small- und Midcap-Beteiligungen investiert, hält Afinum neben Görtz noch Orwo, Altendorf, Thonet und seit 2012 auch eine Minderheitsbeteiligung am Autozulieferer Alfmeier.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Themen