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19.10.18
Deals

M&A-Deals in China werden einfacher

China lockert seine Restriktionen für ausländische Investoren. Vor allem der Automobilsektor wird liberalisiert. Doch bisher nutzen nur wenige deutsche Unternehmen dieses Potential in Fernost – vor allem aus zwei Gründen.

Im Sommer hat die chinesische Regierung eine umfassende Lockerung der Restriktionen für ausländische Investoren auf den Weg gebracht. Wie umfangreich Peking die heimischen Märkte geöffnet hat, zeigt ein Papier der M&A-Beratung Melchers Raffel, das FINANCE vorliegt.

Demnach ist die Zahl der Investitionen, die ausländischen Unternehmen pro Jahr untersagt oder eingeschränkt wurden, zwischen 2007 und 2018 von 126 auf 48 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 62 Prozent. Bei seiner Studie beruft sich das Münchener Beratungshaus auf Daten der chinesischen Entwicklungs- und Reformkommission, die darüber entscheidet, welche Restriktionen in den einzelnen Sektoren gelten.  

Deutsche Investoren sind noch zurückhaltend

Frank-Christian Raffel, geschäftsführender Gesellschafter bei Melchers Raffel, sieht für die Öffnung der chinesischen Märkte zwei wesentliche Gründe: „Gewisse Industrien in China können mittlerweile im internationalen Wettbewerb bestehen und müssen nicht mehr geschützt werden.“ Zudem habe China im Zuge des Beitritts zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2002 bestimmte Auflagen erfüllen müssen, die es ausländischen Investoren seitdem sukzessive einfacher macht, im Reich der Mitte aktiv zu werden.

Trotzdem haben deutsche Unternehmen ihre Zurückhaltung bei Investitionen in China noch immer nicht nennenswert abgelegt. So zählte Melchers Raffel 2018 lediglich zehn Transaktionen – allerdings auch mit bereits bestehenden Beteiligungen und Partnern –, bei denen deutsche Investoren in China zukauften. Umgekehrt kam es zu 57 Deals – darunter vor allem Mehrheitsbeteiligungen. „Hier muss es zu einem Umdenken bei deutschen Unternehmen kommen. China ist eindeutig der Markt der Zukunft“, mahnt Raffel. Aus seiner Sicht tut sich gerade trotz relativ hoher Bewertungen ein Zeitfenster für ausländische Investoren auf, die auf dem chinesischen Markt Fuß fassen wollen.

„China ist eindeutig der Markt der Zukunft.“

Frank-Christian Raffel, Geschäftsführender Gesellschafter bei Melchers Raffel

Deutsche Unternehmen sind nicht auf dem letzten Stand

Den mit Abstand größten Coup hat BMW in dieser Woche gelandet: Der Autobauer will 3,6 Milliarden Euro zahlen, um sich die Mehrheit an dem Joint Venture BMW Brilliance Automotive zu sichern, in dem die Bayern gemeinsam mit ihrem chinesischen Partner Brilliance rund eine halbe Million Autos im Jahr produzieren.

Doch Deals wie dieser sind immer noch die Ausnahme. Melchers Raffel zufolge lag Deutschland mit Investments in China gleich hinter den Niederlanden und weit abgeschlagen von USA und Japan. Der Hauptgrund ist laut Frank-Christian Raffel Unwissenheit: „In Deutschland herrscht die weit verbreitete Meinung, dass man für Investitionen in China immer ein chinesisches Partnerunternehmen benötigt. Das ist schlichtweg falsch.“ So ist es beispielsweise mittlerweile möglich, dass ausländische Investoren in China sogar börsennotierte Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen zu 100 Prozent übernehmen dürften.

Was es für einen guten China-Deal braucht

Diese Unwissenheit paart sich ihm zufolge häufig auch noch mit Unsicherheit über die weitere Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen in China – und dies nicht zu Unrecht. Selbst chinesische Unternehmen werden von regulatorischen Veränderungen , die teilweise in hohem Tempo vorgenommen werden, häufig überrascht. So verlor der Internetkonzern Tencent seit dem Sommer fast 200 Milliarden Dollar an Börsenwert, nachdem Peking die Regulierung von Online-Spielen eingeschränkt hat. Unter den deutschen Konzernen erlitt beispielsweise der Online-Händler Windeln.de schwere Umsatzverluste, nachdem die chinesische Regierung die Einfuhrbestimmungen für Babynahrung gravierend verändert hatte. 

Doch angesichts des enormen Wachstumspotentials plädiert Berater Raffel für mehr Mut – und das nötige taktische Geschick, denn „natürlich spielt der Staat immer eine große Rolle bei ausländischen Investments“. Für den Umgang mit den Behörden brauche es ein solides Netzwerk. Dann aber stehen einem erfolgreichen Deal weniger Hürden gegenüber als häufig angenommen.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de