Gruppenbild mit Vorstand: BMW und Brilliance China Automotive verteilen die Anteile im Joint Venture neu.

BMW Group/ Rainer Haeckl

11.10.18
Wirtschaft

BMW will Mehrheit an Joint Venture in China

BMW übernimmt für einen Milliardenbetrag die Mehrheit am Joint Venture BMW Brilliance Automotive in China. Künftig will der Autobauer 75 Prozent halten. Damit bereitet sich BMW auf das Auslaufen der Joint-Venture-Pflicht in der chinesischen Autobranche vor.

Der Autobauer BMW möchte die Führung in dem Joint Venture BMW Brilliance Automotive übernehmen, das er zusammen mit einer einhundertprozentigen Tochter des chinesischen Herstellers Brilliance China Automotive (CBA) betreibt. Bislang hielt BMW 50 Prozent an dem Joint Venture, nun will der Konzern auf 75 Prozent aufstocken. Für die zusätzlichen Anteile gibt das Management um BMW-CFO Nicolas Peter einen Betrag von 3,6 Milliarden Euro aus. 

Zugleich kündigten die Münchener an, langfristig mit CBA kooperieren zu wollen. Die beiden Parteien werden die Laufzeit des Joint Ventures vom ursprünglich angesetzten Endpunkt im Jahr 2028 bis ins Jahr 2040 verlängern. In den kommenden Jahren will das Joint Venture zudem mehr als 3 Milliarden Euro in das Werk in Shenyang zu investieren. 


2017 liefen in den Werken von BMW Brilliance Automotive rund 400.000 Fahrzeuge vom Band, sechs BMW-Modelle werden zurzeit in Shenyang gefertigt. Von 2020 an soll der vollelektrische BMW iX3 ausschließlich in China gefertigt und von dort aus exportiert werden.

China beendet Joint-Venture-Pflicht

Dass BMW bald die Mehrheit an dem Joint Venture halten darf, ist Teil einer regulatorischen Lockerung in China. Derzeit gilt in der Autobranche eine Joint-Venture-Pflicht für ausländische Autobauer. Bislang dürfen sie nicht mehr als 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten und müssen mit einem lokalen Partner zusammenarbeiten. Im April dieses Jahres kündigte China jedoch an, diese Regelung bis 2022 schrittweise abzuschaffen und den Markt damit stärker zu öffnen.


Darauf stellt sich nun auch BMW ein: Wie der Konzern in der Nacht zum heutigen Donnerstag mitteilte, soll der Abschluss des M&A-Deals voraussichtlich im Jahr 2022 erfolgen, wenn die Joint-Venture-Pflicht ausläuft. Nach dem Closing der Transaktion werden die Münchener das Unternehmen BMW Brilliance Automotive voll in ihrem Konzernabschluss konsolidieren. Daraus erwartet der Autobauer im Geschäftsjahr nach dem Closing „einen signifikanten positiven Bewertungseffekt“. Dieser würde sich damit 2023 einstellen. 

BMW will in China langfristig wachsen

Der Ausbau der Joint-Venture-Anteile ist Teil einer langfristigen Wachstumsstrategie des Autobauers in China. BMW will seine Produktionskapazitäten an den bestehenden Standorten in Shenyang erweitern. Dazu zählen auch Elektrofahrzeuge und Spezialfahrzeuge, sogenannte New Energy Vehicles (NEV). 

FINANCE-Köpfe

Nicolas Peter, BMW Group

Nicolas Peter ist ein BMW-Eigengewächs. Er beginnt seine Karriere 1991 in der Absatzfinanzierung und sammelt im Konzern auch internationale Erfahrung.

1999 steigt er zum Geschäftsführer für Finanzen und Verwaltung bei der BMW France auf. 2002 wechselt der studierte Jurist zu BMW nach Schweden, wo er die Vertriebsorganisation leitet. Im Oktober 2011 übernimmt Peter die Leitung für die Vertriebsregion Europa. Finanzvorstand der BMW Group wird Nicolas Peter im Januar 2017.

zum Profil

Die Beteiligungsgrenzen für ausländische Produzenten an Joint Ventures für NEV ist die erste, die im Zuge der Marktöffnung fällt.

Die Voraussetzung für den geplanten strategischen Geschäftsausbau in China ist für BMW allerdings, dass der Kauf der weiteren 25 Prozent an BMW Brilliance Automotive wirklich vollzogen werden kann. Die Aktionärsversammlung des Joint Ventures sowie die Behörden müssen dieser Transaktion zunächst noch zustimmen. 

Absatz in China gleicht Europa-Verluste aus

Für BMW hat der chinesische Markt große Bedeutung. Zuletzt halfen gute Absatzzahlen aus dem Reich der Mitte dabei, schwächere Verkaufszahlen auf dem europäischen Markt zu kompensieren. Im Juli dieses Jahres beispielsweise verzeichnete BMW mit seinen Marken in China ein Plus von 7,8 Prozent. Dagegen brachen die Verkäufe in Deutschland im gleichen Monat um 14 Prozent ein, in Großbritannien betrug der Rückgang 13 Prozent. 


BMW hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 560.000 BMW-Wagen in China ausgeliefert. In den ersten acht Monaten 2018 sei der Absatz des Unternehmens in China um 4,2 Prozent gestiegen und habe erstmals zu diesem Zeitpunkt bei mehr als 400.000 Einheiten gelegen.


BMW richtet sich zudem auf eine steigende Nachfrage nach E-Autos ein. Die chinesische Regierung fördert Elektromobilität, indem sie E-Autos bevorzugt eine Zulassung erteilt.