Berggruen verkauft Karstadt Premium und Karstadt Sport

Beek100

20.09.13
Deals

M&A-Deals: Karstadt, Schaeffler, Max Bahr

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen verkauft Karstadt Premium und Karstadt Sport an Rene Benko, Schaeffler drückt seine Verschuldung mit dem Verkauf eines Conti-Aktienpakets und Globus steigt in das Bieterverfahren für Max Bahr ein. Diese und weitere M&A-Deals der Woche lesen Sie in unserem Rückblick.

Berggrün verkauft Tafelsilber von Karstadt

Eigentümer Nicolas Berggruen verkauft die wertvollsten Assets des Konzerns an den österreichischen Investor Rene Benko. Benko übernimmt mit seiner Gesellschaft Signa jeweils 75,1 Prozent der Anteile an den Bereichen Karstadt Premium und Karstadt Sport. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Karstadt Premium betreibt das Berliner KaDeWe, das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg, zum Portfolio von Karstadt Sport gehören insgesamt 28 Niederlassungen.

Signa zahlt nach Angaben von Berggruen rund 300 Milliarden Euro für die Akquisition. Der Kaufpreis soll allerdings nicht in die Berggruen Holding fließen, sondern vollständig in Modernisierung der restlichen Karstadt-Warenhäuser investiert werden. Berggruen bleibt damit neben der verbleibenden Beteiligung an den Luxus-Filialen weiter Eigentümer von 83 Warenhäusern, die sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Der Verkauf sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zur „Gesundung des Unternehmens“,  teilte der deutsch-amerikanische Investor mit. Bei den Arbeitnehmervertretern ist der überraschende Deal indes auf Unmut gestoßen. Der Verkauf komme einer Zerschlagung gleich, kritisierte Aufsichtsrat Arno Peukes und forderte einen Transparenz hinsichtlich möglicher Folgen für die Mitarbeiter.

Erste personelle Konsequenzen hat Berggruens Schritt bereits nach sich gezogen: Karstadt-Aufsichtsratschef Jared Bluestein hat seinen Hut genommen, an seine Stelle rückt nun Stephan Fanderl. Unklar ist dagegen immer noch, wer auf CEO Andrew Jennings folgen wird, der zum Jahresende abtritt.

Schaeffler schlägt Conti-Aktienpaket los

Der Automobilzulieferer Schaeffler hat sich sich von einem 4-prozentigen Aktienpaket an Continental getrennt. Mit dem Verkauf reduziert sich Schaefflers Anteil an Continental auf rund 46 Prozent. Das Unternehmen betonte allerdings, dass es die Beteiligung als strategisches Investment längerfristig aufrecht erhalten wolle.

Die Conti-Aktie hatte in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt, Mitte September erreichte sie mit fast 128 Euro ihren Allzeit-Spitzenwert. Diesen Höhenflug hat Schaeffler nun genutzt, um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen: Der Verkauf des Pakets von rund 8 Millionen Aktien hat dem fränkischen Unternehmen etwa 950 Millionen Euro in die Kasse gespült. Mit dem Erlös sowie einer Sondertilgung über 325 Millionen Euro aus dem Free Cashflow hat Schaeffler nun seine Finanzverbindlichkeiten auf etwa 9 Milliarden Euro reduziert.

Globus bietet für Max Bahr

Die Supermarktkette Globus ist in das Bieterverfahren für die insolvente Praktiker-Tochter Max Bahr eingestiegen. Das bestätigte Globus-Eigentümer Thomas Bruch gegenüber der F.A.Z. Das Angebot sei allerdings noch nicht bindend. Neben Globus bietet nun auch ein Konsortium um den Dortmunder Einzelhandelskonzern Hellweg offiziell für Max Bahr, zu dessen Kreis auch der frühere Mitinhaber und Geschäftstführer von Max Bahr, Dirk Möhrle, gehört. Auch PE-Investoren sollen sich den Bieterprozess eingeschaltet haben. Die Insolvenzverwalter wollen spätestens am 1. Oktober einen Käufer präsentieren.

Max Bahr war vor gut einem Monat in die Insolvenz gegangen. Nach der Pleite der Mutter Praktiker wenige Wochen zuvor hatte es zunächst die Hoffnung gegeben, dass die prestigeträchtigeren Max Bahr-Baumärkte von der Insolvenz verschont bleiben konnten. Nachdem ein Warenkreditversicherer dem Unternehmen das Vetrauen entzogen hatte, blieb allerdings auch bei Max Bahr nur noch der Gang zum Insolvenzgericht.

Uniqa verkauft Private-Equity-Portfolio

Die österreichische Versicherungsgruppe Uniqa hat ihr Private-Equity-Portfolio an eine Reihe internationaler Investoren verkauft. Auf Basis des gesamten Nettovermögenswerts und der nicht abgerufenen Kapitalzusagen hat das Portfolio Uniqa zufolge ein Volumen von rund 400 Mio. Euro. Es besteht aus 54 europäischen und nordamerikanischen PE-Fonds. Uniqa wurde von Campbell Lutyens als Finanzberater und von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom und PHHV als Rechtsberater begleitet.

MAG kommt bei Neuausrichtung voran

Die MAG Gruppe (MAG) verkauft den Geschäftsbereich Industrial Equipment, der bislang Teil der angeschlagenen Tochter MAG IAS GmbH war, an die Fair Friend Group (FFG). Im vergangenen Jahr hatte der Bereich Industrial Equipment einen Umsatz von 120 Millionen Euro und damit fast ein Viertel des Gesamtumsatzes von MAG IAS erwirtschaftet. Der Verkauf ist eine Konsequenz der neu ausgerufenen Strategie der MAG Gruppe, die sich künftig auf der Automobilgeschäft konzentrieren möchte. Erst vor Kurzem hatte die Holding die komplette Geschäftsführung bei MAG IAS ausgetauscht und unter anderem den erfahrenen Restrukturierer Reiner Beutel als neuen Finanzchef an Bord geholt.  FFG wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Beiten Burkhardt unter Federführung von Axel Goetz beraten.

Delticom übernimmt Tirendo

Der Reifenhändler Delticom hat die Tirendo-Gruppe gekauft. Die Tirendo Holding war vor gut zwei Jahren als Start-up gegründet worden und verfügt mitterweile über Standorte in sieben europäischen Ländern. Als Kaufpreis wurden rund 50 Millionen euro – inklusive der Übernahme von Gesellschafterdarlehen – vereinbart. Delticom wurde bei dem M&A-Deal von Hogan Lovells unterstützt, Freshfields beriet die Gesellschafter von Tirendo. Fast zeitgleich vereinbarte Delticom zudem mit der European Media Holding (EMH), der Gründungsgesellschafterin der Tirendo-Gruppe, eine strategische Partnerschaft. In diesem Zuge übernahm die 100-prozentige EMH-Tochter Rally zunächst 500.000 Delticom-Aktien, für den Erwerb von rund 1,6 Millionen weiteren Anteile wurde ihr darüber hinaus ein Optionsrecht eingeräumt.

Weitere M&A-Deals

Der österreichische Unternehmer Erhard Grossnigg übernimmt den Geschäftsbetrieb der insolventen KUNERT Fashion GmbH & Co. KG im Rahmen eines Asset Deals. Der Kauf umfasst den Betrieb einschließlich Marken und Arbeitnehmern, das Geschäft soll künftig unter dem Dach der neu gegründeten Kunert Fashion GmbH geführt werden. Der bisherige Mehrheitseigentümer der Obergesellschaft Kunert AG, Julius Textile Investment, beteilige sich an dem neuen Unternehmen mit einem „signifikanten Minderheitsanteil“, hieß es in einer offiziellen Mitteilung.

BASF baut das Biotechgeschäft mit der Übernahme von Verenium aus. Der DAX-Konzern übernimmt sämtliche Anteile an dem US-amerikanischen Unternehmen für einen Kaufpreis von rund 48 Millionen US-Dollar. Der DAX-Konzern finanziert den Deal vollständig aus Barmitteln, die Transaktion soll im vierten Quartal abgeschlossen werden.

Die finnische Oras-Gruppe kauft den Armaturenhersteller Hansa Metallwerke. Die Marken Oras und Hansa sollen unter dem Dach der Oras Group weitergeführt werden. Die Transaktion soll Ende September abgeschlossen sein. Die Hansa Metallwerke waren seit 2010 im Besitz der IK Investment Partners.  Die Verkäuferin wurde von der Münchener M&A-Beratung Ferber & Co. sowie rechtlich durch Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser beraten. Die Oras-Gruppe wurde von einem Team der Kanzlei Hengeler Müller bei dem Deal begleitet.

Der Finanzinvestor Triton übernimmt den Rexroth Pneumatics. Triton will offiziellen Angaben zufolge die bisherige Tochter von Bosch Rexroth als eigenständiges Unternehmen etablieren. Die Firma beschäftigt insgesamt rund 2.100 Mitarbeiter, davon etwa ein Drittel an den deutschen Standorten Laatzen und Gronau. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Siemens hat erfolgreich die letzten Teile seiner Solar-Sparte losgeschlagen. Der spanische Spiegelglashersteller Rioglass Solar hat nach Angaben von Rioglass-Teilhaber Vorndran Mannheims Capital das Solarreceiver-Geschäft des Münchener Konzerns übernommen. Angaben zum Kaufpreis machte der Investor nicht.

OC Oerlikon ist in den Bieterwettbewerb um die Sparte Metco des Konkurrenten Sulzer eingestiegen. Sulzer hatte bereits im Juli bekannt gegeben, sich von seiner Oberflächenbeschichtungssparte trennen zu wollen. Die beiden Unternehmen sind über den russischen Investor Viktor Vekselberg gesellschaftsrechtlich miteinander verbunden.

Die Eckert & Ziegler AG hat über ihre Medizingerätesparte Eckert & Ziegler BEBIG das Geschäft mit Prostatakrebsimplantaten des US-amerikanischen Unternehmens Biocompatibles übernommen. Nach einem Umsatz von 8 Millionen Euro im vergangenen Jahr schrieb das Implantatgeschäft der US-Amerikaner zuletzt rote Zahlen. Eckert & Ziegler rechnet daher mit Anlaufverlusten von 1,2 Millionen Euro und korrigierte die Prognose für das Jahr 2013.

Die Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner trennt sich von ihrem Portfoliounternehmen melvo. Käufer ist der Haushaltsmittel-Hersteller SC Johnson. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Über die finanziellen Details haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. VR Equitypartner wurde bei der Transaktion von Ferber & Co. sowie rechtlich von CMS Hasche Sigle beraten. Die Vorgängergesellschaft von VR Equitypartner, DZ Equity, hatte melvo 2008 im Rahmen eines Management-Buy-outs von dem damaligen Eigentümer Hannover Finanz übernommen.

Die Rewe-Gruppe hat sich mit einer Minderheitsbeteiligung bei dem Online-Möbelhaus Home24 eingekauft. Die Beteiligung ist im Zuge einer Kapitalerhöhung erfolgt. Über weitere Details haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Brenntag stärkt sein Geschäft in Indien mit einem kleineren Zukauf: Der Chemikalienhändler möchte die Distributionssparte des indischen Biotechunternehmens Zytex übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die beiden Unternehmen nach Angaben des MDax-Unternehmens bereits unterzeichnet. Für Brenntag ist die Akquisition offiziellen Informationen zufolge mit Investitionen von 10,2 Millionen Euro verbunden.

Der PE-Investor Perusa Partners hat die Mehrheit an der Schuberth Gruppe übernommen. Die Magdeburger Gruppe ist auf die Entwicklung und Produktion von Motorradhelmen und Arbeitsschutzkleidung spezialisiert. Details zu Kaufpreis und Höhe der Beteiligung wurden nicht öffentlich. Ernst & Young und Norton Rose Fulbright haben Perusa bei dem Zukauf begleitet.

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) hat das Helmstedter Braunkohlerevier von Eon übernommen. Der Deal schließt das Kraftwerk Buschhaus sowie den Tagebau Schöningen ein. Bei der Transaktion haben die Kanzleien Freshfields (auf Seite von Eon) und Oppenhoff & Partner (für Mibrag) beraten.

BNP Paribas Real Estate hat iii-investments, die Immobiliengesellschaft der HypoVereinsbank, gekauft. Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden, finanzielle Details des Deals wurden nicht veröffentlicht.

Der österreichische Anlagenbauer Kresta hat die Mehrheit an dem Bad Sodener IT-Unternehmen Triplan übernommen. Kresta hält damit nun 50,01 Prozent der Triplan-Anteile. Verkäufer des Aktienpakets ist die Welser Cross Informatik, ein Gemeinschaftsunternehmen von KTM-Chef Stefan Pierer und UIAG.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de