M&A-Deals: Patrizia Immobilien hat sich im Wettstreit um die BayernLB-Immobilientochter GBW durchgesetzt.

Patrizia Immobilien

12.04.13
Deals

M&A-Deals: Patrizia, Merz Pharma, Chequers Capital

Patrizia Immobilien setzt sich im Wettstreit um die BayernLB-Tochter GBW durch, Merz Pharma lässt Valeant bei Obagi Medical Products den Vortritt und PE-Investor Chequers Capital übernimmt die Deutsche Fachpflege. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche lesen Sie in unserem Rückblick.

Patrizia übernimmt BayernLB-Tochter GBW

Seit dieser Woche ist der Wettstreit um die BayernLB-Immobilientochter GBW entschieden. Ein Konsortium unter Führung des Wohnungskonzerns Patrizia Immobilien hat den Zuschlag erhalten. Engagiert sind 27 nationale und internationale Investoren, darunter 14 Versorgungswerke, acht Versicherungen, drei Sparkassen und zwei Pensionskassen. Das Konsortium übernimmt knapp 92 Prozent der GBW-Anteile von der BayernLB, über weitere Zukäufe will es insgesamt 96,5 Prozent der Anteile bündeln. Patrizia Immobilien wird sich als Co-Investor mit ca. 58 Mio. Euro beteiligen. Schon jetzt steht fest, dass der M&A-Deal einer der größten des Jahres im Immobiliensektor werden dürfte, die GBW-Gruppe umfasst rund 32.000 Wohnungen und hatte zum Jahresende 2012 eine Konzernbilanzsumme von 2,5 Mrd. Euro. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Die BayernLB hatte den Verkaufsprozess im Februar 2012 gestartet. Erst vor knapp zwei Monaten hatte sich die Immofinanz aus dem Bieterprozess zurückgezogen. Ein Team der Kanzlei Hengeler Mueller unter Leitung der Partner Thomas Müller (Frankfurt) und Hans-Jörg Ziegenhain (München) hat die BayernLB bei dem M&A-Deal beraten. Patrizia Immobilien wurde von einem Team der Kanzlei Allen & Overy unter der Leitung des Frankfurter Private Equity/M&A-Partners Michael Bernhardt begleitet.

Merz Pharma zieht Obagi-Angebot zurück

Die Merz Pharma-Gruppe hat in dieser Woche ihr unverbindliches Angebot zur Übernahme des US-Hautpflegespezialisten Obagi Medical Products zurückgezogen. Merz hatte sich mit dem kanadischen Wettbewerber Valeant Pharmaceuticals einen Bieterwettstreit geliefert. Valeant hatte zunächst 19,75 US-Dollar pro Aktie (insgesamt rund 340 Mio. Dollar) geboten. Merz hatte auf 22 Dollar je Aktie erhöht, wollte allerdings nach dem erneuten Nachzug von Valeant auf 24 Dollar je Aktie nicht mehr mitbieten. CEO Philip Burchard betonte, Merz sei "ein disziplinierter Käufer". Eine Erhöhung des Preises entspreche nicht den Anforderungen an die wirtschaftliche Angemessenheit des M&A-Deals.

PE-Investor Chequers Capital kauft Deutsche Fachpflege

Der PE-Investor Chequers Capital hat die Deutsche Fachpflege Holding von der  Münchener Beteiligungsgesellschaft Delta Equity übernommen. Das Unternehmen bietet über sieben Tochtergesellschaften Dienstleistungen in der Intensivpflege an. Delta Equity und die Geschäftsführung der Deutschen Fachpflege wurden durch Lincoln International (M&A) und CMS Hasche Sigle (Recht) beraten. Chequers Capital wurde bei der Transaktion durch Clifford Chance (Burc Hesse, Recht), Ernst & Young (Finanzen), Rothgordt & Cie. (Commercial) und Willis GmbH (Versicherung) beraten.

Der PE-Investor hatte zuletzt unter anderem den Garnhersteller Cordenka sowie den Werkzeughersteller Metabo übernommen.

ProSiebenSat.1 schließt Verkauf in Nordeuropa ab

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat den im Dezember angekündigten Verkauf der nordeuropäischen TV- und Radio-Aktivitäten an Discovery Communications in dieser Woche erfolgreich vollzogen. Der M&A-Deal umfasst die TV- und Radio-Geschäftsaktivitäten in Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark. Der Transaktion lag ein Unternehmenswert des Geschäftsbereichs von 1,3 Mrd. Euro zugrunde. Der Verkaufsvertrag aus dem Dezember des vergangenen Jahres stand zunächst noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen.

PE-Investor Silverfleet übernimmt Fondsdienstleister Ipes

Für rund 60 Mio. Euro hat der PE-Investor Silverfleet Capital den Private-Equity-Fondsdienstleister Ipes von RJD Partners übernommen.Die Aufsichtsbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Der PE-Investor will das Unternehmen organisch sowie durch Zukäufe international weiter voranbringen. Ipes betreut nach eigenen Angaben über 90 Kunden und administriert 230 Fonds. Silverfleet Capital wurde bei dem M&A-Deal beraten von DC Advisory (Corporate Finance), Travers Smith (Legal), Carey Olsen (Legal), PwC (Financial & Tax), LEK (Commercial) und Kinetic (Regulatory). Die Finanzierung stellten Lloyds Bank und HSBC.

Lekkerland stärkt Geschäft in Spanien

Über die Tochtergesellschaft Conway hat das Unternehmen Lekkerland, das Kioske und Tankstellen mit Lebensmitteln und Tabak beliefert, den Großhändler Grupoil in Spanien übernommen. Durch den M&A-Deal wil Lekkerland das Kerngeschäft stärken. Grupoil (Umsatz ca. 21,8 Mio. Euro) beliefert in Spanien rund 2000 Verkaufsstellen.

Heraeus verkauft Dental-Geschäft

Der Technologiekonzern Heraeus trennt sich vom Dental-Geschäft. Die Hanauer verkaufen den Geschäftsbereich für rund 450 Mio. Euro an die japanische Mitsui Chemicals. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Heraeus Dental verbuchte 2012 einen Produktumsatz von rund 360 Mio. Euro. Der Bereich passte nicht mehr ins Portfolio des Konzerns, da sich Materialien und Behandlungsmethoden in der Dentaltechnik in den vergangenen Jahren stark verändert haben. Der Anteil von Edelmetallprodukten, dem Kerngeschäft von Heraeus, ist erheblich zurückgegangen. Jones Day hat Mitsui Chemicals bei dem M&A-Deal beraten.

Lanxess kauft in Singapur zu

Der Spezialchemie-Konzern Lanxess hat sein Biozid-Produktportfolio mit der Übernahme von PCTS Specialty Chemicals mit Sitz in Singapur erweitert. Mehrheitseigner des Unternehmens war bislang die Nipsea Technologies. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem M&A-Deal steigt Lanxess nach eigenen Angaben zum führenden Anbieter von Bioziden für Farben und Lacke in der Region Asien-Pazifik auf. PCTS wird in die Business Unit Material Protection Products integriert, die zuletzt 2011 das in den USA ansässige Biozid-Unternehmen Verichem und das Materialschutz-Geschäft des Schweizer Unternehmens Syngenta übernommen hatte.

M&A-News: Personalien

Die Citigroup hat Christian Kames als neuen Leiter des M&A-Teams in Deutschland, Österreich und der Schweiz an Bord geholt. Kames wechselt von Goldman Sachs, wo er zwölf Jahre lang mit Fokus auf M&A-Deals in der Automobilbranche gearbeitet hat. Seine neue Stelle bei der Citigroup soll er Anfang Juli antreten.

Hanns Ostmeier
, früherer Deutschlandchef von Blackstone, steigt als Partner, Gesellschafter und Chef des Verwaltungsrats bei dem Frankfurter Mittelstandsfonds Halder ein. Dort soll er die Direktansprache von Mittelständlern übernehmen und so möglichst den Anteil proprietärer Transaktoinen erhöhen, wie FINANCE erfahren hat. Ostmeier verdankt seinen hohen Bekanntheitsgrad in der PE-Branche auch dem Amt als Chef des Branchenverbands BVK, das er von 2007 bis 2012 inne hatte.

Weitere M&A-Deals

Das Unternehmen Rail.one hat wieder einen strategischen Investor: Der indische Mischkonzern PCM-Gruppe übernimmt den Hersteller von Betonschwellen. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Seit 2006 hatte Rail.one zunächst dem PE-Investor Axa Private Equity und danach seit 2011 DAM Capital Management, einer Tochter der Anschutz-Gruppe, gehört. DLA Piper hat PCM bei dem M&A-Deal mit einem Team unter Federführung von Partner Benjamin Parameswaran und Counsel Isaschar Nicolaysen beraten. In Indien wurde PCM von der Sozietät PDS & Associates unter Federführung von Partner Sajid Mohamed begleitet. Die Rechtsberatung der Verkäufer hat ein Team von Hogan Lovells um Partner Jörg Meissner und Senior Associate Clemens Waitz übernommen. Die auf Verkäuferseite involvierten Banken wurden durch ein Team von Linklaters um Partnerin Eva Reudelhuber und Associate Britta Kügler beraten.

Der PE-Investor BWK hat seinen 30-prozentigen Anteil an der Vollmer Werke Maschinenfabrik wieder zurück an die Gründerfamilie verkauft. Das Unternehmen ist damit wieder vollständig in Familienbesitz. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Für BWK ist der M&A-Deal der zweite Exit in diesem Jahr. Die BWK wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Haver & Mailänder beraten.

Der italienische Chemiehersteller Italmatch, der unter anderem in Frankfurt produziert, hat die Übernahme der Thermphos-Gruppe vom Insolvenzverwalter der Thermphos International abgeschlossen. Ein Team der Kanzlei Noerr um Sabine Klett und Georg Schneider hat Italmatch bei dem M&A-Deal beraten.

Eine hundertprozentige Tochter der Kühne Holding übernimmt die Immobilie des insolventen Hamburger InterContinental Hotels von Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case.  Kühne hat sich gegen etwa zehn weitere Kaufinteressenten durchgesetzt. Ein Team von DLA Piper um den federführenden Partner Mike Danielewsky hat Kühne bei dem M&A-Deal beraten.

Der Außenwerber Ströer Media hat die im Dezember angekündigte Übernahme von zunächst 91 Prozent am Onlinevermarkter Adscale abgeschlossen. Der Abschluss der Übernahme der Onlinegesellschaften Ströer Interactive, freeXmedia und BusinessAd wird für Juni erwartet.

Der PE-Investor Axa Private Equity hat seine 88-prozentige Mehrheitsbeteiligung am Hersteller von Hydraulikventilen Duplomatic Oleodinamica (Umsatz ca. 46 Mio. US-Dollar) an Progressio SGR verkauft. Axa Private Equity war 2008 mehrheitlich bei dem Unternehmen eingestiegen und unterstützte 2011 den Kauf von Continental Hydraulics in den USA.

Der Unternehmensverbund Prettl Gruppe hat den Metzinger Hersteller von Photovoltaik-Wechselrichtern RefuSol an das US-Unternehmen Advanced Energy Industries verkauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Ein Team der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer unter Stephanie Hundertmark, Marcus Wandrey und Michael Höltmann hat die Prettl Gruppe bei dem M&A-Deal rechtlich beraten.
 
Der Immobilieninvestor Peach Property hat rückwirkend zum 1. Januar den Entwicklungsdienstleister Primogon vollständig übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Vom 1. Mai an wird  wird der Gründer und bisherige Hauptaktionär der Primogon, Renzo Fagetti (57), die gesamten Schweizer Aktivitäten der Peach Property Group in den Bereichen Projektentwicklung, Ausführung und Property Management verantworten.

Im Rahmen eines Management-Buy-out hat der Unternehmensgründer und bisherige Inhaber die Unternehmen Gett Gerätetechnik, InduKey Keyboard Production und InduKey North America verkauft. Die Transaktion wurde durch den Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen, einen Verbundfonds der CFH Beteiligungsgesellschaft, unterstützt. CMS Hasche Sigle hat die neuen Gesellschafter mit einem Team unter der Führung von Jörg Lips rechtlich beraten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de