M&A-Deals: Das Hotelbuchungsportal Trivago gehört seit dieser Woche mehrheitlich zu Expedia.

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11.01.13
Deals

M&A-Deals: Trivago, Software AG, Bayer

Das Hotelbuchungsportal Trivago hat einen neuen Mehrheitseigentümer, die Software AG hat Service-Aktivitäten in den USA verkauft, Bayer kommt beim Teva-Deal voran und Blackrock will die ETF-Sparte der Credit Suisse übernehmen. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche lesen Sie in unserem Rückblick.

Trivago-Mehrheit geht an Expedia

Das Hotelbuchungsportal Trivago (erwarteter Nettoumsatz 2012: 100 Mio. Euro) gehört seit dieser Woche mehrheitlich zum Online-Reisebüro Expedia. Expedia hat für ca. 477 Mio. Euro rund 62 Prozent der Geschäftsanteile erworben. Der Investor Insight Venture Partners und die Unternehmensgründer trennten sich von Anteilen. Der Kaufpreis setzt sich aus einem Baranteil über 434 Mio. Euro sowie 43 Millionen Stammaktien von Expedia zusammen. Bei dem M&A-Deal wird Trivago mit knapp 770 Mio. Euro bewertet.

Nach Abschluss der Transaktion werden einer Mitteilung  zufolge neben Expedia nur die drei  Unternehmensgründer und Geschäftsführer an Trivago beteiligt bleiben. Die Kartellfreigabe für den M&A-Deal soll in der ersten Jahreshälfte erfolgen. Ein Team der Kanzlei Noerr unter Federführung von Dr. Jens Liese hat Insight Venture Partners und die Gründungsgesellschafter bei dem M&A-Deal beraten und die Zusammenarbeit mit den US-Kanzleien Goodwin Procter und Cravath, Swaine & Moore zu Fragen des US-Rechts koordiniert.

Software AG verkauft US-Service-Einheit an Itelligence

Der Technologiekonzern Software AG hat in dieser Woche seine SAP-Service-Aktivitäten in den USA und Kanada an die Bielefelder Itelligence verkauft. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart, das Closing des M&A-Deals ist für den 16. Januar geplant. Die Software AG will sich im Beratungsgeschäft künftig stärker auf Prozessberatung im SAP-Umfeld konzentrieren.

Das nun verkaufte Geschäftsfeld lag außerhalb des Kernbereichs. IDS Scheer hatte die Service-Einheit 2003 von der österreichischen Softwarefirma Plaut gekauft. Durch die Übernahme von IDS Scheer durch die Software AG gelangte der Bereich in den Konzern. Unberührt von der Transaktion will die Software AG in den USA den Ausbau der Vertriebs- und Marketingaktivtäten für Integrations- und Prozesssoftware sowie im Big-Data-Markt fortsetzen.

Amag-Großaktionär stockt Anteile auf

Der größte Aktionär des österreichischen Aluminiumkonzerns Amag, die B&C-Gruppe, stockt weiter auf. Das Unternehmen bündelt seinen Anteil von 29,99 Prozent mit dem der Oberbank, die mit 5,01 Prozent beteiligt ist. B&C will seine Rolle als Kernaktionär dadurch stärken.

Da der kombinierte Anteil die 30-Prozent-Schwelle übersteigt, muss B&C nach österreichischem Übernahmerecht ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre vorlegen. B&C plant eine Offerte von 20,81 Euro pro Aktie zuzüglich Dividende, die Annahmefrist beginnt voraussichtlich im März oder April.

M&A League Tables: US-Banken vorn

Den neuesten Zahlen von Thomson Reuters zufolge führte Goldman Sachs 2012 wie schon im Vorjahr die weltweiten League Tables für M&A an, gefolgt von Morgan Stanley. Die britische Bank Barclays ist als einzige nicht-amerikanische Bank unter den Top 5. Die UBS landet auf Platz 9, die Credit Suisse erreichte dieses Jahr den sechsten Platz. In Deutschland führt die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer mit der Beratung von 77 angekündigten M&A-Deals im Gesamtwert von rund 33,7 Mrd. Euro. Die Kanzlei hat zuletzt unter anderem den Verkauf von Energy from Waste durch E.on und die Finanzierung der Lincare-Übernahme für Linde beraten.

BASF verkauft Conica an Serafin

Die Münchener Serafin Unternehmensgruppe (Umsatz ca. 150 Mio. Euro) hat in dieser Woche angekündigt, von BASF den Bereich Conica Sports Surfaces einschließlich des Standortes Schaffhausen (Schweiz) zu übernehmen. Über den Kaufpreis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.

Der Abschluss des M&A-Deals wird für Ende des zweiten Quartals 2013 erwartet. Conica entwickelt Belagsysteme, etwa für Laufbahnen und Sporthallen. Zur Begründung für den M&A-Deal hieß es, Conica liege als Nischengeschäft nicht mehr im strategischen Fokus von BASF.

Blackrock kauft ETF-Sparte der Credit Suisse

Die Investmentmanagementgesellschaft Blackrock hat sich mit der Credit Suite auf den Erwerb der ETF-Sparte geeinigt. Die Credit Suisse verwaltet in den 58 Fonds des ETF-Angebots nach eigenen Angaben ein Vermögen von 17,6 Mrd. US-Dollar. Blackrock will mit dem M&A-Deal seine Marktposition in der Schweiz ausbauen. Die Transaktion muss aufsichtsrechtlich genehmigt werden und soll bis Ende des zweiten Quartals abgeschlossen sein. Finanzielle Details wurden nicht bekannt gegeben. Für Blackrock ist es nach dem Erwerb von Swiss Re Private Equity Partners im Sommer 2012 der zweite M&A-Deal in der Schweiz innerhalb eines Jahres.

Preh gehört jetzt vollständig zu Joyson

Der Automobilzulieferer Preh ist nun vollständig im Besitz der chinesischen Joyson-Gruppe. Die Deutsche Beteiligungs AG hat Joyson ihren verbliebenen Anteil von 25,1 Prozent verkauft. Die übrigen 74,9 Prozent hatte Joyson im vergangenen Jahr von der DBAG übernommen. Joyson wurde bei dem M&A-Deal von einem Team um Dr. Till Kosche von der Kanzlei Noerr begleitet. Die Zusammenarbeit von Joyson und Preh hatte 2010 mit einem Joint Venture begonnen.

Bayer kauft Prophyta, grünes Licht für Teva

Die Bayer-Sparte Bayer CropScience hat in dieser Woche einen Vertrag zur Übernahme von Prophyta Biologischer Pflanzenschutz unterzeichnet. Der
Abschluss des M&A-Deals soll binnen weniger Wochen erfolgen, finanzielle Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt.

Bayer HealthCare hat unterdessen die behördlichen Genehmigungen für die Übernahme des Tiergesundheitsgeschäfts von Teva Pharmaceutical Industries erhalten. Wie im September 2012 angekündigt, wird Bayer das in den USA ansässige Teva-Geschäft für einen Kaufpreis von bis zu 145 Mio. US-Dollar übernehmen. Der Kaufpreis setzt sich zusammen aus einer Einmalzahlung von 60 Mio. Dollar sowie möglichen Meilensteinzahlungen von maximal 85 Mio. Dollar, die an Produktions- und Umsatzziele geknüpft sind.

Oberberg Kliniken expandieren

Die Klinikgruppe Oberberg, ein Portfoliounternehmen des PE-Investors Odewald & Compagnie, hat die privaten Somnia Kliniken übernommen. Mit dem Zukauf will die Klinikgruppe unter anderem ihre geographische Reichweite verstärken. Somnia wurde bei dem M&A-Deal von Jürgen Schaubel, JS Consultants, sowie juristisch von Dr. Wolf Schiller, Schiller & Kollegen, beraten. Die Oberberg Kliniken und Odewald wurden juristisch von der Kanzlei Pöllath & Partners unterstützt. Das Fremdkapital zur Finanzierung der Transaktion wurde von einem Bankenkonsortium aus DZ Bank und apoBank gestellt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen.

PE-Investoren übernehmen Mehrheit an GHM

Die Beteiligungsgesellschaften VR Equitypartner und Bayern LB Capital Partner haben gemeinsam die Mehrheit an der GHM Gruppe, einem Anbieter von Mess- und Regeltechnik, übernommen. Das GHM-Management um den geschäftsführenden Gesellschafter Günther Oehler hat sich einer Mitteilung zufolge an der Transaktion „maßgeblich beteiligt“. Über finanzielle Details des M&A-Deals wurde Stillschweigen vereinbart.SJ Berwin hat Bayern LB Capital Partner  bei dem M&A-Deal beraten.

Oehler hat die Gruppe im Rahmen einer Buy-and-Build-Strategie seit 2007 gemeinsam mit dem PE-Investor BPE aus den vier Einzelgesellschaften Greisinger Electronics, Honsberg Instruments, Martens Elektronik und Imtron Messtechnik aufgebaut.

DIH verkauft SinnLeffers an Wöhrl

Der Unternehmer Gerhard Wöhrl will gemeinsam mit seiner Familie die Gesellschaftsanteile am Modehaus SinnLeffers vom Beteiligungsunternehmen Deutsche Industrie-Holding (DIH) übernehmen. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen.

Nach Abschluss des M&A-Deals käme die erweiterte Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben auf 60 Modehäuser, 4.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von mehr als 600 Mio. Euro. SinnLeffers erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von mehr als 300 Mio. Euro. Die DIH hatte das Unternehmen als Sanierungsfall von KarstadtQuelle gekauft.

M&A-News: Personalien

Die Kanzlei Jones Day will nach der Ernennung des M&A-Spezialisten Wolfgang Hölters auf dem deutschen M&A-Markt angreifen, wie Hölters im Gespräch mit FINANCE verriet. Man wolle sich auch „um die ganz großen Transaktionen bemühen.“ Hölters, Mitbegründer der Kanzlei Orrick, Hölters & Elsing, hat unter anderem die Deutsche Post beim Kauf von Postbank und DHL beraten. Neben Hölters wechselt Dr. Markus Weber von Orrick zum Corporate-Team von Jones Day, das mit der Geschäftserweiterung weiter ausgebaut werden soll.

Weitere M&A-Deals

Die Schweizer Handelskette Migros hat von der EU-Kommission grünes Licht für die Tegut-Übernahme bekommen. Der M&A-Deal war im Oktober bekannt gegeben worden. Die Tegut-Handelssparte soll unter dem neuen Eigentümer schneller wachsen, erklärte Tegut-Geschäftsführer Thomas Gutberlet damals im Gespräch mit dem FINANCE-Schwestermagazin Markt und Mittelstand.

Der Industriekonzern Georgsmarienhütte hat seine Geschäftsanteile an der Tochter Edelstahl Service Center Burg rückwirkend zum 1. Januar für einen nicht genannten Preis an die Privatinvestoren Dr. Christian Borsche und Frank Jürging verkauft. Georgsmarienhütte ist selbst überwiegend durch Zukäufe gewachsen, steigende Energiepreise erschwerten zuletzt die Finanzplanung. Die neuen Eigentümer werden das Unternehmen eigenständig weiterführen und die Mitarbeiter übernehmen. 2011 hatten die Investoren bereits das Landtechnikunternehmen Agrartechnik Paul Plate von ThyssenKrupp übernommen.

Die Baltic Distillery, ein Unternehmen des Spirituosenkonzerns Stock Spirits, hat die Vermögenswerte der norddeutschen Novel Ferm Brennerei in Dettmansdorf übernommen. Über das Volumen des M&A-Deals wurde Stillschweigen vereinbart. Für Stock Spirits war es der erste Zukauf im deutschen Markt. Beiten Burkhardt hat Stock Spirits mit einem Team um die M&A-Partner Dr. Thomas Sacher und Volker Germann beraten.

Xing hat mit Wirkung zum 1. Januar die österreichische Online-Plattform für Arbeitgeberbewertungen Kununu von den Gesellschaftern übernommen. Mit Vertragsunterschrift zahlt Xing zunächst ca. 3,6 Mio. Euro, bis Februar 2015 können über Earn-outs weitere Zahlungen von maximal insgesamt 5,8 Mio. Euro hinzukommen.

Das dänische Beratungsunternehmen Ramboll hat sämtliche Anteile an der IMS Ingenieurgesellschaft, die an der Entwicklung diverser Offshore-Windprojekte beteiligt ist, von NET Engineering International zu einem nicht genannten Preis übernommen. Ein Team von CMS Hasche Sigle unter Federführung von Dr. Sebastian Orthmann hat Ramboll rechtlich beraten.

Der schwedische Konzern SKF übernimmt vom Finanzinvestor Star Capital den Maschinenbau der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss. SKF zahlt 80 Mio. Euro und übernimmt zusätzlich Schulden von 18 Mio. Euro. Star Capital hatte vor einem Jahr den zivilen Teil von Blohm+Voss übernommen. Der Maschinenbau von Blohm+Voss erwirtschaftet einen Umsatz von ca. 100 Mio. Euro.

Der frühere Bertelsmann-CEO Hartmut Ostrowski hat die Riege seiner Beteiligungen erweitert. Gemeinsam mit Verleger Dirk Ippen beteiligt er sich an der Firma Unicepta Medienanalyse in Köln. Über Details wurde nichts bekannt. Ostrowski war bis Oktober 2011 CEO bei Bertelsmann und ist Eigentümer der Beteiligungsfirma FHO Invest. Zu seinen Investments zählen die Unternehmen Hanse College, Active Cross und Toptranslation.

Die Telekom Austria Group hat die Übernahme des Unternehmens Yesss Telekommunikation von Orange Austria Telecommunications abgeschlossen. Vor Abschluss des M&A-Deals mussten mehrere Bedingungen erfüllt werden, insbesondere das Closing der Übernahme von Orange Austria durch Hutchison 3G Austria. Bereits im Februar 2012 hatte die Telekom Austria angekündigt, dass sie Frequenzen, Basisstationen, den Mobilfunkanbieter Yesss und bestimmte Immaterialgüterrechte, die zurzeit im Eigentum von Orange Austria liegen, für einen Kaufpreis von maximal 390 Mio. Euro übernehmen möchte.

Die Lichttechniksparte Heraeus Noblelight des Hanauer Edelmetall- und Technologiekonzerns Heraeus hat die Fusion UV Gruppe mit Hauptsitz in Maryland, USA, von der britischen Spectris übernommen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. DC Advisory hat Heraeus Noblelight bei dem M&A-Deal als Finanzberater begleitet. Die Transaktion muss kartellrechtlich genehmigt werden und soll im ersten Quartal 2013 abgeschlossen werden.

Der PE-Investor Stirling Square Capital Partners hat gemeinsam mit dem Management den hessischen Kunststofflagenhersteller Cartonplast von Synergo SGR und weiteren Gesellschaftern übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Stirling wurde bei dem M&A-Deal von einem Team von Latham & Watkins unter Federführung von Dr. Stefan Widder und Dr. Christian Edye begleitet.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de