Tocos-Gesellschafter Detlev Meyer hat ein Übernahmeangebot für den Hamburger Weinhändler Hawesko über 253 Millionen Euro angekündigt.

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07.11.14
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Machtkampf um Hawesko: Tocos legt Angebot vor

Überraschung bei Hawesko: Aufsichtratsmitglied Detlev Meyer will die Macht beim Weinhandelsunternehmen übernehmen. Besonders die hohe Dividendenquote stört ihn. Doch nicht alle folgen seinem Angriff auf Alexander Margaritoff.

Machtkampf um Hawesko: Der Geschäftsführer und alleinige Gesellschafter der Hamburger Beteiligungsgesellschaft Tocos, Detlev Meyer, plant die Übernahme aller ausstehenden Aktien der börsennotierten Hanseatischen Wein- und Sekt-Kontor (Hawesko) Holding. Zurzeit ist Meyer mit 29,5 Prozent der Unternehmensaktien zweitgrößter Hawesko-Aktionär.

Dem Angebot nach bietet Tocos den Aktionären der Multichannel-Weinhandelsgruppe, zu der unter anderem Jacques‘ Weindepot aber auch der Onlinehandel gehört, 40 Euro pro Aktie – rund 5 Prozent mehr als der Xetra-Schlusskurs am Donnerstagabend. Das Gesamtvolumen des Deals für die ausstehenden Aktien käme dementsprechend auf 253 Millionen Euro. Berenberg-Analystin Anna Patrice hält das Angebot nicht für attraktiv: Auf Basis der erwarteten Zahlen für 2015 entspreche dies 10,5x Ebitda. Der Marktdurchschnitt liege zwischen 12 und 14 Mal.

Meyer: Von der Mode zu Hawesko

Für Detlev Meyer ist der Weinmarkt kein unbekanntes Terrain. Er hält über Tocos Beteiligungen an Wein Art und an Grand Cru Select, beides auf Premiumweine spezialisierte Händler. Zudem ist er Besitzer des Weinguts St. Antony in Nierstein am Rhein. Einen Namen hat er sich aber im Modesektor gemacht mit dem Aufbau der Labels Cecil und StreetOne. CEO und Großaktionär Margaritoff verfügt über jahrzehntelange Erfahrung und Beziehungen im Weinbusiness.

Haweskos Aktienkurs schnellte nach der Ankündigung zwischenzeitlich um über 10 Prozent auf 42,50 Euro. Der Weinhändler wollte auf FINANCE-Anfrage kurzfristig keine Stellung zum Angebot beziehen.

Tocos will Hawesko-Dividende senken

Kernpunkt der Tocos-Kritik ist die hohe Ausschüttungsquote des Unternehmens, das in den vergangenen zehn Jahren die Dividende fast immer gesteigert hat und zuletzt 65 bis 90 Prozent des Gewinns ausschüttete. Anleger konnten sich über regelmäßige Dividendenrenditen von über 4 Prozent freuen. Tocos will die Ausschüttungsquote auf 40 bis 50 Prozent begrenzen und stattdessen in die Internationalisierung investieren.

Von FINANCE befragte Aktienanalysten hingegen halten die Ausschüttungsquote unter Verweis auf das wenig kapitalintensive Geschäft nicht für zu hoch.

Der 61-jährige Meyer möchte den Generationswechsel im Hawesko-Management anstoßen. Margaritoff hat seinen Vertrag jedoch erst kürzlich um fünf Jahre verlängert. Der F.A.Z. sagte er noch im Juli, dass er sich durchaus vorstellen könnte, auch darüber hinaus CEO zu bleiben. Im Weingeschäft sind persönliche Beziehungen gefragt. Sollte Meyer seinen Anteil ausbauen, dürfte dies für Margaritoff wohl schwieriger werden.

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