Nach monatelangen Verhandlungen hat sich Covestro mit der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) über einen Verkauf geeinigt. Das teilten beide Parteien am Dienstagvormittag mit. Der Ölkonzern hat dem Dax-Konzern ein Übernahmeangebot vorgelegt und bietet den Aktionären 62 Euro je Aktie. Damit legt das Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 11,7 Milliarden für den Konzern aus Leverkusen auf den Tisch, die aus vorhandenen Barmitteln finanziert werden sollen, heißt es in einer Mitteilung von Adnoc.
Adnoc zufolge liegt der Angebotspreis 54 Prozent über dem Kurs der Covestro-Aktie vom 19. Juni 2023 – also einen Tag, bevor erstmals über eine mögliche Übernahme durch Adnoc berichtet wurde. Damit der Deal vollzogen werden kann, brauchen die Araber eine Mindestannahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie.
Der Vorstand und Aufsichtsrat von Covestro unterstützen und befürworten das Angebot von Adnoc. Sie haben mit dem in der Hauptstadt Abu Dhabi ansässigen Ölkonzern eine Investitionsvereinbarung bis zum 31. Dezember 2028 unterschrieben. „Die Unterstützung von Adnoc sichert uns ein noch stärkeres Fundament für nachhaltiges Wachstum in hochattraktiven Branchen und wir können einen noch größeren Beitrag für die grüne Transformation leisten“, sagt Covestro-CEO Markus Steilemann über den Deal.
Kapitalerhöhung für Covestro in Aussicht
Die Investitionsvereinbarung sieht vor, dass Adnoc die Leverkusener bei der Strategie „Sustainable Future“ und der strategischen Entwicklung maßgeblich unterstützen wird. Bei einem Abschluss des Deals soll das Grundkapital von Covestro um 10 Prozent erhöht werden. Bei dem Angebotspreis von 62 Euro je Aktie würde dem Chemiekonzern zusätzliches Kapital in Höhe von 1,17 Milliarden Euro zufließen.
Nach der Übernahme durch Adnoc soll Covestro von dem bestehenden Management weitergeführt werden, heißt es seitens Adnoc. Der Covestro-Vorstand hat zugesagt – sollte Adnoc solche Pläne verfolgen – künftig ein Delisting oder einen Squeeze-out zu unterstützen. Darüber hinaus wird Covestro während der Laufzeit der Investitionsvereinbarung keine Dividende ausschütten. Die Transaktion wird von Morgan Stanley als Finanzberater und von Freshfields als Rechtsberater begleitet.
„Diese strategische Partnerschaft ist eine ideale Verbindung. Sie passt nahtlos in Adnocs nachhaltige Wachstumsstrategie, mit dem Ziel, zukunftssicher aufgestellt zu sein, sowie zu unserer Vision, eines der weltweit fünf größten Chemieunternehmen zu werden“, kommentiert Sultan Ahmed Al Jaber, Managing Director und Group CEO von Adnoc, den M&A-Deal.
Erste Übernahmegerüchte im Juni 2023
Erste Gerüchte über ein Interesse seitens Adnoc an Covestro machten erstmals Mitte Juni 2023 die Runde. Seitdem ziehen sich die Verhandlungen in die Länge. Ende Juni dieses Jahres – also knapp ein Jahr nach den ersten Berichten – bestätigte Covestro, dass sich das Unternehmen in konkreten Verhandlungen befinde und leitete eine Confirmatory-Due-Diligence-Prüfung ein. Bereits dort hatte Adnoc den Covestro-Aktionären 62 Euro pro Aktie in Aussicht gestellt, was deutlich über dem ersten Angebot von 55 bis 57 Euro lag.
Nicht nur der Vorstand zeigt sich positiv gegenüber dem Übernahmeangebot, auch die Aktionäre reagierten auf das Angebot von Adnoc. Seit gestern Abend stieg der Kurs um beinahe 6 Prozent auf 58 Euro an.
Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling, Gehalt und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.
