BASF treibt die Restrukturierung des Chemiekonzerns weiter voran. Die Ludwigshafener gliedern die Geschäftseinheiten Fahrzeugserienlacke, Autoreparaturlacke und Oberflächentechnik (BASF Coatings) aus, wie BASF heute mitteilte. Fonds, die in Partnerschaft mit der Qatar Investment Authority von der Private-Equity-Gesellschaft Carlyle verwaltet werden, akquirieren 60 Prozent der Anteile.
Die restlichen 40 Prozent des Carve-outs sollen weiterhin bei BASF verbleiben. Der Unternehmenswert der Transaktion wird mit 7,7 Milliarden Euro beziffert. Nach Abschluss soll der Chemiekonzern 5,8 Milliarden Euro erhalten, heißt es weiter. Vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen wird der Abschluss im zweiten Quartal 2026 erwartet. BASF Coatings ist in Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien-Pazifik tätig und erzielte 2024 einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro.
Carlyle hat Erfahrung mit Carve-outs
Carlyle kennt sich in der Branche aus und hat in der Vergangenheit bereits Carve-outs in der Chemie- und Industriebranche begleitet. So konnte der PE-Investor bereits die Axalta, Atotech und Nouryon nach Carve-outs als eigenständige Unternehmen etablieren.
Der Spin-Off von BASF Coatings ist nicht der erste Schritt des Chemiekonzerns hin zu einem fokussierteren Portfolio. Nach Umsatzeinbrüchen von 87,3 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 68,9 Milliarden Euro im Jahr 2023 stellte das Ludwigshafener Unternehmen Anfang 2024 eine neue Strategie vor.
BASF strebt fokussiertes Portfolio an
Im Zuge dessen will der Chemieriese den Standort Ludwigshafen verschlanken, das Verbundgeschäft weiter aufgliedern und sich auf die vier zentralen Geschäftsbereiche Chemicals, Materials, Industrial Solutions sowie Nutrition & Care fokussieren.
Die Geschäftsfelder Environmental Catalyst and Metal Solutions, Battery Materials, Coatings und Agricultural Solutions gelten seitdem als eigenständig geführte Geschäfte. Für diese wollte BASF damals verschiedene Optionen von Börsengängen bis hin zu Verkäufen, wie beim Coatings-Geschäft, prüfen.
Anfang des Jahres trennte sich BASF deshalb schon vom brasilianischen Geschäft mit Farben- und Lacken für 1,1 Milliarden Euro. Käufer war der US-Beschichtungskonzern Sherwin-Williams.
Die deutsche Chemieindustrie befindet sich in einer schweren Krise. Die Auslastung der Anlagen ist so gering wie zuletzt 1991. Sie erreichte einen Wert von 71,2 Prozent, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) Anfang September mit. Grund für den Rückgang sind unter anderem anhaltend hohe Energiekosten und eine schwache Nachfrage.
Die Kanzleien Latham & Watkins und Milbank agierten als Berater aufseiten von Clalyle. Auf BASF-Seite agierte die Kanzlei Freshfields in beratender Funktion.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
