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12.10.15
Deals

PE-Investor KKR kauft Automatenbetreiber Selecta

Der PE-Investor KKR übernimmt den Automatenbetreiber Selecta vom Wettbewerber Allianz Capital Partners. Den Grundstein für den Deal hat KKR schon im vergangenen Jahr gelegt.

KKR hat den Schweizer Automatenbetreiber Selecta von der Private-Equity-Sparte der Allianz gekauft. Weder KKR noch Allianz Capital Partners, kurz ACP, wollte sich auf Anfrage von FINANCE zum Kaufpreis äußern. ACP teilte jedoch mit, dass die Zahlung in zwei Raten erfolge.

KKR ist bereits seit Juni 2014 als Kreditgeber und Minderheitsgesellschafter bei dem Automatenbetreiber engagiert: Damals zeichnete der Private-Debt-Arm von KKR eine nachrangige und unbesicherte PIK-Anleihe von Selecta über 220 Millionen Euro. Im Gegenzug erhielt das PE-Haus Bezugsrechte für Anteile am Unternehmen, wie FINANCE jetzt aus Marktkreisen erfuhr. In der Zukunft wäre die PIK-Anleihe in Eigenkapital gewandelt worden – weshalb sich KKR als Minderheitsgesellschafter von Selecta bezeichnet.

Über eine ähnliche Konstruktion hält auch der Distressed-Investor Bluebay noch einen Minderheitsanteil an Selecta, wie FINANCE erfuhr. Diese Bezugsrechte sind nicht Teil der nun geschlossenen Vereinbarung zwischen KKR und ACP.

Anleihegläubiger müssen M&A-Deal zustimmen

Die PIK-Anleihe war eine wichtige Komponente der umfassenden Refinanzierung im vergangenen Jahr. Die war notwendig geworden, weil der hoch verschuldete Automatenbetreiber Probleme mit der Einhaltung seiner Covenants hatte – und die finanzierenden Banken mit Rückzug drohten.

Selecta stellte deshalb auf Kapitalmarktfinanzierung um und emittierte einen 550-Millionen-Euro schweren High-Yield-Bond, der mit 6,5 Prozent verzinst wird. Dieser zweite Finanzierungsbaustein, der aus einer Euro- und einen Schweizer-Franken-Franken-Tranche besteht, ist vorrangig besichert und läuft bis 2020. Das Refinanzierungspaket im Gesamtvolumen von 770 Millionen Euro galt als wichtige Voraussetzung für einen Exit von ACP. Die alte Finanzierungsstruktur wurde komplett abgelöst.

Auf die Anleihegläubiger wird es nun wieder ankommen: Sie müssen dem M&A-Deal zustimmen und „Änderungen an den Anleiheunterlagen“ akzeptieren, wie es in der Pressemitteilung von KKR heißt. FINANCE-Informationen zufolge geht es dabei lediglich um die Nichtausübung des Kündigungsrechtes (Change of Control Klausel). Finanzielle Einschnitte für die Gläubiger sollen damit nicht verbunden sein.

Nach der ersten Reaktion des Anleihekurses scheint die Zustimmung der Anleihegläubiger wahrscheinlich: Der Kurs der Euro-Tranche machte heute Vormittag einen Sprung um 4,4 Prozent und notiert zwischenzeitlich bei über 97. Die Transaktion soll noch im laufenden Quartal abgeschlossen werden.

ACP trennt sich von letztem direkten Portfoliounternehmen

Mit dem Verkauf von Selecta trennt sich der PE-Investor Allianz Capital Partners, der von Latham & Watkins beraten wurde, von seinem letzten verbliebenen direkten Portfoliounternehmen. ACP hatte den Automatenbetreiber im Mai 2007 für 772,5 Millionen britische Pfund (damals rund 1,1 Milliarden Euro) von der britischen  Compass Group übernommen und seither mehrfach versucht, sich von der Beteiligung zu trennen. Bereits Ende 2011 leiteten die Münchener einen Verkaufsprozess ein, der aber ergebnislos verlief. Nach verschiedenen Medienberichten lagen die Gebote damals unter der Höhe der Verbindlichkeiten.

Das PE-Haus KKR, das bei der Transaktion von Lazard beraten wurde, kennt die Automaten- und Kaffeedienstleisterbranche: Der Investor ist seit 2012 Mehrheitseigentümer des deutschen Küchengeräte- und Kaffeemaschinenhersteller WMF. Darüber hinaus ist KKR bei dem italienischen Automatenbetreiber Gruppo Argenta investiert.

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