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26.04.16
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Porzellanhersteller BHS steht vor Verkauf

Der bayerische Porzellanhersteller BHS Tabletop steht vor einem Eigentümerwechsel. Die Deutsche Bank, die Münchner Rück und der Besteckhersteller WMF prüfen einen Verkauf ihrer Anteile. Für Investoren ist ihr Anteilspaket hoch interessant.

Bewegung im Aktionärskreis von BHS Tabletop: Die drei Großinvestoren  Deutsche Bank, Münchener Rück  sowie  WMF haben sich entschlossen, gemeinsam einen Käufer für ihren 82,7-Prozent- Anteil an BHS zu suchen. Indem die drei Konzerne sich zusammentun, entsteht eine interessante Investitionsgelegenheit, denn jeder Käufer würde mit einem Schlag die Kontrollmehrheit an BHS Tabletop erlangen.

Zeitenwende für BHS: Großaktionäre waren lange dabei

Für BHS Tabletop stellt der Rückzug der drei Großaktionäre eine Zeitenwende dar. Die Anteilseigner halten bereits seit mehreren Jahrzehnten ihre Anteile am Porzellanhersteller. Die jetzt auf den Weg gebrachte Transaktion ist aus mehrerlei Gründen erstaunlich: Zum einen haben sich die Münchener Rück und die Deutsche Bank schon vor vielen Jahren von einem Großteil ihrer Industriebeteiligungen getrennt – das Aktienpaket an BHS Tabletop ließen sie dabei bis jetzt aber immer außen vor.

Zum anderen überrascht, dass auch der Besteckhersteller WMF sich an dem Verkaufsprozess beteiligt. Anders als den beiden Finanzkonzernen hätte BHS für WMF durchaus strategische Bedeutung als Übernahmeziel haben können. Über die Tochterfirma Proheq hält der Private-Equity-finanzierte Lifestyle-Konzern, für den derzeit der Finanzinvestor KKR offenbar einen neuen Eigentümer sucht, 24,9 Prozent der Anteile an BHS Tabletop. Den Verzicht darauf, selbst bei BHF zuzugreifen, begründete ein WMF-Sprecher FINANCE gegenüber damit, dass das Unternehmen sich auf sein Kerngeschäft und seine internationale Wachstumsstrategie konzentrieren wolle.

BHS Tabletop wächst, aber Aktie kommt kaum vom Fleck

Auch  BHS Tabletop versucht gerade eine Wachstumsstrategie umzusetzen – durchaus erfolgreich. 2014 kauften die Bayern den englischen Porzellan-Großhändler John Artis. Die Neuerwerbung und organisches Wachstum sorgten dafür, dass der Konzernumsatz zwischen 2013 und 2015 von 91,1 auf 114,2 Millionen Euro anwuchs. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs von 3,7 auf 5,5 Millionen Euro.

Das auch unter dem Strich profitabel wirtschaftende Unternehmen weist solide Bilanzkennziffern aus: Die Eigenkapitalquote beträgt aktuell 34,2 Prozent. An der Börse fristet der Porzellanhersteller trotzdem ein Schattendasein: Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp unter 50 Millionen Euro, der Börsenaufschwung der vergangenen fünf Jahre ging an BHS Tabletop komplett vorbei. Damit könnte das Unternehmen durchaus interessant sein für einen der vielen auf den Mittelstand fokussierten PE-Investoren in Deutschland.

Die Verkaufsbestrebungen der Aktionäre bringen neue Dynamik in die Aktie: Am gestrigen Montag legte sie um rund 5 Prozent zu und liegt damit nun schon rund 20 Prozent über den Werten aus dem Februar.

tim.grossheimann[at]finance-magazin.de