Die VW-Tochter MAN ES rüstet nicht nur Containerschiffe mit Antriebsmotoren aus.

MAN ES

14.08.19
Deals

Private Equity dürfte bei MAN ES-Verkauf außen vor bleiben

VW sucht mit Hochdruck einen Käufer für die ungeliebte Dieselmotor- und Kraftwerks-Tochter MAN ES. Private-Equity-Investoren haben schlechte Karten – bis auf eine Ausnahme.

Seit 2017 hegt VW schon Verkaufsgedanken für die Tochter MAN Energy Solutions (MAN ES), 2018 kaufte der Dax-Konzern MAN ES sowie den Spezialgetriebehersteller Renk für rund 2 Milliarden Euro aus der MAN SE-Holding heraus – eine Voraussetzung für den Börsengang von Traton. Seit Mai 2019 läuft die konkrete Investorensuche. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen, wer neuer Eigentümer des Herstellers von großen Schiffsdieselmotoren, Turbomaschinen und Kraftwerksanlagen wird, verriet MAN-ES-CEO Uwe Lauber der FAZ.

Lauber präferiert einen Käufer, „der die von uns entwickelte Strategie befürwortet und synergetisch unterstützt“. Für den potenziellen neuen Eigentümer solle MAN ES eine „Erweiterung im Produktspektrum“ darstellen, mit Blick auf die 14.900 Arbeitsplätze sollten Überlappungen hingegen vermieden werden.

MAN ES: Vorteil Jenbacher?

Für Private Equity – Interesse wird den Finanzinvestoren KKR, Bain Capital, EQT und Advent nachgesagt – sieht es schlecht aus , diese Kriterien zu erfüllen: Für Lauber „käme allenfalls ein Finanzinvestor in Frage, der mit einem strategischen Rational herangehen würde“. Ein reiner Finanzinvestor im klassischen Sinne stehe bei ihm nicht oben auf der Prioritätenliste.

Laubers Wunsch entsprechen könnte jedoch Jenbacher. Der österreichische Hersteller von Dieselmotoren und Blockheizkraftwerken wurde im vergangenen Jahr von General Electric just an den Private-Equity-Fonds Advent veräußert. Jenbacher als Käufer könnte durchaus Laubers Vorstellungen entsprechen – es gäbe eine gemeinsame strategische Klammer, aber wenig Überlappungen. Advent könnte als Financier dieses Deals auftreten, ist Jenbacher doch erheblich kleiner als MAN ES.   

Doch die Konkurrenz aus dem Lager strategischer Interessenten ist groß: Auf der Interessentenliste stehen die beiden japanischen Konzerne Mitsubishi Heavy und Sumitomo Heavy sowie der US-Motorenhersteller Cummins. Bei einem Verkauf an die finnische Wärtsilä, einen der größten Schiffsmotorenproduzenten der Welt, drohten hingegen große Überlappungen und strenge Kartellauflagen, da MAN ES bei großen Schiffsdieselmotoren auf einen Weltmarktanteil von über 50 Prozent kommt.

Was die Chancen für Jenbacher erhöht: Alle aktuell gehandelten strategischen Interessenten wären deutlich größer als MAN ES. Im Fall einer Übernahme würden die Augsburger wahrscheinlich stark an Unabhängigkeit und Einfluss einbüßen.

Margendruck lastet auf MAN ES

MAN ES ist jedoch kein einfaches M&A-Target: Aus einem Umsatz von 3,1 Milliarden Euro holen die Augsburger derzeit gerade einmal eine operative Gewinnmarge von 4,3 Prozent heraus. Hohe Ausgaben für die Entwicklung alternativer Antriebe jenseits der großen Dieselmotoren werden noch auf Jahre hinaus die Gewinne belasten.

Andererseits leitet Lauber aus diesen F&E-Investitionen auch den Anspruch ab, technologisch führend bei der Entwicklung von alternativen Schiffsantrieben wie LNG oder Hybridmotoren zu sein. Bis 2030 peilt der Manager ein Umsatzwachstum auf 5 Milliarden Euro an. Neue Antriebstechnologien sollen dann einen Umsatzanteil von 50 Prozent erreichen. Gegenwärtig sind es nur 10 Prozent.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de