Prosiebensat.1 und General Atlantic wollen im Rahmen ihrer Buy-and-Build-Strategie den US-Dating-App-Entwickler The Meet Group für rund 500 Millionen US-Dollar übernehmen.

Prosiebensat.1

05.03.20
Deals

Pro Sieben und General Atlantic machen ernst mit Buy-and-Build

Pro Sieben und General Atlantic wollen den Dating-App-Entwickler The Meet Group übernehmen. Mit dem Deal treibt das Pro-Sieben-Management den Konzernumbau weiter voran. Das ist dringend notwendig.

Der Medienkonzern Pro Sieben Sat.1 und der US-Finanzinvestor General Atlantic gehen den nächsten Schritt ihrer Buy-and-Build-Strategie: Für ihr Joint Venture Nucom wollen sie den US-App-Entwickler The Meet Group für einen Unternehmenswert von gut 500 Millionen US-Dollar übernehmen. Mit der Akquisition, die Pro-Sieben-Chef Max Conze zufolge eine der größten der Firmengeschichte ist, wollen die Münchener ihr Online-Dating-Geschäft rund um die Parship-Gruppe stärken.

Pro Sieben und General Atlantic bieten den Meet-Aktionären 6,30 US-Dollar je Aktie. Der im Nasdaq gelistete Konzern machte eigenen Angaben zufolge in den zwölf Monaten bis Ende September 2019 einen Umsatz von rund 207 Millionen US-Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei knapp 40 Millionen Dollar. Daraus ergibt sich ein Ebitda-Multiple von 12,8. Unter Berücksichtigung der bis 2022 geplanten Synergien, die ProSieben allerdings nicht quantifiziert, soll das Multiple unter 10x Ebitda sinken.

Pro Sieben erhält 55 Prozent der Anteile

Konkret soll der Deal wie folgt ablaufen: Die Münchener zahlen 232 Millionen Dollar in Cash und werden nach Abschluss der Übernahme 55 Prozent an dem fusionierten Online-Dating-Geschäft einschließlich der ehemaligen Parship Group halten. Das amerikanische Private-Equity-Haus General Atlantic legt 306 Millionen Dollar auf den Tisch und wird damit künftig 45 Prozent an der neuen Einheit halten. Der Unternehmenswert der Parship Gruppe vor der Fusion liegt den Angaben zufolge bei 726 Millionen Euro. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Halbjahr 2020 erwartet.

Die Eigentumsverhältnisse an Nucom, in denen Pro Sieben sein digitales Konsumentengeschäft bündelt und das neben Parship Elite auch Portale wie Verivox oder Flaconi umfasst, ändert sich allerdings nichts. General Atlantic hält weiterhin 28,4 Prozent an dem Joint Venture, Pro Sieben 71,6 Prozent.

Buy-and-Build-Strategie läuft zäh an

Mit dem Meet-Zukauf will Pro Sieben seine Präsenz im globalen Online-Dating-Markt erweitern: Die Meet Group entwickelt unter anderem Apps in Nordamerika, Deutschland und Südeuropa. Insgesamt bringt sie rund 4,5 Millionen aktive User in das Portfolio Nucoms. Die Marke Parship solle so künftig „das gesamte Spektrum des Online-Dating-Marktes abdecken: Von wissenschafts-basierten Online-Dating bis zu interaktiven live Video-Apps“, wie es von Seiten des MDax-Konzerns heißt.

Nach dem Einstieg von General Atlantic  bei Nucom im Frühjahr 2018 verkündeten die Unternehmen den Startschuss einer umfassenden Buy-and-Build-Strategie für die Digitalsparte. Größere Zukäufe gab es bis dato allerdings nicht: Die Übernahme der Online-Partnervermittlung E-Harmony in den USA erfolgte zu einem Unternehmenswert von 85 Millionen US-Dollar. Im vergangenen Jahr brachte der PE-Investor General Atlantic seine Beteiligung an der Vermittlungsplattform Aroundhome bei Nucom ein.

Pro Sieben nimmt höhere Verschuldung in Kauf

Wie wichtig die Aufwertung der Digitalsparte für ProSieben ist, zeigt ein Blick auf die heute veröffentlichten Geschäftszahlen für 2019: Zwar stieg der Umsatz um drei Prozent auf 4,14 Milliarden Euro. Das Ebitda brach allerdings um 14 Prozent auf 872 Millionen Euro ein. Die sinkenden Erlöse im klassischen Fernsehgeschäft soll künftig auch die Digitalsparte kompensieren. Ihr Anteil am Konzernumsatz soll von 34 Prozent im vergangenen Jahr mittelfristig auf über 50 Prozent steigen, kündigten die Münchener an.

Der Meet-Zukauf erhöht allerdings auch die Verschuldung: Wie Pro Sieben einräumt, belastet der Deal die Bilanz mit 209 Millionen Euro, also den 232 Millionen US-Dollar Transaktionskosten, und erhöhe so das Leverage weiter. Das Geschäftsjahr 2019 schloss der Konzern mit einem Verschuldungsgrad von 2,6x Ebitda ab – und damit bereits oberhalb der angestrebten Bandbreite von 1,5 bis 2,5. Dennoch kündigte der Konzern an, auch in diesem Jahr weiter investieren zu wollen.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de