Das Familienunternehmen R. Stahl bleibt bei seiner Blockadehaltung gegenüber der Weidmüller-Gruppe.

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18.06.14
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R. Stahl: Investor schießt gegen CFO Bernd Marx

Die Beteiligungsgesellschaft Scherzer & Co erhebt schwere Vorwürfe gegen Vorstand und Aufsichtsrat von R. Stahl. Die kompromisslose Ablehnung des Übernahmeangebots vertrete nur Partikularinteressen, schreibt der Minderheitsaktionär. In einem Interview habe CFO Bernd Marx laut Scherzer sogar gegen das Wertpapierübernahmegesetz verstoßen.

In den Übernahmepoker um das börsennotierte Familienunternehmen R.Stahl durch die Weidmüller-Gruppe schaltet sich die auf Sondersituationen spezialisierte Beteiligungsgesellschaft Scherzer & Co ein. In einem offenen Brief attackiert Scherzer, das nach eigenen Angaben mehr als zwei Prozent der Anteile an R. Stahl hält, Vorstand und Aufsichtsrat des Waldenburger Explosionsschutzspezialisten für die klare Abwehrhaltung gegenüber dem Weidmüller-Angebot.

Scherzer prangert an, dass die R. Stahl-Manager nicht die Interessen aller Aktionäre verträten, sondern „unklaren Partikularinteressen verpflichtet seien“, heißt es in dem Brief, die sich mit der Argumentationslinie Weidmüllers deckt. Insbesondere R. Stahl-CFO Bernd Marx gerät darin unter Beschuss.

R. Stahl: WpÜG-Verstoß von CFO Marx?

Die Scherzer-Vorstände Georg Issels und Hans Peter Neuroth werfen dem Finanzchef vor, gegen das Wertpapierübernahmegesetz (WpÜG) verstoßen zu haben. Mit einer Aussage in einem Interview im Handelsblatt am Montag habe Marx einen aktienrechtlichen Fauxpas begangen.

Auf die Frage nach den Motiven für den kürzlich gestarteten und nach Auffassung von Scherzer unnötigen Aktienrückkauf antwortete Marx: „Uns war wichtig, alle Vorkehrungen zu treffen, dass die positive Entwicklung von R. Stahl nicht durch Minderheitsaktionäre behindert wird, die abweichende strategische Interessen verfolgen.“ Weiter heißt es in dem Interview: „Wir halten es für das Beste, wenn wir unseren klaren Fokus behalten und als Technologieführer im Explosionsschutz weiter profitabel wachsen können.“

Noerr-Partner und Kapitalmarktrechtler Stephan Schulz wundert sich ob der offenen Aussage von Marx: „R. Stahl scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein“, sagt er.

Für den Finanzinvestor Scherzer ist jedoch klar, dass Vorstand und Aufsichtsrat zu der Entscheidung gekommen sind, dass „Minderheitsaktionäre, die nicht den Kurs der Familie vertreten, den Frieden stören und deshalb mit dem Firmengeld […] mittels Aktienrückkauf neutralisiert werden müssen“, heißt es in dem Brief an R. Stahl.

Scherzer folgert darin, dass Firmenvermögen in „fragwürdiger Weise“ verwendet worden sei, um sich gegen die Minderheitsaktionäre zu stellen. Laut §33 des WpÜG dürfe der Vorstand jedoch nichts unternehmen, um den Erfolg des Übernahmeangebots zu verhindern.

Schulz relativiert diese Einschätzung von Scherzer jedoch: „Der Vorstand hat in einer Übernahmesituation erhebliche Spielräume.“ Für ihn ist die Aussage kein zwingender Verstoß gegen §33 des WpÜG. „Die Hürden für juristische Konsequenzen bei Verstößen gegen das Neutralitätsgebot sind hoch“, sagt er.

R. Stahl nimmt Brief „zur Kenntnis“

Insgesamt beobachtet Scherzer die Blockadehaltung von R. Stahl gegenüber dem auf 50 Euro je Aktie nachgebessertem Angebot der Weidmüller-Gruppe  laut Brief mit „wachsender Irritation und einer zunehmenden Skepsis.“

Die Vorwürfe scheinen R. Stahl jedoch nicht zu beeindrucken. Auf Anfrage von FINANCE teilt eine Unternehmenssprecherin schriftlich mit: „Wir haben das Schreiben zur Kenntnis genommen.“ Ob das Unternehmen die Kritik für berechtigt hält oder nicht, ließ R. Stahl unkommentiert. Der Explosionsschutzspezialist bleibt bei der von Scherzer kritisierten Linie: „Vorstand und Aufsichtsrat von R. Stahl empfehlen grundsätzlich, das Angebot von Weidmüller nicht anzunehmen, sondern Aktionär bei R. Stahl zu bleiben und vom vollen Potential der Gesellschaft zu profitieren“, heißt es seitens R. Stahl weiter.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

Die weiteren Hintergründe rund um das Übernahmeangebot erfahren Sie auf der FINANCE Themenseite R. Stahl.