Ryanair

20.03.18
Deals

Ryanair will Laudamotion übernehmen

M&A-Coup in der Luftfahrtbranche: Der Billigflieger Ryanair will die gerade erst gegründete Laudamotion übernehmen. Genau das versuchte die Lufthansa zu verhindern.

Paukenschlag in der umkämpften Luftfahrtbranche: Der irische Billigflieger Ryanair steigt mit einer Beteiligung von zunächst rund 25 Prozent bei der Airline Laudamotion ein. Möglichst schnell wollen die Iren ihren Anteil auf 75 Prozent aufstocken und damit die volle Kontrolle über das erst vor wenigen Wochen gegründete Unternehmen des Ex-Formel-1-Fahrers Niki Lauda erlangen. Lauda soll als Geschäftsführer zunächst an Bord bleiben. Die EU-Kartellbehörden müssen dem geplanten M&A-Deal allerdings erst noch zustimmen.

Der Kaufpreis würde sich im Falle einer Übernahme auf etwas weniger als 50 Millionen Euro belaufen. Ungefähr so viel hatte Lauda auch an die Insolvenzverwalter von Air Berlin bezahlt, um die damals noch „Niki“ heißende Airline zu erwerben – allerdings für 100 Prozent der Anteile. Zudem finanziert Ryanair mit weiteren 50 Millionen Euro den geplanten Ausbau von Laudamotion.

Lauda hatte die ersten Übernahmegerüchte am Freitag noch abgestritten („Ich weiß davon null“). Jetzt sagte er: „Ich bin nicht hier hergekommen, um abzutreten, sondern um richtig anzufangen.“ Dem Vernehmen nach hat Lauda auch mit Easyjet verhandelt – auch diese große Billigfluglinie hatte sich während des M&A-Prozesses im Winter vergeblich um eine Übernahme von Niki bemüht.

Ryanair will Flugzeugflotte von Laudamotion ausbauen

Für die Iren ist die Übernahme von Laudamotion ein strategisch eminent bedeutender Schritt. Sie hatten sich beklagt, dass der M&A-Prozess um die untergegangene Air Berlin ausschließlich auf die Bewahrung der starken Marktposition der Lufthansa in Deutschland ausgerichtet gewesen sei.

Tatsächlich galt die Übernahme von Niki durch Lauda auch als Erfolg für die Lufthansa, weil so verhindert wurde, dass die starken Kontrahenten Easyjet und Ryanair Zugriff auf zusätzliche Start- und Landerechte in Deutschland erhalten. Easyjet war es lediglich gelungen, die eigene Stellung in Berlin auszubauen. Geht der Deal durch, würde sich Ryanair nennenswerte Marktanteile vor allem an den Flughäfen Düsseldorf und Wien sichern.  

Lauda und Ryanair-Chef Michael O’Leary hegen ambitionierte Wachstumspläne. So soll die Flotte von Laudamotion bis zum Sommer von aktuell 14 auf 20 Flugzeuge ausgebaut werden. Spätestens zwei Jahre später sollen  es dann schon 30 Maschinen sein. Ryanair operiert mit mehr als 400 Jets.

Den Flugbetrieb will Laudamotion am 25. März aufnehmen. Spätestens im dritten Geschäftsjahr will Ryanair die Neugründung in die Gewinnzone führen.

Niki Lauda will Lufthansa angreifen

Niki Lauda hat bereits in den Angriffsmodus geschaltet „Ich stehe für Wettbewerb und jeder weiß, dass ich Monopolen kritisch gegenüberstehe", sagte der Unternehmer.

Zudem wies er den Vorwurf zurück, wonach er lediglich als Vehikel für Ryanair fungiert habe, damit sich der Billigflieger über Umwege doch noch den Zugriff auf die insolvente Niki sichern konnte. „Ich bin da gesessen bis um halb fünf in der Früh und habe 50 Millionen hingeblattelt, damit ich den Niki da herausrette", erklärte Lauda.

Ob im Lichte dieser neuen Entwicklung die Verhandlungen über eine Partnerschaft mit der Lufthansa-Tochter Eurowings jetzt noch zum Erfolg führen, ist unsicher. Fest steht bereits, dass Laudamotion mit der Thomas-Cook-Tochter Condor kooperieren wird. 

andreas.mehring[at]finance-magazin.de