Saudische Investoren suchen Knowhow

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Ausländische Investoren finden den Einstieg in Saudi-Arabien meist über Joint-Ventures.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Als Investoren und Anteilseigner sind saudi-arabische Partner in Europa durchaus präsent. Die saudi-arabische Olayan Group hält 6 Prozent an der Schweizer Bank UBS, Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud gut 17,3 Prozent an Disneyland Paris, der saudische Investor Kamal Abdullah Bahamdan stieg 2008 mit 3 Prozent bei Air Berlin ein. Die Finanzkraft des Landes hängt am Ölexport, als weltgrößter Erdölproduzent erwirtschaftete Saudi-Arabien 2010 300 Milliarden Euro Überschüsse.

Beteiligungen an europäischen Unternehmen werden den saudi-arabischen Investoren zurzeit vergleichsweise leicht gemacht, findet Maheur Mourali, Director der Investmentberatung Swicorp in Riad. „Unternehmen in Europa sind auf der Suche nach Finanzierung, weil die Banken restriktiv sind. Das ermöglicht es Investoren aus Saudi-Arabien, ihre Targets zu finden – oft zu einem vergleichsweise günstigen Preis“, beobachtet er. Besonders Technologieunternehmen sind im Fokus von Investoren: „Sie kaufen technologisches Knowhow und übernehmen gern auch das Managementteam mit. Die Produktion dagegen kann oft in Saudi-Arabien günstiger erfolgen“, sagt Mourali.

M&A-Deals auf niedrigem Niveau

Trotz der Finanzkraft ist der Markt für Fusionen und Übernahmen in der Region nur wenig ausgeprägt: Für die gesamte Region Mittlerer Osten und Nordafrika erfasste Ernst & Young im ersten Quartal dieses Jahres ein Dealvolumen von 8,5 Milliarden US-Dollar, bei 105 Deals. Knapp 65 Prozent des Dealvolumens entfielen auf Transaktionen, bei denen ein Unternehmen aus der Region ein internationales Target erworben hat. Zum Vergleich: In Europa gab es im selben Zeitraum laut Mergermarket-Statistik 1.030 M&A-Deals mit einem Volumen von 164,5 Milliarden US-Dollar.

Europäische Unternehmen, die den Einstieg in den saudi-arabischen Markt wagen wollen, kommen an den rechtlichen und kulturellen Unterschieden nicht vorbei. Im Königreich Saudi-Arabien gilt beispielsweise das islamische Recht. Der gängige Weg, den Markt zu erschließen, sind deshalb Kooperationen mit Firmen vor Ort: „Gerade bei großen Projekten sind Joint Ventures die Regel. Der Partner vor Ort unterstützt die Finanzierung und übernimmt den Vertrieb der Produkte“, sagt Mourali. Beispielsweise nutzt das Industrieunternehmen Evonik eine Joint-Venture-Struktur, um Superabsorber im saudi-arabischen Jubail zu produzieren.

Saudi-Arabien öffnet sich seit einigen Jahren für Investitionen aus dem Ausland. Seit 2005 ist das Königreich Mitglied der WTO, mit acht Ländern hat Saudi-Arabien sogenannte Investitionsförderungs- und Schutzverträge geschlossen, um Investitionen von Unternehmen aus dem Ausland zu erleichtern. Die Vereinbarungen stellen unter anderem eine Entschädigung bei Enteignung sicher und garantieren den freien Transfer von Kapital und Erträgen. Mit Italien, Deutschland, Belgien und Frankreich gehören auch vier europäische Länder zu den Unterzeichnern dieser Vereinbarungen.

 

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