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Siltronic-Übernahme durch Globalwafers verzögert sich

In diesem Jahr wird es voraussichtlich nichts mehr: Die Siltronic-Übernahme durch Globalwafers verzögert sich. Foto: Quardia Inc. - stock.adobe.com
In diesem Jahr wird es voraussichtlich nichts mehr: Die Siltronic-Übernahme durch Globalwafers verzögert sich. Foto: Quardia Inc. - stock.adobe.com

Ärgerliche Neuigkeiten für Siltronic und Globalwafers: Wie Siltronic am heutigen Freitag mitteilte, verzögert sich die Übernahme durch die Taiwanesen wegen „sich hinziehender Gespräche über regulatorische Freigaben“. Daher könne die Transaktion voraussichtlich nicht mehr in diesem Geschäftsjahr vollzogen werden. Ursprünglich wollten die Unternehmen den M&A-Deal in der zweiten Jahreshälfte 2021 abschließen. Ein neues Zeitfenster für das geplante Closing nannte Siltronic nicht.

Mit welchen Behörden Siltronic und Globalwafers derzeit konkret noch verhandeln, teilte das Unternehmen nicht mit. Globalwafers hatte Anfang Oktober mitgeteilt, dass der Chip-Zulieferer bereits die vollständige Merger-Control-Freigabe durch die US-Behörden erhalten habe. Darüber hinaus hätten auch die Kartell- und Wettbewerbsbehörden in Deutschland, Österreich, Korea, Taiwan und Singapur grünes Licht für den Deal erteilt.

Das Unternehmen schränkte damals allerdings ein, dass weitere regulatorische Freigaben noch ausstünden. Bei Cross-border-Transaktionen ist es üblich, dass nicht nur die Behörden der jeweiligen Länder der Zielunternehmen den M&A-Deal durchwinken müssen, sondern auch die Behörden weiterer von der Transaktion betroffener Länder.

Chip-Branche unter strenger Beobachtung

In Deutschland muss zudem das Bundeswirtschaftsministerium seinen Segen für die Transaktion erteilen. Das Ministerium prüft unter anderem, ob ein geplanter M&A-Deal die öffentliche Ordnung oder Sicherheit beeinträchtigen kann. Speziell in der kritischen Halbleiterindustrie, die derzeit aufgrund von Lieferengpässen stark unter Druck steht, dürften die Behörden genauer hinschauen, inwieweit eine Übernahme wie die von Siltronic durch Globalwafers negative Auswirkungen auf die nationale Sicherheit und die Versorgungssicherheit der Branche haben könnte.

Siltronic gibt sich aber zuversichtlich, dass die Transaktion erfolgreich abgeschlossen werden kann: Man verhandele „weiter konstruktiv mit den Behörden über die Konditionen der noch ausstehenden Freigaben“, heißt es aus München.

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Wacker Chemie muss auf Exit warten

Die Übernahmepläne von Siltronic durch Globalwafers waren Ende November vergangenen Jahres bekanntgeworden. Die Taiwanesen hatten den Aktionären von Siltronic bei ihrem initialen Gebot 125 Euro je Siltronic-Papier versprochen. Sie erhöhten das Angebot Ende Januar dieses Jahres zunächst auf 140 und dann final auf 145 Euro je Aktie – ein Aufschlag von 16 Prozent auf das erste Angebot.

Von der Nachbesserung der Offerte profitiert auch der Siltronic-Großaktionär Wacker Chemie, derzeit mit rund 30,8 Prozent an den Münchenern beteiligt. Das Unternehmen hat bereits zugesagt, seinen Anteil vollständig anzudienen. Auf Basis des neuen, erhöhten Angebots würden Wacker Chemie beim Verkauf des gesamten Anteils rund 1,34 Milliarden Euro zufließen – wenn das Closing der Transaktion letztlich erfolgt ist. Insgesamt bewertet Globalwafers Siltronic im Rahmen der Übernahme mit rund 4,35 Milliarden Euro.

Aktienkurse von Siltronic und Globalwafers unter Druck

Die Aktionäre beider Unternehmen reagierten angespannt auf das Bekanntwerden der Verzögerung: Der Aktienkurs von Siltronic rutschte am heutigen Vormittag um knapp 2 Prozent ins Minus auf rund 133 Euro. Bei Globalwafers betrug der Rückgang rund 1 Prozent auf 760 taiwanesische Dollar, das sind umgerechnet rund 24 Euro. Auch die Aktionäre von Wacker Chemie, die im Zuge der Transaktion eine Sonderdividende erwarten, sind von den Neuigkeiten wenig begeistert: Der Kurs der Aktie sank ebenfalls um knapp 1 Prozent auf 149 Euro.

Bereits Mitte Oktober hatte Société-Générale-Analyst Thomas Swoboda in einer Studie zu Wacker Chemie Bedenken am Zeitplan der Siltronic-Übernahme geäußert. Die Transaktion habe wegen der stark gewachsenen Bedeutung der Chip-Branche einen strategischen Charakter, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Dpa. Weitere Faktoren, die die Übernahme bis ins nächste Jahr verzögern könnte, seien demnach der anstehende Regierungswechsel in Deutschland sowie wachsende Spannungen zwischen China und Taiwan.

olivia.harder[at]finance-magazin.de


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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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