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Uber steigt bei Delivery Hero ein und übernimmt Taiwan-Geschäft

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Der Berliner Essenslieferant Delivery Hero hat mit Uber einen Käufer für sein Foodpanda-Geschäft in Taiwan gefunden und sichert sich den US-Dienst darüber hinaus auch als Kapitalgeber. Uber wird über eine Minderheitsbeteiligung künftig etwa 2,98 Prozent des Grundkapitals von Delivery Hero halten. Foto: Max Threlfall
Der Berliner Essenslieferant Delivery Hero hat mit Uber einen Käufer für sein Foodpanda-Geschäft in Taiwan gefunden und sichert sich den US-Dienst darüber hinaus auch als Kapitalgeber. Uber wird über eine Minderheitsbeteiligung künftig etwa 2,98 Prozent des Grundkapitals von Delivery Hero halten. Foto: Max Threlfall

Uber übernimmt von Delivery Hero dessen Foodpanda-Geschäft in Taiwan. Der US-amerikanische Wettbewerber zahlt dafür 950 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 880 Millionen Euro) in bar. Wenn die Wettbewerbsbehörden dem Deal zustimmen, soll er im ersten Halbjahr 2025 abgeschlossen werden, teilt das MDax-Unternehmen mit. Bis dahin wird Delivery Hero seine Tochter Foodpanda Taiwan weiterhin betreiben.  

Das Taiwan-Geschäft soll sich laut Delivery Hero in den vergangenen zwölf Monaten gemessen am bereinigten Ebitda und vor Umlage der Konzernkosten an der Gewinnschwelle bewegt haben.  

Uber stärkt mit dem Zukauf seine Essenslieferdienst-Präsenz in dem westpazifischen Inselstaat. „Taiwan ist ein hart umkämpfter Markt, in dem die Online-Plattformen für die Essenszustellung noch immer nur einen kleinen Teil der Essenszustellungslandschaft ausmachen“, sagt Senior Vice President of Delivery Pierre-Dimitri Gore-Coty.  

Ziel ist es demnach, die Kunden und die sich ergänzenden Händlergruppen von Uber Eats und Foodpanda auf einer Plattform zusammenzuführen. Uber bietet im Norden Taiwans und in den städtischen Zentren eine größere Auswahl, während Foodpanda im Süden Taiwans und in kleineren Städten relativ stark ist.  

Delivery Hero bereinigt sein Portfolio 

Delivery Hero dagegen will sich aus Asien zurückziehen. Foodpanda ist neben Taiwan auch in anderen Staaten Südostasiens aktiv. Verkaufsgespräche über einen möglichen Verkauf des Geschäfts in ausgewählten Märkten wie Singapur, Malaysia, Philippinen, Thailand, Kambodscha, Myanmar und Laos waren im Februar aber abgebrochen worden, weil man sich mit dem unbekannten Interessenten nicht einigen konnte. Aus Vietnam hatte sich Delivery Hero mit seiner Marke Baemin bereits 2023 verabschiedet.  

Auch in Europa bereinigt der Berliner Lieferdienst sein Portfolio: Im Januar hatte das Unternehmen angekündigt, seinen 2021 erworbenen Minderheitsanteil an dem britischen Konkurrenten Deliveroo wieder verkaufen zu wollen.  

Uber beteiligt sich an Delivery Hero  

Unabhängig von der M&A-Transaktion wird Uber auch direkt bei Delivery Hero einsteigen. Der US-Dienst wird dafür neu ausgegebene Stückaktien des Lieferdienstes in Höhe von 278 Millionen Euro (umgerechnet 300 Millionen US-Dollar) erwerben. Das entspricht nach der Kapitalerhöhung etwa 2,98 Prozent des Grundkapitals von Delivery Hero. Die knapp 8,5 Millionen Euro Stückaktien werden zu einem Preis von 33 Euro je Aktie ausgegeben. 

Mit den Nettoerlösen aus der Kapitalerhöhung will Delivery Hero Wandelanleihen zurückkaufen und so die Kapitalstruktur verbessern. Der Berliner Lieferdienst ist bislang nicht profitabel und kann das frische Kapital gebrauchen. Der Umsatz legte im Geschäftsjahr 2023 zwar um 15,7 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro zu, aber beim Konzernergebnis steht weiterhin ein dickes Minus von 2,3 Milliarden Euro. 

Die Anleger goutierten die Nachrichten: Nach Bekanntwerden der Deals mit Uber am heutigen Dienstag legte der Aktienkurs von Delivery Hero deutlich zu und überschritt dabei auch die 30-Euro-Marke.

Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.

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