Beispiel Ölindustrie: Bei der Ausrüstung von Ölplattformen erhofft sich Weidmüller durch die Kombination mit R. Stahl eine deutlich stärkere Position als Systemanbieter.

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16.05.14
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Übernahmekampf um R. Stahl: Weidmüller geht in die Offensive

Der Widerstand der Familiengesellschafter von R. Stahl hat bei Weidmüller noch nicht viel Eindruck hinterlassen. Im Übernahmekampf um R. Stahl geht Weidmüller-Chef Peter Köhler jetzt in die Offensive: Das feindliche Übernahmeangebot ist so gut wie fertig.

Weidmüller-Chef Peter Köhler ist ein unverdrossener Optimist: Trotz des unmissverständlich formulierten Widerstands der R. Stahl-Familienaktionäre glaubt der Chef des Familienunternehmens aus dem ostwestfälisch-lippischen Detmold weiter an eine Mehrheitsübernahme des Explosionsschutzspezialisten. In einem Interview mit der F.A.Z. kündigte Köhler heute ein öffentliches Übernahmeangebot für die R.Stahl-Aktionäre an. Weidmüller will 47,50 Euro je R.Stahl-Aktie bieten – das entspricht Köhlers Worten zufolge einem Aufschlag von rund 48 Prozent zum damaligen Börsenkurs von rund 33 Euro.

Das  Eigenkapital von R. Stahl wird bei dem Weidmüller-Angebot mit rund  300 Millionen Euro bewertet. Hinzu kämen noch Nettofinanzverbindlichkeiten (inklusive Pensionsverpflichtungen) von rund 75 Millionen Euro. Dies entspricht dem 15-fachen des für dieses Jahr erwarteten Ebits von R. Stahl. Zur Finanzierung habe Weidmüller-CFO Harald Vogelsang auf Holdingebene eine Kreditlinie bei der Commerzbank in Höhe von 300 Millionen Euro gezogen. Dies sei aufgrund der hohen Eigenkapitalquote von Weidmüller in Höhe von über 50 Prozent möglich gewesen. Das Übernahmeangebot sei allerdings an den Erwerb der Aktienmehrheit gebunden. Dafür aber ist Weidmüller darauf angewiesen, dass neben den freien Aktionären auch einige Mitglieder der Eigentümerfamilien Stahl und Zaiser die Seiten wechseln und den Detmoldern ihre Aktien andienen – die Stahl-Familie hält insgesamt 51 Prozent der Aktien, ist jedoch über mehrere Dutzend Familien weit verstreut und heterogen.Zuletzt hatten sich die Eigentümerfamilien schriftlich verpflichtet, die Aktien nicht zu verkaufen. 8 Prozent der Aktien hält der Konzern in Eigenbesitz.

Erbitterter Widerstand von R. Stahl

Mit seinem Vorstoß stößt Weidmüller auf erbitterten Widerstand: Die R. Stahl-Eigner wiesen sein Angebot in einem Interview mit der F.A.Z. eindeutig zurück: R.Stahl-Aktien würden nur vererbt und nicht verkauft, so ihre Kernaussage. Jochen und Rainer Stahl lehnten stellvertretend für das Eigentümerkonsortium, das 51 Prozent der Aktien hält, einen Verkauf der Aktien ab.

Stattdessen will  R. Stahl stark in das Geschäft investieren, was die zuletzt geschwächte Ertragskraft des Familienunternehmens bis 2016 wieder aus eigener Kraft stärken soll. Für die nächsten Jahre sind hohe Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn in Aussicht gestellt. Zudem zeigten sich die R. Stahl-Gesellschafter nicht überzeugt von den möglichen Synergien eines Deals.

Weidmüller-Chef Köhler: Nicht angeschlichen

Weidmüller-Chef Peter Köhler versucht, die Wogen zu glätten und besteht darauf, dass sich die Detmolder nicht angeschlichen hätten. Bisher seien nur 1.000 R.Stahl-Aktien im Besitz von Weidmüller. Er beschrieb große Vorteile von dem Zusammengehen beider Unternehmen, die beispielsweise unterschiedliche, aber komplementäre Komponenten für die Ölindustrie liefern. Ein fusioniertes Unternehmen könnte die Kunden wie etwa den Systemintegrator Honeywell mit einer ganzheitlichen Lösung aus einer Hand besser bedienen. Durch die neue Größenordnung würde der fusionierte Konzern eine verbesserte Wettbewerbsposition im Kampf um Großprojekte erreichen, hofft Weidmüller.

Auch Köhler will mit Weidmüller dynamisch wachsen. Für 2020 gab der Unternehmer das Umsatzziel mit 1 Milliarde Euro an, wobei die R. Stahl-Übernahme nicht berücksichtigt wäre. 2013 erzielte Weidmüller mit 4.600 Mitarbeitern einen Konzernumsatz von 640 Millionen Euro, R. Stahl kam 2013 auf rund 304 Millionen Euro Umsatz.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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