M&A-Deals: KNDS, Mistral AI, Cohere

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Der Bund beteiligt sich künftig mit 40 Prozent am deutsch-französischen Panzerbauer KNDS. Foto: filmbildfabrik - stock.adobe.com
Der Bund beteiligt sich künftig mit 40 Prozent am deutsch-französischen Panzerbauer KNDS. Foto: filmbildfabrik - stock.adobe.com

Bund greift bei KNDS zu

Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, 40 Prozent am deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS zu übernehmen und sich damit den gleichen Einfluss zu sichern wie Frankreich. Die Koalition plant, den Anteil innerhalb von zwei bis drei Jahren wieder auf 30 Prozent zu senken. Den Einstieg setzt der Bund über die KfW um.

Den Kaufpreis nennt die Bundesregierung nicht. Der Plan ist jedoch, diesen an den Ausgabepreis des geplanten Börsengangs von KNDS zu koppeln. Im Markt kursiert aktuell eine Bewertung von 18 bis 20 Milliarden Euro. KNDS will laut Bericht bis zu 20 Prozent der Anteile in Frankfurt und Paris platzieren. Den Zeitpunkt für den IPO hat das Unternehmen noch nicht festgelegt.

Insgesamt will sich die Bundesregierung mit dem Einstieg zentrale Entscheidungsrechte sichern und auch den Weg für den Börsengang freimachen. Mit 40 Prozent stellt Berlin zusätzlich sicher, dass Deutschland beim Stimmgewicht auf Augenhöhe mit Frankreich bleibt und Entscheidungen nicht gegen deutsche Interessen fallen. Dies soll sich auch dann nicht ändern, falls Paris seinen Anteil in der Zukunft nicht im gleichen Maß reduziert, wie der Bund.

Offen bleibt eine zentrale Folgeentscheidung. Die Koalition will nach zwei Jahren einen industriellen Partner suchen, der dem Bund zehn Prozent abnimmt. Wen der Bund dafür ins Auge fasst, erklärte die Regierung noch nicht.

Mistral AI übernimmt Emmi AI

Mistral AI übernimmt Emmi AI aus Linz und baut damit sein Geschäft im industriellen Umfeld für Künstliche Intelligenz aus. Emmi AI entwickelt Physics-AI-Modelle, die Simulationen und Engineering-Workflows in Branchen wie Energie, Automotive, Halbleiter und Aerospace beschleunigen sollen. Den Vollzug der Transaktion stellen die Parteien noch für Mai in Aussicht. Dann sollen die Emmi-Gründer sowie ein Team von mehr als 30 Forschern und Ingenieuren zu Mistral AI wechseln. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben.

Mistral AI will mit der Akquisition eine integrierte Plattform für Industrial Engineering formen. Dafür kombiniert das Unternehmen seine KI-Plattform mit Emmis Spezialisierung auf physikbasierte Modelle, digitale Zwillinge und Echtzeit-Simulationen. Strategisch zielt Mistral AI auf Industriekunden, die F&E-Prozesse beschleunigen und komplexe Entwicklungsaufgaben stärker datengetrieben lösen wollen.

Mit dem Deal treibt das Unternehmen außerdem seine Präsenz in Europa voran. Linz wird offizieller Standort neben Paris, London, Amsterdam, München, San Francisco und Singapur. Mistral AI kündigt zudem zusätzliche Einstellungen in Europa an, vor allem in Österreich, Deutschland und Litauen. Die Kanzlei Dorda beriet Emmi AI bei dem Deal.

Cohere kauft Reliant AI

Nach Alep Alpha schnappt sich Cohere den nächsten deutschen KI-Anbieter. Die Kanadier übernehmen Reliant AI und erweitern damit ihr Angebot für souveräne Unternehmens-KI im Gesundheitswesen sowie in den Biowissenschaften. Reliant AI bringt ein Forschungsteam, proprietäre biomedizinische Datensätze und eine auf Biopharma-Workflows optimierte Technologie ein. Das Target betreibt Standorte in Montreal und Berlin.

Cohere will mit dem Zukauf das Wachstum in regulierten Branchen beschleunigen und im Biopharma-Umfeld schneller skalieren. Reliants Plattform automatisiert unter anderem Literaturrecherchen, Wettbewerbsanalysen sowie die Extraktion unstrukturierter wissenschaftlicher und regulatorischer Daten. Cohere integriert diese Bausteine in seine souveräne KI-Plattform und treibt damit „North for Pharma“ voran, ein agentenbasiertes System für Teams in Forschung und Entwicklung, klinischer Entwicklung und wissenschaftlicher Analytik.

Auch personell zieht Cohere Know-how nach. Karl Moritz Hermann wechselt als Vice President of AI Verticalizations nach Berlin. Marc Bellemare übernimmt aus Montreal die Rolle des Vice President of Modeling. Baker McKenzie beriet Cohere bei der Akquisition.

Weitere M&A-Deals

Vossloh kündigt die feste Absicht an, den britischen Sensor-Spezialisten Cordel zu übernehmen. Das Unternehmen will die Transaktion als Scheme of Arrangement nach englischem Recht umsetzen. Bei diesem Verfahren stimmen die Aktionäre über die Transaktion ab, und nach gerichtlicher Genehmigung gehen automatisch alle Anteile auf den Erwerber über. Vossloh bewertet Cordel dabei mit rund 29 Millionen Pfund, das entspricht etwa 33 Millionen Euro. Cordel-Aktionäre sollen 12,4 Pence je Aktie erhalten. Der Vorstand von Cordel will den Aktionären die Annahme einstimmig empfehlen. Freshfields berät Vossloh bei der Transaktion.

Wienerberger übernimmt die serbische Univerzum Group und baut damit sein Wandbaustoffgeschäft in Südosteuropa aus. Das Target produziert Hintermauerziegel, beschäftigt rund 200 Mitarbeitende und soll 2026 rund 20 Millionen Euro Umsatz erzielen. Den Kaufpreis nennt Wienerberger nicht. Strategisch stärkt Wienerberger seine Position in Serbien und setzt auf zusätzliche Nachfrage aus Wohnungsbau und Renovierung. Außerdem will das Unternehmen Cross-Selling mit dem bestehenden Dachgeschäft in der Region anschieben.

Die Blinkist-Gründer Holger Seim und Tobias Balling kaufen die Sachbuch-App von Go1 zurück und holen das Unternehmen wieder in Gründerhand. Den Kaufpreis nennt keine Seite. Seim gab lediglich an, der Preis liege deutlich unter dem kolportierten Niveau von rund 200 Millionen Euro aus 2023. Die Gründer finanzieren den Rückkauf über Fremdkapital und wollen die Schulden aus dem Cashflow tilgen. Strategisch lösen sie damit eine Integration, die laut Seim wegen Zeitzonen, Kultur und Produktabgleich nicht vorankam.

Börsenmedien übernimmt die Mehrheit an Finanzwissen und holt die gleichnamige Internetplattform  zum 1. Juni in die Gruppe. Den Kaufpreis nennt Börsenmedien nicht. Mit dem Einstieg baut das Unternehmen ein neues Geschäftsfeld rund um Finanzbildung und Produktvergleiche auf und will zugleich die eigenen Affiliate-Aktivitäten bündeln. Sebastian Rau führt Finanzwissen weiter, während der Firmensitz nach Kulmbach wandert.

M&A-Berater-News

Andreas Stöcklin wechselt als Senior Managing Director und Partner zu FTI-Andersch. Vom Standort München aus soll er als Transactions Lead Continental Europe das Transaktionsgeschäft von FTI Consulting in Europa vorantreiben. Mit Stöcklin baut FTI-Andersch die Felder M&A, Independent Board Advisory, Transaction Due Diligence, Carve-out und Bewertung aus. Er bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung mit und deckt die Schwerpunkte Industrie, TMT und Business Services ab. Zuvor arbeitete Stöcklin bei Kroll. Dort führte er das Corporate-Finance-Geschäft in Deutschland sowie Europa und saß im globalen Führungsgremium für Corporate Finance.

Rödl verstärkt sein M&A-Advisory in Hamburg mit Sebastian Fritz und baut damit die Präsenz in Norddeutschland aus. Fritz bringt mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Strukturierung und Steuerung komplexer M&A-Prozesse mit und arbeitet künftig an der Weiterentwicklung der interdisziplinären Corporate-Finance-Services. Zuvor beriet er im M&A Advisory und arbeitete auf Investorenseite. Er begleitete nationale und internationale Transaktionen, vor allem im technologiegeprägten Industrieumfeld. Mit dem Ausbau in Hamburg plant Rödl, stärker Buy- und Sell-Side-Mandate von Unternehmen und Finanzinvestoren im norddeutschen Markt zu übernehmen.

Deals in Verhandlung

Die Bundesregierung stößt den Wiederverkauf ihrer Uniper-Beteiligung an. Wie das Bundesfinanzministerium Investoren mitteilte, startet damit ein Prozess, der den Bund bis Ende 2028 zum Abbau der Beteiligung von 99 Prozent auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie zwingt. Interessenten sollen sich bis zum 12. Juni beim Finanzministerium melden. Parallel prüft der Bund laut Mitteilung einen Börsengang. Auch eine Kombination aus Direktverkauf und Börsennotierung steht im Raum. Als potentielle Interessenten nennt das „Handelsblatt” Staatsfonds und große Energiekonzerne, konkrete Namen bleiben offen. Der Bund will 25 Prozent plus eine Aktie behalten und das Unternehmen als Einheit erhalten. Der Börsenwert von Uniper liegt laut Bericht bei rund 18 Milliarden Euro, der Streubesitz beträgt weniger als ein Prozent.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.