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05.12.17
Deals

Unternehmen verlieren Vorteil gegenüber Finanzinvestoren

Strategen sehen sich gegenüber Private-Equity-Investoren beim Werben um Übernahmeziele nicht mehr im Vorteil. Das liegt auch am prächtigen Finanzierungsumfeld, wie das aktuelle FINANCE M&A Panel zeigt.

Eigentlich haben die M&A-Verantwortlichen deutscher Unternehmen derzeit wenig Grund, sich zu beklagen. Schließlich könnten die Rahmenbedingungen für Übernahmefinanzierungen aktuell besser kaum sein. Die Margen für Bankkredite sind niedrig und gleichzeitig lockern die Geldhäuser ihre Kreditauflagen (Covenants) immer weiter. Wären da nicht die liquiditätsstarken Private-Equity-Investoren, die getrieben von hohem Anlagedruck eine hohe Zahlungsbereitschaft zeigen.

Das führt offenbar dazu, dass die Finanzinvestoren bei Deals häufiger den Zuschlag erhalten als in der Vergangenheit. Das legen zumindest die Ergebnisse des aktuellen FINANCE M&A Panels nahe, für das FINANCE zusammen mit der Wirtschaftskanzlei CMS leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen anonym befragt hat. Zum ersten Mal seit Beginn der Umfragereihe im Februar 2011 stimmten die Befragten der These, dass Strategen im Wettbewerb mit Finanzinvestoren um Zielunternehmen im Vorteil seien, nur mit dem Wert 5 zu (10= volle Zustimmung). In der Vergangenheit hatte dieser Wert bei durchschnittlich 6,26 gelegen. 

3 Kernergebnisse aus dem FINANCE M&A Panel

1 Hoher Bieterwettbewerb

Die Übernahmeziele im deutschen Markt sind rar und treffen auf eine große Schar an Kaufinteressenten, bestehend aus strategischen und Finanzinvestoren.

2 Finanzinvestoren holen auf

Finanzinvestoren sind nach Einschätzung der M&A-Vertreter aus Unternehmen gegenüber strategischen Investoren nicht mehr im Nachteil.

3 Innovation durch M&A

Fusionen und Übernahmen spielen in den Innovations- und Digitalisierungsplänen der Unternehmen eine wichtige Rolle.

Deutsche M&A-Targets werden immer knapper

Für Verdruss in den M&A-Abteilungen sorgt auch die Knappheit an verfügbaren Übernahmezielen. Der Aussage, dass die Konkurrenz um Targets in Deutschland und Europa groß ist, stimmten die befragten Unternehmen mit dem historischen Höchstwert von 8,25 zu. Zum Vergleich: In der Juni- und Februar-Umfrage schätzen die Unternehmen den Wettbewerb mit 7,28 und 7,47 noch deutlich geringer ein. Mit einer weiteren Verschärfung rechnen die befragten Unternehmen jedoch nicht. 

„Wir sehen weiterhin in nahezu allen größeren Verkaufsprozessen Interessenten aus Asien und beraten häufig Investoren aus dem asiatischen Raum auf der Käuferseite.“

Oliver Wolfgramm, CMS

Etwas weniger Konkurrenzdruck verspüren die befragten M&A-Vertreter bereits jetzt bei Käufern aus den Schwellenländern. Der These, dass diese derzeit aktiv sind, stimmten sie nur mit dem Wert 5,25 zu. Vor einem Jahr lag dieser noch bei 6,28 als vor allem chinesische Unternehmen und Finanzinvestoren den deutschen M&A-Markt belebten. Der M&A-Anwalt Oliver Wolfgramm von der Wirtschaftskanzlei CMS sieht das anders: „Wir sehen weiterhin in nahezu allen größeren Verkaufsprozessen Interessenten aus Asien und beraten häufig Investoren aus dem asiatischen Raum auf der Käuferseite.“

Unternehmen legen mehr Wert auf Compliance-Garantien

Die große Bieterkonkurrenz treibt nicht nur die Kaufpreise nach oben – zu hohe Bewertungen werden von den befragten Unternehmen weiterhin als häufigster Dealbreaker genannt. Der Wettkampf führt auch zu größeren und komplexeren Transaktionen. M&A-Vertreter deutscher Unternehmen legen deshalb inzwischen mehr Wert darauf, sich über Garantien gegen Compliance-Risiken wie Bestechlichkeit oder Markt- und Preisabsprachen abzusichern. Für 75 Prozent der Befragten sei dies wichtig oder sogar sehr wichtig.

„Die Compliance-Organisation zu überprüfen ist heute ein fester Bestandteil jeder Due Diligence“, meint CMS-Partner Thomas Meyding. Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, empfiehlt der Anwalt zunächst die internen Prüfberichte. Jedoch komme man ohne ein persönliches Gespräch, in dem der Compliance-Verantwortlichen Rede und Antwort steht, nicht aus, da sich die relevanten Themen häufig aus der Diskussion ergäben.

„Die Compliance-Organisation zu überprüfen ist heute ein fester Bestandteil jeder Due Diligence.“

Thomas Meyding, CMS

Unternehmen rüsten sich mit M&A für digitale Zukunft

Zukäufe sind aktuell für Unternehmen auch ein wichtiges Mittel, um sich für die digitale Zukunft zu rüsten: 45 Prozent der Befragten gaben an, häufig oder sogar sehr häufig gezielt in Unternehmen zu investieren, um Innovationen voranzutreiben. Weitere 40 Prozent täten dies immerhin gelegentlich und nur 15 Prozent gaben an, dies eher selten zu tun. 

Wie wichtig M&A für die Digitalisierungsstrategien deutscher Unternehmen ist, warum Unternehmen hauptsächlich zukaufen, woran die meisten Deals scheitern und noch mehr Informationen zum aktuellen Marktumfeld, liefert das aktuelle FINANCE M&A Panel, das Sie hier kostenlos herunterladen können.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die vollständigen Ergebnisse des FINANCE M&A Panels können Sie hier kostenlos herunterladen. Noch mehr Panels, Studien und Datenbanken, finden Sie unter der Rubrik FINANCE-Research.